Lass mich mal selbst entscheiden, was legitime Beziehungen sind und was nicht

29 Apr

Neulich unterhielt ich mich mit verschiedenen Leuten über Formen von Beziehungen. Die meisten gingen sofort davon aus, dass zwangsläufig monogame, romantische Zweierpaarbeziehungen gemeint waren. Allein die Öffnung dieser Beziehung wurde als Alternative genannt, aber auch sofort als nur kurzfristig funktionierend diskreditiert. Man suche letztendlich ja doch nur die bessere Hälfte, wolle sie mit niemandem teilen und irgendwann mal „zur Ruhe kommen“. Ideen von der Liebe, die in Richtung Polyamory gehen, seien letztendlich kompliziert und nicht langfristig möglich.

Ich persönlich halte das Prinzip, genau eine andere Person zur Vervollständigung der eigenen finden zu müssen, für eine Illusion. Menschen sind zu unverlässlich und zu falsch, um sie als erlösendes Nonplusultra betrachten zu können. Noch schlimmer finde ich allerdings, dass die Gesellschaft mir vorschreibt, mich einsam fühlen zu müssen, wenn ich single bin oder nicht in einer romantischen Zweierpaarbeziehung lebe. Ich denke, dass Menschenbeziehungen sich voneinander unterscheiden und trotzdem alle besonders sein können. Es ist Unsinn, einer einzelnen Beziehung einen Exklusivitätsstatus zu verschaffen. Gewisse Dinge, wie zum Beispiel Zärtlichkeit, Sexualität, aber auch emotionale Intimitäten dürfen nur mit dieser Person ausgetauscht werden. So darf nur eine Person „geliebt“ werden, als ob Liebe sich nur durch diverse Normen einer Beziehung feststellen ließe, ich liebe schließlich auch meine Schwester oder platonische Freund_innen, muss ich sofort ein differenzierendes Wort à la „Na ja, du weißt schon, ich meine das nicht so“ fallen lassen, wenn ich ihnen „ich liebe dich“ sage? Warum braucht jede Beziehung ein Label wie „romantische Beziehung“, „Freund_innenschaft“ oder „Affäre“? Warum muss alles so distinktiv eingeordnet sein, um einen Grad an Legitimation zu erlangen?

In meinem Leben will ich Selbstbestimmung. Ich will mein Glück nicht von einem Menschen abhängig machen. Sicher ist es schön, wenn im einen oder anderen Moment diese Person dabei ist, aber je nach Moment kann es eine andere Person sein und dieser Moment muss nicht besser sein als einer, in dem ich auch mal alleine bin. Ich hasse es, dass Menschen, die selbst in monogamen, romantischen Zweierpaarbeziehungen leben, meinen Lebensstil als „Phase“ degradieren und so tun, als haben sie selbst die Erleuchtung der Welt gesehen und könnten für andere bestimmen, wie die richtige Form des Zusammenlebens aussieht.
Vielmehr habe ich das Gefühl, dass „typische Pärchenprobleme“ wie Eifersucht, hohe emotionale Abhängigkeit oder Kontrollzwang sich lockern oder gar auflösen würden, wenn man das Verständnis von Beziehungsformen ein bisschen überdenken und alternieren würde. Ich will aber niemandem aufdrücken, polyamourös zu leben, aber ich möchte mir auch nicht anhören müssen, dass Monogamie mit Erwachsensein und „richtig leben“ verbunden ist.

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5 Antworten to “Lass mich mal selbst entscheiden, was legitime Beziehungen sind und was nicht”

  1. fps 29. April 2013 um 18:58 #

    ganz genau. DANKE.

  2. Woifi 11. Mai 2013 um 22:26 #

    Hallo Heng,

    jetzt war ich aber schon lange nimmer da, wird mal wieder Zeit!

    Liebe ist vielfältig und es gibt sie in allen möglichen Größen und Ausfertigungen, und eine richtige Definition gibt es nicht wirklich. Deswegen ist es auch so schwer und spaßig, darüber zu philosophieren.

    Der Mensch ist ein egoistisches Tier, das ist alles Leben. Und genau deswegen erheben wir auch einen Exklusivitätsanspruch gegenüber unseren Partnern. Rein biologisch betrachtet macht das auch Sinn wegen der Erhaltung der Spezies. Außerdem gibt uns ein fester Partner die Sicherheit, auch wenn es vielleicht nur für begrenzte Dauer ist. Man hat halt gerne die Konstante im Leben, in die man sich fallen lassen kann. Aus diesen Gründen hat sich dieses monogame Modell auch durchgesetzt.

    Auf der Kehrseite kann ein einzelner Mensch, wie du sagst, nicht alle Bedürfnisse erfüllen. Es gibt den Kinofreund, den Sauffreund, den Vögelfreund, den besten Freund, den Freund den man nur in der Schule treffen will und den Freund, den man anruft, wenn man umzieht damit er helfen kommt. Und genauso gibt es einen Freund für Zweisamkeit und Liebe.

    Dennoch bleibe ich in der, vielleicht auch naiven, Hoffnung, dass irgendwann ein Mensch in mein Leben tritt, der alles das ist, was ich nicht bin. Man hört ja dann doch so manche Mär 🙂

    Da aber jedoch nach seiner eigenen Facon glücklich werden soll, vor allem du liebe Heng, wünsche ich dir alles Gute und schicke viele liebe Grüße in den den Norden.

    Woifi

    • Woifi 11. Mai 2013 um 22:28 #

      Man, schreib das mal fehlerfrei mit nem Mobilgerät 😀

  3. Wombat 7. Juni 2013 um 00:27 #

    Like!

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