Wir sind keine Kinder, wir kleiden uns nur gerne so

11 Sep

Geschmäcker sind bekanntlich unterschiedlich. Einige bevorzugen rotes Haar, andere blondes, die einen stehen auf Sommersprossen, die anderen aus Leberflecken, die „perfekte Figur“ wird von jedem Menschen anders definiert.
Meistens ist es allerdings so, dass von Szene zu Szene und von Gesellschaft zu Gesellschaft (im geografischen, sozialen und zeitlichen Sinne) andere Ideale gelten. Dass sich vieles überschneidet oder gar widerspricht, kommt nun mal vor.

Eine Paradoxie, die ich gerne als Perversion bezeichnen möchte und bei mir im Umfeld beobachtet habe, ist folgende:
Einerseits wird es als unsittlich oder pervers/pädophil empfunden, wenn Personen deutlich jüngere PartnerInnen haben. Der Altersunterschied kann bei 19 und 15 liegen, aber auch bei 40 und 16. Die ältere Person ist in dem Fall meistens diejenige, die aus der Reihe tanzt, die jüngere das „Opfer“.

Andererseits gelten, vor allem was Frauen angeht, sehr kindliche Ideale. Lange Haare, die mit einem Mittelscheitel, Pflechtfrisuren oder einfach offen getragen werden, sehr schmale Figuren mit möglichst wenigen Rundungen und frei von Körperbehaarung. Auch bei der Schminke wird optisch gespart, weiche Pfirsichhaut wird geschätzt. Im Kontrast präsentieren sich diese Ideale etwas lasziver, entweder mit verruchtem Augenmakeup oder mit anzüglicher Kleidung. Nicht im klassischen Sinne billig, sondern so wie man es von Werbeplakaten des Labels American Apparel kennt.

Ohne Frage handelt es um hübsche Frauen mit tollen Körpern, aber das heißt noch lange nicht, dass man nicht attraktiv ist, nur weil man diesen Modeln nicht ähnelt. Außerdem – vielleicht empfindet ihr das ja anders – erinnert mich dieses Foto an die typisch-sexistische Rolle des „unanständigen Schulmädchens“. Im Online-Shop gibt es viele Bilder, die in diese Richtung gehen, aber Brüste und Hintern haben die Damen immerhin. (Was heißt immerhin, das macht nichts besser, Menschen sind unabhängig von ihrer Figur schön.)
Es ist einfach so unglaublich schade, dass Mädchen und Frauen mit Hüften, Oberschenkeln, Oberarmen und Bäuchen das Gefühl vermittelt wird, zu dick, hässlich, behaart oder auf irgendeine andere Art schäbig zu sein. Dünn zu sein ist eine Sache, jung auszusehen aber eine andere  – das alles auch nur, um Männern zu gefallen.

Wie seht ihr das Thema: Ist es unterdrückend, dass Frauen sich überall rasieren müssen? Spielt Gewicht eine Rolle in der Ästhetik? Sind deutlich jüngere LiebhaberInnen überhaupt verwerflich? Ist dieses Prinzip generell pervers?

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3 Antworten to “Wir sind keine Kinder, wir kleiden uns nur gerne so”

  1. kuttnae 11. September 2011 um 22:41 #

    Gestern mit meinem Herrn Freund noch darueber gesprochen, wie lange er gezoegert hat mich direkt anzusprechen weil da sechs Jahre Altersunterschied sind. Jaha.
    So etwas macht sich aber auch gerne bemerkbar in Gesprächen und Ansichten, der Art an Sachen ranzugehen. Ist doch was anderes 18 oder 24 zu sein. Geht aber.
    Da kann ich eine gewisse Skepsis bei Außenstehenden ja nachvollziehen. Irgendwie.
    Und dass Frauen sich überall rasieren „müssen“… Jede soll machen, was sie will, ich finde das selbst aber vorallem im Intimbereich eben hygienischer und ich mag meine Beine komplett glatt und nach irgendeiner Fruchtlotion riechend auch lieber. XD

  2. Anni 12. September 2011 um 12:58 #

    Mir fällt auf, dass wir in unserer Beziehung die gute Mitte gefunden haben. Die 6 Jahre Altersunterschied fällt hauptsächlich an Dingen wie eigene Wohnung, abgeschlossene Ausbildung etc. auf. Jedoch mangelt es nicht an Gesprächsstoff und Gemeinsamkeiten, was meiner Ansicht nach wichtiger ist.
    Erschreckend finde ich, dass Männer auf kleine, zierliche Frauen stehen, aber wiederum kein zickiges Kind wollen. Oft ist aber beides nicht zu vereinen.
    Da ich (gott sei dank) nicht diesem Typ entspreche, freut es mich immer wieder, dass es Typen gibt die nicht auf diesen Shculmädchentyp stehen.

    Und zu dem Rasieren: Ich persönlich bevorzuge es auch an gewöhnlichen Stellen rasiert zu sein, aber wenn ich von Freundinnen höre, dass ihre Freunde wegen nicht frisch rasierten Beinen einen Aufstand machen, frage ich mich wo diese Norm hin ist.

  3. Anni 12. September 2011 um 23:35 #

    Das Erste wird eine Löwentatze auf der linken Brust in braun- grau, so dass es aussieht wie ein Abdruck auf Sand 🙂

    Ich glaub, wenn man einmal angefangen hat sich zu rasieren, ist es nicht ganz so einfach, damit aufzuhören.
    Dieser Zwang entsteht durch die Norm, unbehaart sei schön bzw. hygienischer als Behaarung.
    Solange man sich in und mit seinem Körper wohlfühlt und dazu steht soll mir alles recht sein 🙂

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