Warum das x-Pronomen mir Bauchschmerzen bereitet

18 Feb

Große Lücke in der deutschen Sprache? Smoothe geschlechtsneutrale Pronomen. Es gibt viele Alternativen, zum Beispiel stets wechselnde Pronomen, er_sie, sier, xier und das x. Wenn ich aber 0% “er” in meiner nicht-binären_genderqueeren Identität ausmachen kann, fühlen sich viele von ihnen falsch an. Und das x? Weiterlesen

Nö, passt nicht! – Warum white-passing nicht nur ein Privileg ist

2 Jan

Es ist Werktags, kurz vor Jahresende, die Straßen überfüllt mit Menschen, der Boden bedeckt von Schnee, die öffentlichen Verkehrsmittel unübersichtlich. Ich sitze in der U-Bahn, lasse mich über Kopfhörer von Silvana Imam beschallen und betrachte meine Reflexion auf der dunklen Fensterscheibe. Müde sehe ich aus. Und ein bisschen glamourös in meinem schwarzen Faux-Pelzmantel. Auf meiner langen Strecke steigen viele Menschen ein und aus. Zwei coole Middle-Eastern Queens steigt am Hermannplatz ein, die beiden Freundinnen sitzen in einem Viererblock mit mir und einer anderen Person, die ich als Middle-Eastern Mädchen lese. Die beiden Freundinnen unterhalten sich miteinander, die eine hat einen knallroten Lippenstift und lockiges Haar, die andere ein sehr schmales Gesicht und goldene Kreolen. Sie nehmen viel Raum ein, unterhalten sich laut, reclaimen sich den von weißen Yuppies gefüllten Space namens U-Bahnabteil. Ab und zu lächeln sie der vierten Person auf den Sitzbänken zu, es ist keine große Kontaktaufnahme, nur ein Zeichen von “Ich sehe, dass du da bist, Schwester!” Ich beobachte die beiden, bewundere sie. Sie wirken auf mich sehr selbstbewusst und erinnern mich an Töchter von Bekannten. Ich versuchte, nicht starrend auszusehen, also schaute ich immer nur für ein paar Sekunden hin und senkte meinen Blick schnell wieder. Ich lächelte, hätte ihnen gern zugelächelt. Hätte gerne auch ein “Ich sehe, dass ihr da seid und ich bewundere euch, Schwestern!”-Zeichen ausgesandt. Wie ich es oft auf der Straße versuche, wenn ich Muslimas und nicht-weißen Personen über den Weg laufe. Aber ich werde häufig nicht erkannt. Weiterlesen

Breaking News: Die meisten weißen Deutschen sind hart rassistisch

23 Dez

[TW: Rassismus, anti-muslimischer Rassismus]

Jede Woche laufen ein paar tausend Leute mehr auf der rassistischen, anti-muslimischen PEGIDA mit, der Dresdner Montagsdemo der “Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes”. Der Boden für diese beschissenen Weltansichten wurde schon vor Jahrzehnten gesät, die Anschlussfähigkeit im Land ist enorm: Jede dritte Person in der BRD fürchtet sich vor dieser vermeintlichen Islamisierung. Christliche Werte™ werden von heute auf morgen in CAPSLOCK geschrieben und dürfen nicht untergehen. Immer wieder wird sich von (Neo-)Nazis und Rechtsradikalen distanziert, es seien “stinknormale, besorgte Bürger”, die hier auf die Straße gingen.

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Mixtape: Best of 2014

13 Dez

 

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Finally. Gesellschaftlich und politisch ist viel Scheiße passiert, aber auch in der Musik gab es viele Flops. (Ich sag nur: Eminem und Iggy Iglesias.) Trotzdem: ES GAB NICHT NUR SCHLECHTES AN 2k14!

Ihre lang ersehnten und hinausgezögerten Debütalben veröffentlichten unter anderem Angel Haze, Azealia Banks, FKA twigs und Beatrice Eli. Das geschah nicht leise und unauffällig, sondern erlebte einen Sturm der Begeisterung – zurecht. Über LP1 von twigs bloggte ich hier sogar. Mit Beatrice Eli führte ich letzte Woche ein Skype-Interview, das ihr bald auf Missy Online lesen könnt. Eine ausführlichere Rezension gibt es Anfang nächsten Jahres in der taz.

Mit einzelnen Tracks teasten hingegen Tami Tamaki, Hannah Diamond, Ibeyi und Schnipo Schranke. Erstere ist übrigens auch im schwedischen Spielfilm “Something Must Break” von Esther Martin mit “I Never Loved This Hard, This Long Before” zu hören, vor ein paar Monaten konntet ihr das Lied auf dem Bound 2 Tape hören. Anfang des Jahres kam ich auch in den Genuss, sie im Leipziger Westwerk live zu sehen und ein bisschen mit ihr zu schnacken. Super interessante Person, ihr solltet sie unbedingt im Blick behalten!

