Le Petit Prince

5 Feb

Alle großen Leute sind einmal Kinder gewesen (aber wenige erinnern sich daran.

Einer der genialsten Romane, die ich jemals lesen durfte, ist „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry. Kein Kinderbuch habe ich als so dermaßen berührend, wahr, niedlich, simpel und doch tiefgründig empfunden wie dieses. Geschmückt mit schönen Zeichnungen des Autors und treffenden Zitaten kann das Buch auch als eine Ersatz-Bibel verstanden werden.
Saint-Exupérie erzählt nämlich nicht nur von der kuriosen Bekanntschaft zwischen einem in der Wüste gelandeten Piloten und dem kleinen Prinzen, sondern versteckt in der Geschichte einige philosophische Aspekte, die bei genauem Hinsehen klar und verständlich dargestellt werden.

Die großen Leute

Man ist auch bei den Menschen einsam.

Die „großen Leute“ werden als verbittert, gestresst, gierig, widersprüchlich und einsam dargestellt. Es fehlt ihnen nicht nur an Fantasie, sondern auch an sozialen Kontakten und Zeit. Materialistisch und ignorant präsentieren sie sich in ihren Berufen und sind das Mittel, mit dem der Autor die Zivilkritik ausübt.

Die großen Leute haben eine Vorliebe für Zahlen.

Obwohl das Geld nicht wortwörtlich im Roman vorkommt, so fällt es nicht schwer zu erkennen, dass die Sterne, die der Geschäftsmann als seinen Besitz sieht, für das Kapital stehen. Somit wird dessen Rolle in unserer Gesellschaft hinterfragt. Wichtig ist, dass es keine deutliche Kapitalismuskritik, wie sie seinerzeit nicht selten geäußert wurde, ist, sondern vielmehr die Suche nach dessen Sinn. Das genaue Nutzen der Sterne kann der Geschäftsmann nicht beschreiben, da er sie nur „besitzt“ und später mit ihnen neue Sterne kaufen kann. An dieser Stelle verbirgt eine Paradoxie, da quasi von seinem Geld anderes, neues Kapital erworben wird, er tauscht die Sterne gegen Sterne – sein Reichtum wächst irgendwann nicht mehr.
Jedoch wird das Geld weder positiv, noch negativ abgestempelt, es ist der Geschäftsmann mit seinen schmutzigen Absichten.

Aber einen Affenbrotbaum kann man, wenn man sich seiner zu spät annimmt, nie mehr loswerden. Er bemächtigt sich des ganzen Planeten.

Was oder wen genau die Affenbrotbäume symbolisieren, ist nicht festgelegt. Einerseits können es schlechte Eigenschaften wie Gier, Hass, Voreingenommenheit oder Eifersucht sein, die die Menschheit auseinanderreißen und für Kriege verantwortlich sind. Andererseits können diese „Baobabs“ auch für die Erwachsenen stehen, die im Roman stets destruktiv agieren. Sie plustern sich auf, fühlen sich wichtig und übersehen all das, was sie durch ihre Haltung zerstören. Sie vergessen Vieles und verstehen nur noch Weniges, wie die Kritik zum Beispiel.

Die Eitlen hören immer nur die Lobreden.

Die Erkenntnis des Glücks

Nur die Kinder wissen, wohin sie wollen.

Offensichtlich verkörpert der kleine Prinz die Kindheit mit all ihrer Neugierde und ihrer Naivität. Trotz seiner positiven Ausstrahlung ist er sehr melancholisch. So deutet er anfangs seine Trauer an, auf die er im Laufe der Geschichte genauer eingeht.

„An einem Tage habe ich die Sonne vierundzwangzigmal untergehen sehen! (…) Du weißt doch, wenn man traurig ist, liebt man die Sonnenuntergänge…“ – „Am Tage mit den vierundzwanzigmal warst du also besonders traurig?“ Aber der kleine Prinz antwortete nicht.

Grund für seine Stimmung ist, wie soll es anders sein, die Liebe. Allerdings ist es kein Mädchen, sondern eine Rose, die er auf seinem kleinen Planeten B612 mit all seiner Kraft zufriedenstellen wollte. Im Gegensatz zu den Affenbrotbäumen und den Vulkanen bedurfte sie keine Pflege, sondern musste gezähmt werden. Zuerst erkennt er nicht, was ihm seine in sie investierte Zeit bringt, er ist unglücklich und erschöpft. Er beginnt sogar, an seiner Liebe zu zweifeln.
Er beschließt, vor seiner Beziehung zu fliehen und die anderen Planeten zu entdecken. Seine Rückkehr kann erst dann gemacht werden, wenn er an Reife und Einsicht gewonnen hat.

