Von Möchtegern-Amélies und Lebenskünstlern

6 Jul

Eintrag vom 13. September 2009:

Wer liebt sie nicht, die ersten Sonnenstrahlen nach einem kalten Winter, das erste Eis im Jahr oder den Duft, der nach dem Regen die Straßen überströmt? Den Geruch von frisch gemähtem Gras oder warmen Apfelkuchen?
Und wer freut sich nicht drüber, beim Einkaufen nur über Schnäppchen zu stolpern und somit Geld zu sparen, um anschließend in einer alten, aber schönen, Kaffeebar eine Tasse Karamellcappuccino zu trinken, mit dem Hintergedanken, es sei das köstlichste, was es gibt?
Eben, jeder tut das, denn niemand gibt gern viel Geld aus oder mag den Geruch von bspw. Essigsäure. Dementsprechend handeln sich oben genannte Erlebnisse nicht etwa um besondere, einmalige Events, sondern um die schönen Seiten des Alltags. Jeder genießt eine andere Art von Erholung oder Spaß, aber eins steht fest: „Glücksmomente“ mag jeder, das besagt schließlich schon der Name.
Dennoch sehen es neuerdings zahlreiche Jugendliche als notwendig, es jedem zu erzählen und es überall hinzuschreiben, dass sie die Kleinigkeiten des Lebens, diese Augenblicke der Glückseligkeit eben, lieben.
Nicht, dass ich diese Aspekte des Alltages nicht mögen würde, im Gegenteil, ich genieße sie, wie jeder andere auch.
Trotzdem sehe ich es nicht ein, warum man extra erwähnen muss, dass man schöne Dinge mag – das versteht sich doch von selbst?
Erwähnt man auch, dass man es mag, satt zu sein, ausgeschlafen zu sein, gut gelaunt zu sein oder gute Noten zu schreiben? Nein, denn das wird wahrscheinlich als selbstverständlich angesehen. Anstatt sich drüber zu freuen, dass man Kleidung, Bildung und Nahrung hat, freut man sich drüber, 4€ für einen Kaffee mit Vanillegeschmack ausgeben zu dürfen.
Natürlich kann man erwähnen, man möge dies oder das, zum Beispiel: „Oh, schau mal in den Himmel. Ich liebe diesen Sonnenaufgang.“ Was mich nervt, ist, wenn jedes Mal dahintergesschoben wird: „Ich mag ja die kleinen Dinge des Lebens.“ Ja, und?
Ich schätze, dass einige Menschen der Ansicht sind, dass vor lauter Ignoranz die „Glücksmomente“ übersehen werden und die Menschheit undankbar ist, und deshalb konsequent ihre Vorlieben markieren, eben um zu zeigen, dass sie sich an kleinen Dingen erfreuen können, so wie die Protagonistin des Filmes „Die fabelhafte Welt der Amélie“ zum Beispiel.

Dann gibt es noch die Leute, die sich für reine Lebenskünstler halten, weil sie es geschafft haben, niemals Hausaufgaben zu machen, aber nie dabei erwischt werden. Ja, wahre Helden sind das.

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