Liberté, Egalité, Beyoncé

27 Aug

Auf der Welt passiert ständig viel Scheiß, zum Beispiel Polizeigewalt. Diese wiederum trat zuletzt in Berlin, Malmö oder auch Ferguson auf. Deshalb ist es schön, sich auch erfreulichen Dingen widmen zu können. Zum Beispiel Beyoncés 17-minütigen Auftritt bei den MTV VMAs.

Feuilleton-riffic: FKA twigs

9 Aug

Die letzte Woche war musiktechnisch gesehen mit vergoldeneten Veröffentlichungen geprägt: Erst droppen Beyoncé und Nicki Minaj den ***Flawless (Remix), gestern veröffentlichte FKA twigs ihr erstes Album LP1 und gibt frische Impulse in die Indie-Sphäre.  Jene Fans, die bereits vor zwei Jahren bei der ersten ihrer zwei EPs Blut geleckt haben und seitdem hungrig auf Nachschub warten, rasten genau so aus wie Neuentdecker_innen.

Bild: Promo

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Ain’t nobody care if #FeministsAreHot or not

4 Aug

Ich rufe alle Frauen und Männer dazu auf, nicht mit Menschen zu schlafen, die unfeministische Ansichten haben. Ferner rufe ich alle Feministinnen und Feministen dazu auf, ihre gelungensten Selfies mit dem Hashtag #feministsarehot zu taggen! Machen wir Feminismus attraktiv! Machen wir ihn begehrenswert! Irgendwann findet man dann unter #feministsarehot eine weltweite Sammlung schöner, starker, feministischer Männer und Frauen. Und wovon träumt ihr so?

- Franziska Holzheimer auf Passheimer

Soeben bewarf ich euch mit einem Ballen problematischer Aussagen und ich schlage vor, mit einem Fragenkatalog vorzugehen, um all die Fragezeichen in meinem Kopf abzuarbeiten.

1) Warum genau muss alles “hot” oder “sexy” sein, um eine Daseinsberechtigung zu haben?
2) Was meint “hot” oder “sexy” eigentlich?
3) Wer bestimmt, was “hot” oder “sexy” ist? Nicht zufällig das Patriarchat?
4) Und wenn’s das Patriarchat ist, warum sollte es relevant sein, ob sie Feminist_innen attraktiv finden? Ich dachte, der ganze Punkt am Feminismus sei, dem Patriarchat in die Limo zu pinkeln?
5) Ist es bahnbrechend subversiv, eine schlanke, dünne, normschöne Frau in hipper Kleidung als Beispiel für sexy Feminismus zu nehmen? Würde sie auf der Straße nicht so oder so als “hot” gelten?
6) Ist es schon wieder so eine Feminismus-muss-sich-wieder-für-weiße-schlanke-ableisierte-Cisheten-lohnen-Aktion? Denn dass Feminismus sich für diese Personen lohnt, wissen wir schon längst, sie nehmen bereits sehr viel Raum ein.
7) Wurde feministisches Hot-Sein nicht schon allerspätestens in den 90ern reclaimt? #RiotGrrrl #GirlPower
8) Können wir bitte nicht versuchen, Feminismus “begehrenswert” zu machen und alles unnötig zu sexualisieren?

Ich träume davon, dass nicht ständig irgendwelche failigen, vermeintlich feministischen Aktionen gestartet werden.

PS: Ja, ich verstehe den Wunsch dahinter, sich als Feminist_in empowern zu wollen. Aber warum brauchen jene Körper Empowerment, die ohnehin überall repräsentiert werden? Warum können nicht Hashtags wie #FeministSelfie weiter promoted werden?
Aber als eine dieser berüchtigten haarigen, dicken, lesbischen_typenhassenden, nicht-weißen, veganen Feministinnen, vor denen seit Jahrzehnten in den Medien gewarnt wird, habe ich es endlos satt, dass sich von “Menschen wie mir” abgegrenzt werden muss. Permanent. “Aber schaut, ich bin nicht so eine haarige, männerhassende, lesbische (…) Feministin! Ich trage nämlich Hipstermode, schlafe mit Typen und esse Steak! Ja, ich rasier mich auch! Außer momentan unter den Armen, ist nämlich auch wieder hip!” That’s all I’m saying, bye.

Childhood made of plastic, it’s fantastic

30 Jul

Gierig nahm ich als Kind alles in mich auf, was von Erwachsenen so erbost als Gift gelabelt wurde. Morgens schon mal Elmex statt Aronal, direkt im Anschluss Gummisüßigkeiten in schrillen Farben, nach der Schule in der Mikrowelle aufgewärmtes Essen, das ich mich hineinstopfte, während ich mit großen Augen auf den Bildschirm unseres Fernsehers starrte. Nachmittags RTL2, abends SuperRTL.

