Here comes the anxiety

24 Mai

Es heißt oft, man ließe sich durch seine Triebe leiten und handle vor allem wegen seiner Bedürfnisse. Ich habe allerdings mehr den Eindruck, dass man (bzw. Menschen um mich herum, einschließlich mir selbst) wir Marionetten unserer eigenen Ängste sind.
Zum Beispiel kaufen wir nicht Unmengen an Kleidung und Kosmetik, weil wir das Bedürfnis haben, schön auszusehen, sondern weil wir Angst haben, nicht attraktiv genug zu sein.

Bevor jedoch gesagt werden kann, welcher Akt von Bedürfnissen und welcher von Ängsten beeinflusst wird, müssen die Grundbedürfnisse des Menschen klar definiert werden.
Laut der Maslowschen Bedürfnispyramide gibt es fünf Stufen, die aufeinander aufbauen: Körperliche Bedürfnisse, Sicherheit, Soziale Bedürfnisse, Individualbedürfnisse und die Selbstverwirklichung.
Man kann auch das ganze in vier Spalten trennen: Existenz-, Grund-, Luxus- und Kulturbedürfnisse.  Oder aber man differenziert einfach zwischen materiellen und immateriellen Bedürfnissen (Quelle).

Zumal das Unterbewusstsein eine sehr starke Kontrolle über uns hat, frage ich mich, ob von dort aus eher Bedürfnisse oder Ängste ausgesendet werden.
Ich persönlich habe das Gefühl, dass mein Leben von Ängsten geprägt ist. Die gesunde Ernährung ist wichtig, weil man Angst hat, dass man sich und seine Umwelt zerstört und obendrein nicht schlank genug ist (und die Medien zeigen, dass man nie schlank genug sein kann).
Man unternimmt was mit Freunden, weil man einerseits das Bedürfnis nach sozialen Kontakten hat, andererseits aber auch fürchtet, dass man seine Jugend nicht auskostet. Die Motivation lässt sich aus verschiedenen Blickwinkeln erfassen, man kann es so oder so hindrehen.

Ängste unterdrücken die positiven Gefühle auch anderweitig. Sobald etwas festgestellt wird, das nicht in den bürgerlichen Rahmen passt, fangen wir an, unruhig zu werden.  Dabei geht es nicht nur um Äußerlichkeiten wie Übergewicht, Schönheit oder Kleidung, sondern auch um innere Gefühle wie Ab- und Zuneigungen gegenüber diverser Dinge oder eben, dass man so viel Angst empfindet.
Ich spüre in letzter Zeit einfach, wie zerbrechlich die Welt ist und wie schnell alles zu Grunde gehen kann. Vieles regt mich zum Zweifeln an, Weniges kann ich einfach hinnehmen und im Verlauf beobachten.

Dazu kommt diese mangelnde Selbstsicherheit, die dazu verleitet, zwar tolerant mit anderen umzugehen und deren persönliche Mängel als „okay“ zu akzeptieren, aber mit sich selbst immer kritisch zu sein. Ich habe den Hang dazu, mich für Eigenschaften zu verurteilen, die mich an anderen Personen nicht stören.

Ist das die berühmte „teenage angst“ und ich übertreibe einfach? Oder geht es euch auch so damit? Es fühlt sich an, als sei man ein ausgespuckter Kaugummi: durchwühlt und verloren. Ein einziges Chaos.

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4 Antworten to “Here comes the anxiety”

  1. Judith 24. Mai 2011 um 14:10 #

    Das mit der Bedürfnispyramide ist ja interessant..
    Ich habe vor allem Angst. Das ist total krank. Vor Zukunft und Gegenwart. Den Tag über überspiele ich das gerne. Und nachts kann ich dann nicht schlafen. Voll ätzend.

  2. Moritz 28. Mai 2011 um 19:23 #

    Ich hatte letztens eine Berufsberatung mit verdammt ausgiebigen Persönlichkeitstests und da hat sich rausgestellt, dass ich extrem zuversichtlich und gleichzeitig sorglos bin und keine Angst vor dem Versagen habe.
    Wenn ich nach einer bestimmten Art handle, dann meistens nicht aus Angst…
    Ich kann mich an ein Zitat erinnern, dass ich im Deutschunterricht mal aufgeschnappt habe und das meiner Meinung nach gut zu diesem Thema passt:
    „Er würde niemals etwas tun, das inneren Forderungen widerspräche“

    Liebe Grüße

    • henghdf 28. Mai 2011 um 19:56 #

      Bei mir hat sich diese Angst-Barriere vor allem in letzter Zeit gezeigt. Wenn ich dann wider meiner Befürchtungen handle und es läuft gut, dann fühle ich mich auch wirklich wunderbar, aber wenn ich dann scheitere, denke ich: „Ja, das hat man davon, ich hab es von Anfang an gedacht.“ Dabei bin ich jemand, der anderen Menschen sagt: Komm, mach das, du kannst alles schaffen, wenn du daran glaubst.

      War diese Beratung bei Frau Matthiesen? Wenn ja: Dort war ich auch. 😀

      • Moritz 1. Juni 2011 um 15:51 #

        Ich kann auch nicht genau erklären, warum ich so denke, aber irgendwie blick ich einfach voller Zuversicht in die Zukunft…
        Natürlich ist es ein tolles Gefühl, seinen Befürchtungen zuwider zu handeln und dann Erfolg zu haben 🙂
        Was du beschreibst ist das typische Dilemma des Pessimismus. Wenn man pessimistisch denkt, kann man eigentlich nichts falsch machen. Einerseits man scheitert, was man eh erwartet hat und was einen nicht mitnimmt oder man hat Erfolg, welcher dann überraschenderweise kommt und man freut sich sehr darüber.
        Die Sicht auf die Dinge hat aber natürlich einen Einfluss auf den Ausgang des Ganzen und deshalb ist es insgesamt gesünder, optimistisch zu denken 😉
        Ich selber hab mich vom totalen Pessimisten zum Optimisten geändert. Und ich bin sehr froh drüber 😉 🙂

        Nee, die Beratung war in HH bei ner verdammt teuren Firma. Meine Mutter meinte, ich solle sowas machen. Unter der Bedingung, dass sie es bezahlt 😉 hab ich das dann gemacht. Es war echt gut 🙂

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