Für Singles mit Niveau?

13 Apr

In Zeitschriften, im Fernsehen und im Internet wird man von Werbungen der Partnervermittlung ElitePartner angebrüllt. Ganz nach dem Motto „Hey, schaut mich an, ich bin erfolgreicher als ihr alle“ können Singles, die sich für erhaben halten, Menschen aus ihrem sozialen Milieu kennenlernen und gegebenenfalls viele schlaue Kinder mit ihnen zeugen, sodass es später noch mehr intelligente Personen mit eine Nasenspitze, die Richtung Skylinespitze zeigt, gibt. Ist doch klasse, oder?

Okay, über das Konzept dieser Art von Partnersuche möchte ich mit euch nicht diskutieren, es hat ja alles seine Vor- und Nachteile und wenn die Seite ein paar kalte Managerherzen zum schmelzen bringt, bitte.
Was ich allerdings nicht so stehen lassen würde, ist der Name „ElitePartner“, genauer gesagt die Elite. Warum ich das so sehe, habe ich in einer kleinen E-Mail an die Verantwortlichen der Firma erklärt, bitte sehr.

Sehr geehrte Damen und Herren der EliteMedianet GmbH,

sobald ich auf Ihre Partnervermittlungsseite Elitepartner.de komme, werde ich von positiv hervorzuhebenden Eigenschaften Ihrerseits überflutet: CO2-neutral, erfolgsversprechend, Auszeichnungen als Test-Siegerin und datenschutztechnisch sicher. Dazu kommen die vorteilhaften – weil schwarz-weißen und wunderbar sauber bearbeiteten – Fotos Ihres Klientel: gebildet, gut verdienend und lächelnd auf der Suche nach der besseren Hälfte. Das Online-Dating ist im Zeitalter der Globalisierung und der immensen Medialisierung – man darf nicht vergessen, dass die Leute dadurch stärker auf die Technik als auf das Zwischenmenschliche fokussiert sind – eine ideale Chance, doch noch eine Liebe für das Leben zu finden. Toll!
Dank der hervorzuhebenden Übersicht findet man sich auch schnell zurecht und gewinnt einen herrlichen Eindruck von Ihnen. Das freut mich für Sie!
Sicherlich hat der oder die CEO Ihres Unternehmens einen ähnlichen Intellekt wie Ihre Kundinnen und Kunden auch, denn wer kommt sonst auf ein so tolles Konzept wie der selektierenden Partnersuche, bei der nicht nur Interessen, sondern auch der Bildungsstand und das Einkommen eine tragende Rolle spielen? Damit hat man die unangenehmen Fragen schon vor dem ersten Date geklärt und kann besser vorausplanen.
Was ich allerdings nicht begreife ist die geschichtliche Bildung des oder der Verantwortlichen für den Namen „ElitePartner“.
Klar, jeder weiß, was eigentlich gemeint ist und dass die Seite für „Singles mit Niveau“ aka JuristInnen, ManagerInnen oder ArchitektInnen, und nicht für Alleinerziehende ohne Schulabschluss oder Kfz-MechanikerInnen gedacht ist. Der Widerspruch ist aber, dass diese „Singles mit Niveau“, mit einem gewissen Bildungsstand im Fach Geschichte also, doch nicht in diese Falle reinfallen sollten und tatsächlich einen „ELITE“-Partner suchen, oder etwa doch?
Das Wort „Elite“ weist doch auf eine Hierarchie, eine Klassifizierung und Stigmatisierung, drückt Menschen also Machtettiketten auf die Stirn und hebt einen kleinen der Gesellschaft hervor. Dieser erhabene Teil ist in Diktaturen meistens genau dieser, der mit tyrannischen, undemokratischen Mitteln den anderen, also großen, Teil der Bevölkerung regiert und schikaniert.
Da Sie so schlau sind, wissen Sie bestimmt auch, dass „Elite“ ein Lieblingswort von Adolf Hitler war. In „Mein Kampf“ hat er sich mit der „Elite“ sehr innig beschäftigt. Wäre der Besitz dieses Buches nicht in der gesamten Bundesrepublik verboten, hätten Sie es direkt nachlesen können.
Ziemlich unangenehm also, mit einem so undemokratischen Begriff für den Erhalt einer Oberschicht – denn seien wir mal ehrlich, um diese soziale Segregation geht es hier doch wirklich – zu werben, finden Sie nicht?
Schade nur, dass sich die wenigsten Leute darüber bewusst sind, dass „Elite“ eben nicht diese Polohemd-tragedenden, Golf-spielenden, bei Starbucks-trinkenden und auf jede andere Weise einen auf intellektuell machenden Leute in beigen Hosen sind, sondern dass das Wort eine braune Vergangenheit hat und selbst in Bildungsdebatten umstritten ist.
Es stimmt, in der Gegenwart wird der historische Kontext kaum noch beachtet, doch bin ich persönlich hinsichtlich der Vergangenheit Deutschlands im Gebiet des NS-Vokabulars ein wenig sensibel. Genauso, wie ich die Floskel „jedem das seine“ oder den Begriff „ausmerzen“ nicht in den Mund nehme, so verzichte ich auch darauf, meinen Bildungsstand durch undemokratische Beschreibungen hervorzuheben.
Ich frage mich nur, ob Ihnen das bewusst war, als Sie Ihrer scheinbar makellosen Seite diesen exklusiven Namen gaben, oder ob Sie nun peinlich berührt den Bildschirm anschauen und mit einem roten Kopf die Mail löschen. Mit einer Antwort oder Stellungnahme von Ihnen rechne ich zwar nicht, dennoch würde ich mich darüber freuen.
Mit freundlichen Grüßen,
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2 Antworten to “Für Singles mit Niveau?”

  1. Jule 16. April 2012 um 20:41 #

    Eine großartige Mail! Damit hast du so recht und fasst in Worte, was ich schon so häufig gedacht habe, wenn ich diese Werbung gesehen habe. Dass der Begriff „Elite“ in liberalen und konservativen Kreisen so wenig reflektiert wird ist ein trauriger Missstand, der sehr gut zeigt, wie unsere Gesellschaft funktioniert und was schief läuft.
    Danke für diesen Beitrag!

    Liebe Grüße!

    • Asli 24. Mai 2012 um 08:22 #

      das hat gesessen 😀

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