Statt schlauer Sachbücher las ich Comics über andere Mädchen mit Superkräften, ich wäre gern eine von ihnen, aber ich würde mich eh nicht trauen, so kurze Röcke zu tragen.

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GRRRL POWER VOL. 8 – OUT NOW

26 Jul

Good news, everybody: Nach Zeiten der Stille verkünde ich ein Ende der Trostlosigkeit. Das neue GRRRL POWER Mixtape ist da und wartet nur darauf, gehört zu werden. Mit dabei sind dieses Mal Fever Ray, Tami Tamaki, Sky Ferreira, FKA Twigs, Beach House, Angel Haze, Austra, Beyoncé und viele mehr.

Das macht nicht nur die Hitze erträglicher, sondern macht sich auch bei Gewitter schick im Ohr. Super, oder?

Pink stinkt nicht, ihr Lauchs!

18 Jun

Wenige Phänomene sind so polarisierend wie Pinkstinks. Maximal die Frage, ob Käse Dessert sein darf, kann hier mithalten. Während letzteres eine Sache des Geschmacks ist, ist Pinkstinks für mich eine Frage der Logik. Es ist ja bei vielen Sachen so, dass sie auf dem ersten Blick so richtig geilomeilo und amazing sind, bei sich beim genaueren Nachdenken aber als superproblematisch und uncool erweisen.

Ich weiß immer gar nicht, wo ich anfangen soll, wenn ich erklären soll, dass Pinkstinks eher nicht so geilomeil ist. Vielleicht versuche ich es mal so:

You must be shitting me with that name of yours

Allein der Name ist so problematisch, dass ich mich frage, wie sich als Feminist_innen bezeichnende Menschen unter diesem Titel einen Kampf führen können. Es erschließt sich mir nicht. (Und ich bin nicht diejenige, die Gender Studies studiert hat.) Was impliziert der Name denn?
Der Name wertet Femininität ab und macht queere Kämpfe unsichtbar beziehungsweise stellt sie als irrelevant dar. Die Kampagne existiert in keinem sozialen Vakuum, sondern in einer Soziokultur, in der Pink_Rosa für Femininität, Frauen*, Homosexualität, Optimismus, Spaß, Kindlichkeit und Sexualität an sich steht. Der Slogan “Pink stinks!” diskreditiert all dies. So funktioniert Semiotik. So funktioniert Sprache. Weiterlesen

Female to female – a long way to go

28 Mai

[Contentwarnung: Kackscheisze wie internalisierter Dickenhass und Misogynie werden in diesem Text thematisiert.]

Als ich 10 Jahre alt war, wusste ich, dass ich lieber ein Junge gewesen wäre. Ich wollte lieber ein Junge sein, weil ich kein Mädchen sein wollte. Nicht-binäre Genderidentitäten waren mir damals fremd, sie wurden weder in meinen Lieblingsserien repräsentiert, noch wurden sie in Jugendzeitschriften erwähnt.

Schon immer konnte ich mich mit tomboy-haften Figuren wie Spinelli aus Disney’s Große Pause oder Lor von den Wochenend-Kids identifizieren. Oder einfach gleich mit Jungen. Zumindest hatte ich das Gefühl, dass Eigenschaften wie Schlagfertigkeit, Coolness, Witz und Stärke androzentrisch waren_sind. Mit meinen schlabberigen Hosen – so schlabberig sie an meinem fetten Körper sein konnten -, weiten Shirts und Turnschuhen, mit meinem Pferdeschwanz und der Aversion gegen jedem Anzeichen von Femininität, wollte ich auch so krass wie Jungs sein können. Wie Avril Lavigne früher. (Bis ich meinen Faith in sie verlor.) Ich wollte one of the boys sein.

Internalisierte Misogynie ermunterte mich zum Tussi-Bashing, zu Girl Hate und dazu, von mir zu behaupten, “nicht wie die anderen Mädchen” zu sein. In der 6. Klasse mussten wir uns im Musikunterricht zu Performance-Gruppen zusammenfügen. Nach ein paar Wochen Übung sollten wir einen Beitrag in einer der drei Genres Gesang, Tanz oder Rap vor der gesamten Klasse vorführen. Meine Wahl ließ sich leicht treffen: Meine Stimme klingt wie dieser Ton, der sich als letzter Schrei vor dem Überfahrenwerden einer Katze zuordnen lässt, meine Körperbewegungen glichen einer sich im Kreis drehenden Kartoffel (sowohl wie das Knollengemüse, als auch unkoordiniert tanzende Whities) und über meinem Bett ging ein Poster von Eminem. Endlich konnte die toughe Hiphop-Karriere starten, ich träumt schließlich nachts schon davon.

