Frau Kuttner und ihre Puppe

23 Mai

Vor einer Woche las Moderatorin und Autorin Sarah Kuttner in Hamburg aus ihrem zweiten Roman „Wachstumsschmerz“. Eine Textpassage – die ich schon selbst mit Stirnrunzeln gelesen, aber im freundlichsten Sinne gedeutet habe, wie man so was eben deuten kann, wenn man Kuttner bewundert und nicht als politisch inkorrekt wahrhaben möchte – sorgte allerdings für mehr Trubel als gedacht, denn als sie von ihrer „N****puppe“ und ihren „Schlauchbootlippen“ erzählte und dem Publikum deutlich machte, wie ekelhaft sie dieses Spielzeug fand, rief ein Zuschauer die Polizei an und erstattete eine Anzeige wegen Beleidigung. Nach der Show wollte er sie zur Rede stellen, doch sie wies ihn vermeintlich nur mit den Worten „Ich muss gar nicht reden, ich rauche gerade.“ ab und forderte ihren Manager auf, ihm sein Eintrittsgeld wiederzugeben, „damit er verschwindet“.
Auch später äußerte Kuttner sich nicht mehr zu ihrer Aussage, sondern postete bei Facebook lediglich folgenden Status:

„Achduliebeslieschen Hamburg!
Das war ja wohl das furioseste Lesetour-Finale ever!
Direkt nach dem Signieren kam nämlich die Polizei weil einer von Euch mich angezeigt hat!
Habe eine professionelle Aussage gemacht und werde jetzt wohl Ehrenmitglied der Hamburger Polizei.
Danke für einen irren Abend!“

Anstatt dazu ein klärendes Statement abzugeben, behandelte sie ihr rassistisches Statement wie eine Ordnungswidrigkeit oder eben eine Kleinigkeit, die für übertriebene Reaktionen gesorgt hat, wirkt dabei kindisch, arrogant und profiliert sich auch noch damit.

Laut ihres ehemaligen Kollegen Mola Adebisi sei sie schon damals auf Viva mit rassistischen Kommentaren durchgekommen. Eine Seite von Kuttner, die mir selbst vorher nie aufgefallen war. Ich habe sie bisher schlagfertig, witzig, sympathisch und talentiert  gefunden, aber wenn ich lese, was wie sie in Wirklichkeit drauf sein soll, wird mir schlecht.
Somit geht die bisherige Enttäuschung des Jahres 2012 an Sarah Kuttner.

Auf ihrer Facebookseite diskutierten ihre (teilweise ehemaligen) Fans ziemlich hitzig, die einen relativierten und zogen das ganze ins Lächerliche, die anderen forderten sie allein wegen ihres ostdeutschen Hintergrundes zum Anti-Rassismus-Training auf.
Was denkt ihr über den Vorfall, ändert das etwas an euerer Meinung zu Sarah Kuttner?

 

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4 Antworten to “Frau Kuttner und ihre Puppe”

  1. Lena 24. Mai 2012 um 17:14 #

    Den Bericht bei Spiegel Online habe ich auch gelesen. Jetzt ist es natürlich schwer zu entscheiden, wem man glauben soll, wenn es Aussage gegen Aussage steht. Aber irgendweie fällt es mir doch leichter, eher Frau Kuttner zu glauben, gerade auch wegen dem, was du schon sagtest, dass sie ja eigentlich eine sehr aufgeklärte, talentierte etc. Frau ist.
    Man muss mit solchen Begrifflichkeiten und Beschreibungen natürlich vorsichtig sein, da so etwas schnell falsch verstanden werden kann. Aber ehrlich gesagt, kann ich mir nicht vorstellen, dass Sarah Kuttner es so gemeint hat, wie es manche Leute aufgenommen haben oder dass sie dabei irgendwelche rassistischen Hintergedanken hatte.

    Wie gesagt, schwierige Kiste. Aber durch die Macht der Medien heutzutage passiert so eine Hetzerei natürlich unglaublich schnell.

  2. Sophie Miriam Herold 25. Mai 2012 um 12:53 #

    Heng, meinst du nicht, dass du ein bisschen übertreibst? Sarah Kuttner hat sich doch nur über ihr Kinderspielzeug aufgeregt, weil es so hässlich war und so rassistisch (und das in den 1980er Jahren) und sie es deshalb nicht mochte. Stell dir vor, es wäre ein Plüschbär gewesen, dann würde es dich nicht stören, gell? Die Annahme, dass sie es nicht mochte alleinig ob der Tatsache wegen, dass es sich bei dem Spielzeug um eine Negerpuppe handelte, ist doch nahe an einer böswilligen Unterstellung, finde ich.

  3. isablblbl 25. Mai 2012 um 13:44 #

    ach, ich find das alles auch schwer, welche seite was und wer und wieso und sowieso ist mir frau kuttner eigentlich herzlich egal… mein problem ist irgendwie die form mit der sie dann auf diesen alltagsrassismus aufmerksam machen will, durch die wörter „neger“ und „eklige schlauchbootlippen“ reproduziert sie eben dann doch wieder ein bild, stereotype und vor allem sprache (!) und haaach…

  4. lenini 27. Juni 2012 um 18:54 #

    Also ich weiß ja nicht. Sich über die meistens ja nun mal mehr als geschmacklosen Puppen von damals aufzuregen, ist erstens legitim und zweitens vermutlich nur richtig. Den „Ekel“, der dabei bei der Lesung vermittelt wurde, zentriert sich eben auf diese Darstellung dunkelhäutiger Menschen, nicht auf die die Menschen an sich. Und das anzunehmen, ihr diese Meinung zu unterstellen, ist meiner Meinung nach fragwürdig und grenzt an Boshaftigkeit.
    Vor allem als Besucher ihrer Lesung. Als solcher sollte man Kuttner in ihrer Art und Unart eigentlich so weit verstanden oder wenigstens kennengelernt haben, um wegen etwas dergleichen nicht gleich die Polizei zu rufen.
    Auch ihre Reaktion, die deiner Meinung nach kindisch und arrogant ist, kann ich gut nachvollziehen. Zu so einem Unsinn würde ich auch kein Statement abgeben wollen. Manchmal muss man einfach nicht. Und das vor Sarkasmus triefende Profilieren mit dem Vorfall, das ist nun mal Kuttner. Das ist Kuttner und das ist okay.

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