5 Gerüche aus der Kindheit

1 Apr

Kennt ihr das auch, dass ihr mit unterschiedlichen Gerüchen bestimmte Dinge oder ganze Erinnerungen im Kopf habt, egal ob im positiven oder negativen Sinne? Ich bin gerade in mich gegangen und habe in meinem Notizbuch aufgeschrieben, was ich mit meiner Kindheit assoziiere. Es sind so viele Bilder wach geworden und ich schwelge gerade in Nostalgie.

1) Gebrannte Mandeln und Zuckerwatte auf dem Jahrmarkt
Wir hatten zwar meistens kein Geld um uns diesen Luxus zu gönnen, aber ich liebte es als kleines Mädchen trotzdem, mit meinem Vater auf den Jahrmarkt zu fahren und die Düfte, Lichter, Geräusche, Farben und Menschen dort wahrzunehmen. Irgendwann wurde es zu kalt und ich zu müde, also gingen wir nach Hause

2) Torshi im VW-Bus
Nachdem meine Eltern auf die blöde Idee kamen, das von mir bis heute noch verhasste Torshi (so etwas Ähnliches wie Chutney) mit unserem VW-Bus zu transportieren, hatte ich das Gefühl, es war für immer da. So verbinde ich den Geruch mit dem zu spät Kommen in der Schule, dem Warten während meine Eltern „schnell“ einkaufen waren und wir im Halteverbot standen, sowie dem einen Mal, als wir auf der Autobahn feststeckten.

3) Karstadt-Parfümerie
Jedes Mal, wenn es mit meiner Mutter in die Stadt ging – also jeden Samstag – war der erste Halt in ihrem Lieblingskaufhaus. Direkt im Eingangsbereich wurde man von einer aggressiv-künstlichen Duftwolke in Empfang genommen. Sie spritzte immer ein bisschen vom Oilily-Tester auf meinen Hals bevor ich in die Spielzeugabteilung durfte. Dort ging es nie darum, was sie mir kaufen sollte, denn ich wusste, dass ich all die Dinge nicht bekommen würde. Doch ich lief zwischen die Regale, nahm alles in die Hand und untersuchte jedes noch so winzige Detail. Ich stellte mir vor, wie es wohl wäre, dieses oder jedes Spielzeug tatsächlich zu besitzen. Wie es sich wohl neben meinen Barbiepuppen in meinem Zimmer machen würde? Und ob ich es mit nach draußen nehmen würde?
Manchmal dachte ich noch nachts im Bett daran, ich träumte davon. Ich hatte das Gefühl, mich mehr mit den Puppen auseinanderzusetzen als deren tatsächliche Besitzerin es getan hat.

4) Karamellisierte Zwiebeln
Die Regel hat sich bestätigt: Ohne Zwiebeln und Kurkuma schmeckt kein Essen der Welt, das herzhaft sein will. Genauso roch eben auch unsere komplette Wohnung, aber auf keine penetrante, aufdringliche Art und Weise. Es war nur so: Wenn man zur Tür reinkam, dann wusste man, dass es bald zu Mittag geben würde. Das ist allerdings eine Erinnerung aus der späten Kindheit, aus der Zeit, in der wir schon in Buchholz lebten, also nach Grundschule.

5) Sommerregen
Wenn wir im Iran waren, dann meistens im Sommer. Zu der Zeit ist es in Teheran besonders heiß, die Luft riecht nach Autoabgasen, Gebäck, Rosenwasser und diesem süßen Naturduft, den meine Oma immer trägt. Ich liebe diese Gerüche, vor allem den aus den Konditoreien, es machte mich so glücklich, an ihnen vorbeizulaufen.

Doch manchmal regnete, nein gewitterte es nachts sehr stark. Danach war die Luft so sauber und wundervoll rein, dass ich raus und einfach nur tief Luft holen wollte. Es war so ein erleichterndes Gefühl, so ein gemütliches, so ein Gefühl von Sicherheit, Hoffnung und Familie, das sich in mir breit machte. Ich vermisse diesen Duft so sehr.

Wie sieht’s mit euren Erinnerungen aus?

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5 Antworten to “5 Gerüche aus der Kindheit”

  1. little pink cakes 3. April 2012 um 08:12 #

    Ganz sprachlos von diesem wundervollen Post …

  2. anni134 3. April 2012 um 21:49 #

    Ein toller Post, sehr schön geschrieben! Ich bin momentan auch in einer ziemlichen Nostalgie-Phase, denn ich habe vor Kurzem die Fotos aus meinen ersten sechs Lebenjahren angeschaut und dabei sind so viele Erinnerungen hochgekommen.

    Was die Gerüche meiner Kindheit betrifft, so steht vermutlich der nach überreifen Bananen ganz oben auf der Liste: jedes mal, wenn wir in den Urlaub fuhren nahmen wir als Proviant einige davon mit, die dann im Laufe der Fahrt verzehrt wurden und leider roch anschließend das gesamte Auto danach. Also ein bisschen so ähnlich wie bei dir mit dem Torshi 🙂

    • henghdf 4. April 2012 um 18:12 #

      Danke. 🙂 Die überreifen Bananen kenne ich auch, wie sie tagelang in der Küche lagen und am Ende zu Bananenmilch verarbeitet wurden. 🙂

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