Abgewiesen und rumgeheult: Ein tränenreiches Manifest

24 Sep

Eins läuft in der Bib, auf dem Campus oder in der Bar einer süßen Person entgegen, unterhält sich mit ihr und vergisst trotz konsensualem (fast-)Flirt, die Kontaktdaten auszutauschen. So etwas soll’s ja geben.* Für diese Fälle ist Spotted/Bibflirt ein Geschenk des Internets. Dort kann eins nämlich ein Inserat mit den Eckdaten der Begegnung verfassen und erhält mit ein wenig Glück sogar eine Antwort.**

Über den poetischen Schreibstil, dem hohen Kitschfaktor und den schlechten Anmachsprüchen müssen wir uns an dieser Stelle gar nicht unterhalten. Manche Einträge sind sogar ganz süß, andere wiederum extrem gruselig. Heute stolperte ich über einen solchen. Ein junger Mann™ hat nach einem Gespräch mit einer jungen Frau™ eine falsche Nummer bekommen und vergießt waschechte Male Tears darüber, wie der Feminismus den jungen Frauen™ das Gefühl gebe, sie bräuchten keinen Mann und es sei okay, single zu sein. Ein Manifest zum endlosen Gesicht-in-die-Hände-Vergraben. (Da ich die Befürchtung habe, dass das Inserat gelöscht werden könnte – nein, eigentlich hoffe, dass ein Shitstorm ausbricht und es deshalb gelöscht wird -, kopiere ich den Text hier rein. Bitte sehr:)

Er: „Hallo Andrea***!
Am Sonntag, dem 22.09.2013, habe ich dich zufällig gegen 14:30 Uhr gesehen, als ich mit dem Rad zum Training fuhr. Zuerst sah ich dein hübsches und sympathisches Gesicht. Als ich mich dann aber nochmal umdrehte, und dann deine tollen, wohlgeformten und leicht durchtrainierten Beine sah, mußte ich wenden und dich ansprechen. Wir unterhielten uns knapp zehn Minuten.
Du bist fast mit deinem Studium fertig (E.), kommst ursprünglich aus/in der Nähe von B., kletterst einmal in der Woche und gehst regelmäßig Laufen; wo du auch gerade herkamst. Auf dem Weg warst du zu einer Freundin, Kuchen essen.

Meiner Meinung nach, haben wir uns sehr nett unterhalten, und du kamst mir sehr sympathisch vor. Deshalb fragte ich nach deiner Nummer. Du hast sie mir in mein Smartphone eingetippt und selbst abgespeichert. Dann meintest du noch, daß ich dich kurz anrufen soll, damit du auch meine Nummer hast. Ich meinte (mit einem Augenzwinkern), daß ich dich schon noch am selbigen Tag anrufen werde, was ich auch getan habe.
Am selben Abend rief ich dich dann an. Es ging ein junger Mann ran, und leider nicht du. Du hast mir eine falsche Nummer (aus Versehen?) gegeben. Der junge Mann meinte noch zu mir: „Klassiker!“ Was bedeuten sollte, daß dies bei vielen Frauen Usus ist, einem (jungen) Mann eine falsche Nummer zu geben. Darauf komme ich aber gleich noch zurück.

Irgendwie macht das keinen Sinn: Wir haben uns noch darüber unterhalten, wie assi das ist, jemandem eine falsche Nummer auszuhändigen, anstatt ehrlich zu sagen, was Sache ist. Da warst du auch (nur scheinbar?) meiner Meinung. Dann meintest du zu mir, daß ich dich anrufen solle, damit du auch meine Nummer hast, und dann das.

