Indiviualität wird großgeschrieben und wer anders ist, wird ausgelacht.

8 Aug

Individualität – ein Wort, was viele von uns nicht mehr hören können. Laut wissen.de wird das Ganze so definiert:

Inbegriff der Eigenschaften eines Individuums, als Einheit und Ganzheit vorgestellt. Im engeren Sinne kommt Individualität nur dem Menschen zu und meint dessen Persönlichkeit. Während die Aufklärung die generelle Betrachtung des Menschen in den Vordergrund stellte, wird bei Goethe, Herder und den Romantikern der Begriff der Individualität als das Unverwechselbare, Einmalige bedeutsam. In der Kulturkritik des 20. Jahrhunderts wurde Individualität zum Gegenbegriff zu Typisierung und Vermassung.

Das heißt also, es geht darum, aus der Menge herauszustechen, anders zu sein eben. Seitdem es in den Trend kam, „individuell“ zu sein, sah diese „Individualität“ immer gleich aus und komischerweise bezog sie sich häufig auf das Äußere einer Person. Was noch grotesker ist, ist die Tatsache, dass dieser „einzigartige“ Kleidungsstil immer Hand in Hand mit der Mode ging, sodass die gesamte Masse gleich aussah, obwohl sie nach dem Anderssein strebten. Vor lauter „Individualität“ sind die Leute schon uniform. Fragwürdig? Ich finde schon.

Was mich an der ganzen Sache viel mehr stört – Letzteres ist mittlerweile gar nicht mehr so ärgerlich – ist Folgendes:
Diejenigen, die tatsächlich anders sind, werden in der Regel ausgeschlossen oder gar diskriminiert. Dabei bezieht sich deren Einzigartigkeit oft nicht nur auf ihre Optik, sondern auch auf ihre Vorlieben, Tätigkeiten oder auf die Persönlichkeit.
Ist es also nicht paradox, dass wahre Individualisten – und nicht Indievidualisten – gerade dort isoliert werden, wo man Akzeptanz am meisten erwarten würde? Muss man letztendlich also doch die Musik hören, die im Freundeskreis am häufigsten gescrobbelt wird, die Kleidung tragen, die in allen Textilketten im Schaufenster steht, und das mögen, was sowieso schon beliebt ist, um bei Menschen dazuzugehören, die von Toleranz und dem Abwenden vom Mainstream sprechen?

Weiterhin stellte ich letztens während einer Diskussion im Unterricht beängstigendes fest, nämlich dass sehr viele ihre Persönlichkeit durch ihren Besitz definieren würden, ganz nach dem Motto: „Du bist, was du hast, was du trägst, was du isst, was du hörst und was du kaufst.“ Hier wächst den Menschen also nicht nur der Materialismus über den Kopf, nein, innere Werte werden viel seltener geschätzt. Wer also herausstechen will, zeigt dies durch sein Aussehen, nicht etwa durch seinen Charakter. Schade.

„Unsere“ Gesellschaft beweist auch in diesem Punkt Oberflächlichkeit und Ignoranz – Eigenschaften, die einige von uns – beispielsweise ich – nicht mehr länger dulden wollen. Versuchen wir also, unsere Vorurteile abzulegen und Menschen aufgrund ihres Andersseins nicht auszuschließen, wenn wir selbst von dem hohen Wert einzigartiger Persönlichkeiten erzählen.

Wie sehen eure Erfahrungen mit diesem Thema aus?

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2 Antworten to “Indiviualität wird großgeschrieben und wer anders ist, wird ausgelacht.”

  1. whatsername 25. August 2010 um 14:04 #

    sehe ich ähnlich wie du.
    habe sogar irgendwann letztens auch mal einen post zu dem thema verfasst 😉

    lg

  2. Ella 30. August 2010 um 19:36 #

    Hey, Heng!
    Ich bin grad über Facebook auf deinen Blog gestoßen und finde ihn total super! Du machst dir wirklich interessante Gedanken und es freut mich total, dass du die so aufschreibst (oder auch aufschreiben kannst!) 🙂
    Ich schreibe und lese auch schon immer furchtbar gerne und kann mich eigentlich für alles begeistern. Dein Blog begeistert mich übrigens auch. 😉

    Also, zu deinem Eintrag: Ich finde, das hast völlig recht, es ist total paradox. Vor allem, wenn man sich mal betrachtet, dass 1. all diese „Individualität“ nur dem Kommerz dient und dass sie schon bei den großen Modefirmen anfängt und 2. der Begriff „Mainstream“ und damit der Versuch „gegen den Mainstream zu sein“, ein totales Absurdum ist. Der Mainstream bedeutet ja nichts anderes, als dass sich eine große Gruppe Menschen nach einem „Schema“ oder Trend kleidet. Solch einen Mainstream gibt es aber in jeder Szene. Punks, beispielsweise, wirken zwar auf den ersten Blick sehr individuell, im Vergleich zu anderen, doch eigentlich kleiden sie sich ja auch nur nach dem, was sie irgendwo kaufen. 😉 Und sie folgen dem Trend, den es in ihrer Szene gibt.
    Meiner Meinung nach gibt es keine Individualität durch Kleidung oder ähnliches. Das, was man sich kauft, wird es immer in ähnlicher oder gleicher Form auch bei jemand anderem geben. Darum finde ich es auch überhaupt nicht schlimm, in den Laden zu gehen (und sei es auch so ein „Mainstream“-Laden, wie H&M) und sich dort das zu kaufen, was einem gefällt und womit man sich wohlfühlt. Das ist, denke ich, der erste Schritt zur Individualität, weil es ja von innen heraus kommt. 😉 Und ich glaube auch, dass Individualität und individuell sein eigentlich ein Persönliches Gefühl ist und nichts, was in einer Gruppe oder Gesellschaft funktioniert. Man ist ja nur durch sich selbst individuell und wenn man sich selbst anerkennt.
    Ich gebe dir aber völlig recht, Toleranz kommt sehr abhanden. Das ist schade. Leider kann auch ich mich davon nicht völlig ausnehmen, ich kann nur versuchen, mich zu bessern.

    So, ich hoffe, du ließt diesen Kommentar überhaupt. 🙂
    Vielleicht hast du ja mal interesse, dir meinen Blog anzuschauen, auch wenn ich zugeben muss, er ist sehr persönlich und nicht immer nur eine Auseinandersetzung mit anderen oder anderem.
    Mein „alter“ Blog ist folgender: http://ellchi.myblog.de,
    mein neuer, auf dem aber nun noch nicht viel draufsteht ist der, der auch beim Kommentar angegeben ist.

    Ganz liebe Grüße und weiter so! Deine Gabe ist ziemlich wertvoll, finde ich!
    Ella

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