J’ai tué ma mère

3 Okt

Der Film beginnt, ich starre gespannt auf den Bildschirm. Hubert erzählt von seinem komplexen Verhältnis zu seiner Mutter. Einerseits könne er nicht behaupten, sie nicht zu lieben, andererseits empfinde er keine Gefühle, die von dem Sohn erwartet werden.
Oft brüllt er seine Mutter an, er hasse sie, dann ruft er gegenteiliges. Sie streiten sich häufig, heftig, rasend. In der Schule behauptet er, sie sei tot. Zu seinem Vater hat er kaum Kontakt, seine Eltern leben getrennt.
Von seiner Homosexualität erzählt er ihr nicht, sie erfährt es von der Mutter seines Partners, reagiert betroffen, aber nicht wütend. Das Auf und Ab geht weiter, Hubert wird in ein Heim geschickt, um seine schulische Leistung zu retten. Der Hass wächst weiter an, dann ein Zugeständnis. Kurz scheint sich die Lage zu verbessern, doch es folgt ein Wutausbruch, eine Flucht und ein Wiedertreffen.
Zum Schluss flackern einige Bilder aus seiner Kindheit auf dem Schirm, ein liebenswerter Junge und seine ihn liebende Mutter lachen glücklich in die Kamera. Abspann. Ich bin sprachlos.

Xavier Dolan spielt nicht nur den Protagonisten Hubert Minel, sondern hat auch das Drehbuch geschrieben und Regie geführt und das im Alter von knapp 20 Jahren. 2009 wurde der Film in Kanada veröffentlicht, bei uns erst dieses Jahr unter dem Titel „I killed my mother“.
Authentisch, ästhetisch und imposant überzeugt der Film, Emotionen springen aus meinem Laptop und ich wünsche mir nichts mehr, als in Ruhe darüber nachzudenken, dieses Stück Kunst inhalieren zu können und wie gern würde ich seinen zweiten Film „Herzensbrecher“ sehen…

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3 Antworten to “J’ai tué ma mère”

  1. Judith 3. Oktober 2011 um 21:06 #

    Puh, klingt als wäre das harter Stoff. Aber interessant.. Kommt mal auf meine Liste

    Ich habe in Hessen studiert.. Also in Bawü war ich gar nicht. Ende des letzten Semesters habe ich aber abgebrochen. Ich mache jetzt ein fsj.
    Ach cool, Freiburg. Da wollte ich schon immermal hin. Du kannst mich ja mal einladen ;D Was studierst du jetzt?

  2. Judith 4. Oktober 2011 um 20:51 #

    Yay! Sehr cool, da freue ich mich doch jetzt schon 😀

    Ich arbeite in einem Behindertenwohnheim. Macht ziemlich Spaß, ist aber auch unfassbar anstrengend. Deren Einstellung ist halt echt klasse, weil die anthroposophisch sind. Das ist ganz amüsant. Wie eine Waldorfschule, die man nie verlässt.

  3. Judith 5. Oktober 2011 um 03:14 #

    Ah, ich würde sie auch so gerne mal live sehen. Ich hoffe, es klappt mal. Ist bestimmt total das Hippie-Feeling 😀

    Das ist in Kirchhain. Ungefähr 15 min mit dem Zug von mir entfernt, also läuft das ganz gut..

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