Geehrt wurde dieses Jahr immer wieder Queen Bey: Ob im M.I.A.-Remix, in der Kollaboration mit Nicki Minaj oder tanzend mit ihrer Girl Gang in Boy-Briefs. Auf Beyoncé war mal wieder Verlass, sie brachte gute Styles, viel Gossip bezüglich ihrer Ehe mit Jay-Z (inklusive eines Trailers für “ON THE RUN” – einem Film, der nie erschien) und arbeitete mit Qualitätsmenschen zusammen. (Anders als J.Lo, die ihren Booty-Song lieber mit der rassistischen Iggy Azalea machte. Sie hätte alles haben können und trifft dann diese Entscheidung. Sehr enttäuschend.

Nicki Minaj selbst hingegen brachte neben anti-semitischen Tweets und dem Flawless-Remix einen eigenen Smash-Hit raus: Mit Anaconda war der Anilingus-Diskurs in der Popmusik nicht mehr auszublenden. Und ein frisches Album gibt es auch! Im Frühjahr 2015 habt ihr sogar die Möglichkeit, sie live zu sehen, wenn ihr wollt. Ich werd das definitiv tun.

Wie auch ihre Partnerin Beatrice Eli feiert Silvana Imam ihren Erfolg als queere Newcomerin in Schweden. Ihre Super-EP “När du ser mig” spielte sie auch, als ich sie im Oktober in Göteborg live sah. Sehr empowernd, so fierce Middle-Eastern Queers zu sehen!

Coole Alben brachten auch Warpaint, Bombay Bicycle Club, Fenster, Könsförradare, Lykke Li und Jessie Ware raus, eine EP hingegen gab es auch von EASTER. Und wer ab und zu Spotify hört, wird nicht an Kiesza vorbeigekommen sein.

Meine 21 liebsten, 2014 veröffentlichten Hits könnt ihr euch jedenfalls auf meinem neuen Mixtape anhören. Was mich dieses Jahr sonst noch entzückt hat, könnt ihr auf den anderen 2014 erschienen Listen nachsehen. Und ich würde gern wissen, welche Lieder, Alben oder Musikvideos euch dieses Jahr umgehauen haben?

Sprachliche Sichtbarmachung von Lebensrealitäten? VOLL SCHEISSE!

20 Nov

So richtig #geilon wird Die Deutsche Sprache™ vor allem von jenen gefunden, die große Fans von Goethe, Schiller, Kant und Co. sind. Erfahrungsgemäß – und angesichts der Inhalte letzterer – sind es Menschen, die Sexismen aller Art, Rassismen, Kolonialismus, Klassismus und sämtliche andere -ismen nicht soooo schlimm finden und gerne mal relativieren. Unter dem Schirmbegriff Sozialwissenschaftler_innen (oder, wie sie vermutlich selbst lieber sagen: Sozialwissenschaftler) ruhen sich mehrfachprivilegierte Menschen aus, die bei aller Liebe nicht wüssten, was an mehrheitlich von weißen Cistypen ausgedachter Kultur™ denn bitte problematisch sein soll. Dabei schneiden sie sich gerne mal ins eigene Fleisch.

Von den Theorien einiger dieser Typen lassen sich plausible Thesen ableiten. Ferdinant de Saussure meinte zum Beispiel so, dass ein Ding zwei Seiten hat: Die sprachliche Erfassung und seine Existenz. Ich sehe aus meinem Fenster und erkenne einen Baum. Ich weiß, dass es ein Baum ist, weil ich mit dem Glauben sozialisiert bin, dass Merkmale wie die Größe, Materialität und das Aussehen dieses Objekts darauf hinweisen, dass es ein Baum ist. Und dass es Baum heißt. Wenn etwas also existiert, braucht es auch eine sprachliche Instanz. Das ist eine Erkenntnis aus den Geisteswissenschaften. Weiterlesen

My Body, My House #1

10 Nov

Cover

 

Hurra, hurra, mein erstes großes Zine-Projekt gibt es jetzt auch online: Unter dem Titel My Body, My House sammelte und arbeitete selbst an Beiträgen wie Collagen, Texten, Comics und Gedichten rund um das Thema Körper. Auf dem Mini-Queer-Zine-Fest im September gab es die ersten Print-Ausgaben zu kaufen, die sind momentan allerdings vergriffen und müssen nachgedruckt werden. Dafür gibt es die Online-Ausgabe hier zu lesen und zwar kostenlos. Viel Spaß damit!

“Woher kommst du?”

23 Okt

Aus der Uni.

Aus Kiel.

Aus Hamburg.

Aus Niedersachsen.

Aus dem Café.

Aus dem Uterus meiner Mutter.

Aus Buchholz.

Aus Freiburg.

Aus Schweden.

Aus Wien.

Aus den Medienkulturwissenschaften.

Aus einer muslimischen Familie.

Aus Neukölln.

Aus der U8.

Aus dem Bus.

Von der Arbeit.

Aus der Küche.

Aus einer iranischen Familie.

Aus der Dusche.

Aus einer schweren Depression.

Aus dem Internet.

Aus der Zukunft.

Aus der anti-rassistischen_queer_feministischen Praxis.

Aus der Kleinstadt.

Nicht vom Dorf.

Aus Deutschland.

“Ich verstehe deine Frage nicht.”

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