Auf seine Reise lernt er zwei wichtige Figuren kennen. Zunächst ist es die Schlange, die – ähnlich wie in der Bibel – die Verführung und den Wechsel des Ortes symbolisiert. Sie bietet dem kleinen Prinzen an, ihn zu beißen und zurück zu seinem Planeten zu bringen.
Dieses Angebot behält der Prinz im Hinterkopf und erforscht den Planeten Erde weiter.

Wenn du einen Freund willst, so zähme mich.

Die Begegnung mit dem Fuchs ist – meiner Meinung nach – die Schlüsselstelle. Zum ersten Mal ist der kleine Prinz nämlich in der Position des Lernenden und erfährt, was Freundschaft bedeutet.
Schließlich passiert es auch hier, dass der kleine Prinz versteht, warum seine Rose nicht wie alle anderen ist, sondern für ihn etwas ganz Besonderes ist:

Die Zeit, die du für deine Rose verloren hast, sie macht deine Rose so wichtig.

Auch der wohl berühmteste Satz dieses Meisterwerks kommt in diesem Dialog vor. Das Geheimnis, das der Fuchs ihm anvertraut, ist ganz einfach.:

Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.

Dies bezieht sich nicht nur auf zwischenmenschliche Beziehungen, sondern auf alles, die das Leben zu bieten hat. Es sind die Erfahrungen, die persönlichen Verbindungen mit Dingen, die sie einzigartig und schön machen.

Ob es sich um das Haus, um die Sterne oder um die Wüste handelt, was ihre Schönheit ausmacht, ist unsichtbar.

Deutlich wird, dass Saint-Exupérie das Ideelle über das Materielle stellt. So sehr er den Geschäftsmann ablehnt, desto deutlicher stimmt der kleine Prinz dem Fuchs zu.
Außerdem behandelt er noch ein anderes Thema, den Tod.

Man ist nie zufrieden dort, wo man ist.

Während er unterwegs war, hat der kleine Prinz sich stets Sorgen um seine Rose gemacht, die so schwach und zerbrechlich ist. Scheinbar ist der einzige Weg, sie wiederzusehen, der Tod durch den Schlangenbiss.

Man läuft Gefahr, ein bisschen zu weinen, wenn man sich hat zähmen lassen.

Der Pilot möchte ihn vom Selbstmord abhalten, da er seinen neugewonnenen Freund nicht verlieren möchte. Immerhin sieht er nicht nur einen Freund in dem kleinen Männchen, sondern ist von seiner Existenz fasziniert. Die Begegnung hat ihn von den großen Leuten zurückgeholt und ihm neue Werte vermittelt. Besonders die Fürsorglichkeit gegenüber der Rose hat ihn gerührt.
Zunächst ist der kleine Prinz etwas ängstlich, wenn es um den Tod geht, aber er begreift, dass er sich vor ihm nicht verstecken kann.

So schließt sich der Kreis also, der kleine Prinz lässt sich beißen und kehrt zu seiner Liebe zurück. Man könnte das ganze graphisch darstellen, in etwa so:

Diese drei Figuren sind es, die den kleinen Prinzen zur Erkenntnis des Glückes kommen lassen. Die Rose, weil sie sein Reichtum und seine Liebe ist. Der Fuchs definiert das Zähmen und hilft ihm, die Gefühle für seine Rose zu erkennen.
Zum Schluss gibt es die Schlange, die ihm die Angst vor dem Tod nimmt und ihn mit seiner Rose vereint.

Speziell die Art, wie die Erwachsenen wahrgenommen werden, ist wahrheitsgetreu gelungen. Ich merke es in meinem Alltag, wie ich mich einerseits über die großen Leute ärgere, andererseits aber feststellen muss, dass ich mich manchmal selbst so verhalte. Der Roman ist durchaus ein trauriger, vor allem das Ende.
Falls es jemand noch nicht gelesen haben sollte, dann muss sich das ändern. Wirklich, sehr dringend!

Saint-Exupéry war übrigens Pilot und erlebte auch eine Bruchlandung in der Wüste.

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Eine Antwort to “Le Petit Prince”

  1. Anni 5. Juni 2011 um 19:46 #

    Das Buch, welches ich zu Schulentlassung bekam und mich in vielen Dinge einiges gelehrt hat 🙂

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