In unserer 6-Personen-Gruppe war ich das einzige Mädchen. Das war für mich gar nicht beklemmend, sondern bestätigend. Ich war literally one of the boys. Ich wurde auch so behandelt. Für meine Ideen im Songwriting-Prozess bekam ich viel Anerkennung, ich wurde nie in diese stereotypische “dein Platz als Mädchen im Hiphop ist in Unterwäsche und im Hintergrund”-Position gedrängt. Trotzdem war ich alles andere als Selbstbewusst. Unser Auftritt war ein einziger Alptraum für mich, ich nuschelte den auswendig gelernten Text mit gesenktem Blick und unbeholfen wackelnden Händen im Musikraum vor, die Reaktionen wollte ich gar nicht sehen, ich konzentrierte mich lieber auf den blau-grauen Teppichboden, der irgendwie nach Rosinen roch.

Mit 13 änderte sich mein Musikgeschmack, Hiphop und R’n’B hörte ich nur noch heimlich, offiziell war ich im Rock- und Punk-Business angekommen. Ich trug Skater-Hosen, ein hellblaues Nieten-Schweißband aus der Yam (das legte ich aber bald ab, ich hab gemerkt, dass es noch nicht so viel Street Credibility hat, Zeitschriften-Extras zu tragen) und Chucks. Meine Haare waren inzwischen kurz und ich wurde auf der Straße manchmal als Junge gelesen. Allerdings fühlte ich mich extrem unwohl, zumal die Kommentare, die ich zu hören bekam, stark auf meine Figur bezogen waren und auf meine mangelnde Attraktivität. Mir war klar, dass ich in meinem fetten Körper nur Maskulinität performen konnte, weil es die einzige Option war für all jene, die nicht sexualisiert werden wollten.

Das Thema Sexualität war eines für sich. Ich fand es widrig, ich wollte nicht als sexuell begehrtes Objekt gelesen werden, niemals. Wenn meine Mutter und meine Tanten darüber scherzten, dass auch ich mal Mann und Kinder haben würde, war ich nicht nur angeekelt, sondern sehr verletzt. Meine erste Menstruation war für mich vor allem Resignation. So nach dem Motto: Jetzt gibt es kein Zurück mehr.

Ich wurde auf Diät gesetzt, verlor an Gewicht und gewann an essgestörtem Verhalten. Meine Depressionen und der Selbsthass wurden stärker, ich wollte aus diesem Körper raus. Für mich gab es zwei Möglichkeiten: Entweder Männlichsein oder Schlanksein. Das Gefühl, als Mädchen nicht fett sein zu dürfen, war so stark. Fette Jungen durften zumindest witzig, schlagfertig und cool sein.

Erst mit dem Zugang zu Indie- und Alternative-Rock sah ich zumindest toughe Frauen in Kleidern, zum Beispiel Meg White von den White Stripes. Nach und nach gestand ich mir ein bisschen Femininität zu, ich benutzte einen schwarzen Kajal-Stift, um durch Augen-Make-Up die Dunkelheit meiner ach so krassen Seele zu repräsentieren. Es half. Ich fühlte mich ein bisschen tougher.

Beim Filmeschauen wurde ich der Trope des Manic Pixie Dream Girls bekanntgemacht. Ich war zwar nicht so schlank wie sie, aber wenigstens durften die witzig sein und sich gut mit Musik auskennen. Schöne Blumenkleider hatten sie an, wollte ich ebenso, hab ich dann auch gemacht. Raus aus den engen Röhrenjeans mit Knopf und Reisverschluss, rein in Strumpfhosen und weiten Kleidern, das tat gut.

Mit 19 outete ich mich bei mir selbst. Ich merkte dann auch, dass meine Blumenkleider auf SchwuLesBi-Partys nicht so ankamen, zu oft wurde ich gefragt, ob ich nur meinen Gay Best Friend beim Weggehen begleite. Ich passte mich einigen Codes an, die Haare wurden kürzer, ich probierte es als Hipster-Butch. Ich will gar nicht sagen, dass es schlecht aussah, es war tatsächlich ziemlich schmuck, aber es war nicht ich. Durchgehende Androgynität – so authentisch es mit meinem Körper möglich war – erfüllte mich nicht komplett. Immerhin lernte ich durch Tumblr viel über die Vielfalt von Gender und das half mir sehr.

Und dann, vor so einem Jahr, kam die Offenbarung: Hard Femmes. Die gibt es. Ich bin eine. Ich kann superfeminin und gleichzeitig super-tough sein! Femininität anzunehmen war für mich ein sehr langer Prozess, es war eine Art Transition. Eine Subversion von Weiblichkeit, die bewusste Wahl ihrer und die Herausforderung sowie der Buch von damit verbundenen Klischees wie Als-Hete-Gelesen-Werden sind meine tägliche Challenge, aber mit dem passenden Lippenstift pack ich das. Ich habe gelernt, dass ich fett, feminin, queer, tough, cool, radikal, stark und schön sein kann, und zwar alles gleichzeitig. Dabei muss ich mich gar nicht als Frau labeln, Genderperformance und -identität ist ein DIY-Produkt und ich bastele gern.

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