Inspirierende Frauen und die Liebesbeziehungen

15 Jan

In der Vorlesung zu Themen bei Neuer Kunst haben wir über Darstellungen von Liebe, Paarbeziehungen und Zusammenleben in der zeitgenössischen Kunst erfahren. Diese Verständnisse sind abseits von den konventionellen Vorstellungen aus Hollywoodfilmen und Weltliteratur. Einige der uns vorgestellten Frauen und ihre Projekte haben mich sehr beeindruckt, deshalb möchte ich euch sie und ihre Arbeit nicht vorenthalten.

Tracey Emin hat 1995 eine sehr kontroverse Kunstinstallation errichtet. Sie baute ein Zelt auf und hing Zettel mit Namen hinein. Das Werk nennt sich „Everyone I Ever Slept With 1963-1995“. Unter den 102 aufgelisteten Menschen waren auch ihre Oma und ein Fötus, den sie nie bis zum Ende ausgetragen hat. Die wohl erste Assoziation mit dem Titel wären Menschen, mit denen sie Sex hatte, tatsächlich ging es aber um all diejenigen, mit denen sie sich mal ein Bett geteilt hat.

Drei Jahre später konnte man ihre Installation „My Bed“ anschauen. Neben einem großen Bett lagen dort unter anderem blutige Unterhosen, Kondome und Zigaretten. Vor jeder Ausstellung legte sie alles selbst zurecht.

Die französische Künstlerin Sophie Calle veröffentlichte Autofiktionen. Die Kombination aus Fotos und kurzen Texten in Form von Geschichten und Anekdoten ist in Büchern gesammelt. Intim, skurril und provokativ erzählt sie von Sexritualen mit ihrem Exmann, veröffentlich die Abschiedsmail eines Ex-Liebhabers, die sie vorher von 107 ihrer Angehörigen kommentieren lassen hat oder von einer Fake-Hochzeit. Für Außenstehende ist es schwer zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden, alles könnte erfunden sein, gleichzeitig aber auch ehrlich und wahr.


Valie Export lebte ihre Kunst vor allem in ihrem Auftreten. Ob mit ihrem damaligen Mann Peter Breibel (Fun Fact: aktuell ist er Direktor des ZKM in Karlsruhe) an der Leine, mit einer „Tastbox“ vor ihrer Brust auf der Straße oder ihrer „Genitalpanik“ sorgte sie für viel Irritation in der Öffentlichkeit.

Die amerikanische Fotografin Nan Goldin hat den unkonventionellen Alltag ihres Künstlerfreundeskreises auf intimen, schrägen Fotos festgehalten. All jene mehr oder weniger spontan entstandenen Hipsterfotos auf Tumblr, die Menschen nach dem Sex, beim Trinken oder anderweitig unterwegs zeigen, waren damals ihre Motive, die ihrer Zeit für viel Aufsehen sorgten. Ein krasses Foto von ihr kennen wohl die meisten von euch. Sie hat sich mit Verletzungen fotografiert, die ihr Liebhaber ihr zugefügt hat.

Marina Abramovic ist eine Künstlerin, die ich extrem interessant finde. Sie hat ihre zehnjährige Beziehung mit ihrem Partner Ulay wie ein einziges Kunstprojekt gelebt. Einzeldarstellungen wie „Expanding in Space“, „Relation in Time“ oder „Breathing In, Out“ regten zur Reflektion über eine andere Auffassung des Begriffes Liebesbeziehung an. In „Light and Dark“ werden sie gefilmt, wie sie sich zwanzig Minuten lang gegenseitig ohrfeigen, in „Rest Energie“ spannt sie einen Bogen, während er einen Pfeil auf ihr Herz richtet – eine Sekunde Konzentrationsverlust hätte sie ihr Leben gekostet. Im letzten Projekt fangen sie an verschiedenen Enden der Mauer in China an und laufen aufeinander zu. Das ganze kostet sie drei Monate – beim Zusammentreffen wollten sie entscheiden, ob sie heiraten oder sich trennen. (Letzteres geschah.) Mit Glück läuft der Film „Marina Abramovic – The Artist Is Present“ noch in euren Kinos.

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