Die eigene Heldin sein

4 Aug

Anfang Juli erschien auf TheAtlantic.com ein Artikel von Kelsey McKinney über das Fehlen von weiblichen Vorbildern in Coming-of-Age-Literatur. Basierend auf einem Ranking der 100 besten Romane stellte sich heraus, dass Protagonistinnen in Literaturklassikern in der Regel von der Liebe geleitet und auf der Suche nach einem Partner sind, während die zentralen Rollen wie in On The Road und The Catcher In The Rye mit der Selbstfindung beschäftigt sind. Mit der Ausnahme von Housekeeping fielen ihr keine Romane ein, in denen die Heldinnen komplett ohne romantische Storylines auskommen.

No one expects Holden Caulfield to find love at the end of his self-explorative adventure, and we shouldn’t expect every female character to either. Coming of age novels are supposed to be about finding yourself, not finding someone else.

Gerade im Jugendalter stellt eins sich Fragen wie „Wer bin ich eigentlich?“, „Wo bin ich eigentlich?“ oder „Wo will ich eigentlich hin?“. Romane, in denen über genau dies reflektiert wird, sollten nicht das Gefühl vermitteln, dass Jungen* die Abenteurer und Mädchen* die hoffnungslosen Romantikerinnen sein. Eins identifiziert sich natürlich nicht nur mit Figuren des eigenen Geschlechts, doch fühlt eins sich nicht vollständig repräsentiert. Zum einen gibt es Kämpfe, die eins aufgrund des zugeordneten Geschlechts führen muss, zum anderen variieren die gesellschaftlich akzeptierten Möglichkeiten. Die Konsequenzen des Handelns sind andere.

Ich dachte gestern noch lange über den Artikel nach. Fällt mir kein einziger Roman auf, in dem das Aufwachsen zur jungen Frau nicht mit der Suche nach einem romantischen Partner gleichgesetzt wird? Spontan nur eins: When God Was a Rabbit von Sarah Winman. Liebe ist ein Thema unter vielen, aber nicht primär die romantische, sondern vielmehr solche in Freundschaft und Familie. Eine Schwester-Bruder-Beziehung, wie sie hier dargestellt wird, habe ich selten in moderner Literatur gelesen.

Fallen euch noch mehr ein?

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2 Antworten to “Die eigene Heldin sein”

  1. Esther 4. August 2013 um 23:31 #

    Es geht nicht direkt um’s Erwachsen werden, aber Sophie aus Sophies Welt war als Teenie meine Heldin und die sucht auch nicht nach ihrem Traumboy, sondern nach Erkenntnis (wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Ist ne Weile her). 🙂

  2. keinkatalogdenkenken 5. August 2013 um 08:10 #

    In Gerber-Hess „Zoe und Rea“ geht es, meiner Erinnerung nach, um Selbstfindung oder zumindest darum, wie man mit „nicht-gesellschaftskonformem“ umgeht. Was ja auch Teil des Erwachsen-Werdens ist. Ganz ohne Liebesgeschichte…

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