GENERELLE INFO AN ALLE (JUNGEN) FRAUEN:
Unzählige Internetplattformen für Singles belegen es eindeutig, wie schwierig es heutzutage ist, jemanden für eine (kurz-, mittel-, langfristige) Partnerschaft zu finden. Genaue Zahlen habe ich nicht im Kopf, aber irgendetwas mit über 8 Mio. (!) Menschen suchen einen Partner; Tendenz steigend.
Selbst einfache Würmer! schaffen es einen Partner zu finden und miteinander Sex zu haben. Auch andere „primitive“ Lebewesen schaffen es, einen Partner (für das ganze Leben) zu finden. Und warum schaffen es wir „Intelligenzbestien“ nicht? Weil wir NICHT EHRLICH sind, und uns dauernd hinter irgendwelchen Fassaden und Schutzwällen verstecken. Nicht ehrlich zu anderen Menschen, und nicht ehrlich zu uns selbst. So gut wie kein Mensch schafft es, zu einem anderen Menschen hinzugehen und ihm zu sagen, daß man ihn toll findet und ihn gerne näher kennenlernen möchte. Wobei dies das Normalste auf der Welt sein sollte. Und jeder müßte sich doch über so etwas freuen, oder nicht? Weit gefehlt. Falls es doch jemand schafft (wie meine Wenigkeit zum Beispiel), wird es von so gut wie keinem Menschen (in dem Fall sind die Frauen gemeint), geschätzt. Sicherlich weit über 80 % der Frauen können damit nicht umgehen. Das ist erbärmlich und ein Armutszeugnis das Ihresgleichen sucht.
Die (jungen) Frauen haben keine Ahnung, nicht im geringsten, wie EXTREM SCHWIERIG es für einen (Durchschnitts-) mann ist, eine Frau anzusprechen.

Das „Zeitalter“ der Emanzipation macht diese Situation nicht einfacher. Im Gegenteil. Die Frauen sind heute alle groß und stark, können alles selber besser als Männer (klar), brauchen scheinbar auch keine Männer … Diese Grundhaltung vieler!? jungen Frauen weckt bei den meisten Männern nicht gerade den Trieb oder eine Eigenschaft, Frauen näher kennenlernen zu wollen.
Andrerseits beklagen sich (auch sehr viele hübsche) Frauen, daß sie nicht angesprochen werden. Meiner Meinung nach liegt es an vielen Gründen. Die Hauptgründe dafür sind folgende: 1. Wie oben schon erzählt, schätzen es die allerwenigsten (vor allem junge) Frauen überhaupt nicht, wenn sie angesprochen werden. Wie blöd und unfreundlich sich viele Frauen verhalten, auch wenn man(n) sie nett und charmant anspricht, will ich hier erst gar nicht schreiben. Allein schon über dieses Thema könnte ich locker ein Buch schreiben. Viele schaffen es nicht einmal, sich eine (!) Minute freundlich mit einem zu unterhalten. Oder noch schlimmer: sie laufen einfach davon!?, wenn sie angesprochen werden. Sie bleiben erst gar nicht stehen!? So ein Verhalten motiviert nicht gerade (junge) Männer weiterhin auf Frauen zuzugehen. 2. Kommt es doch mal zu einem (netten) Gespräch, schaffen es die allermeisten (jungen) Frauen nicht, ihre RICHTIGE! Telephonnummer dem Mann auszuhändigen. Er könnte sie ja telephonisch belästigen. Nur weil mal im Fernsehen eine Frau gezeigt wurde, die telephonisch belästigt wurde, heißt das NICHT, daß dies auch bei all den anderen Frauen passiert. Ich habe schon unzählige Frauen gefragt, ob sie mal telephonisch belästigt wurden. Bis auf eine, haben sie ALLE! verneint. Diese Frau hat sich dann bei der Polizei gemeldet, und eine neue Nummer bekommen. Fertig. Und dennoch haben die Frauen solch eine Angst geradezu, einem Mann ihre Telephonnummer zu geben. Unbegreiflich. Ja, wie soll denn bittschön ein weiterer Kontakt zustande kommen, wenn sich der Mann nicht mehr melden kann/darf!? Somit ist von vorneherein ausgeschlossen, daß man sich näher kennenlernt. Auch eine Möglichkeit seine (besten) Jahre zu vergeuden.

Mittlerweile habe ich schon 21.959.247 falsche Telephonnummern von Frauen erhalten. Ein paar Jahre zurück, ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich von Kumpels deshalb aufgezogen worden bin. Ich bräuchte doch keine fremden Mädels ansprechen, die Nummern wären doch sowieso alle falsch. Was damals noch lustig war, sehe ich heute aus einem anderen Blickwinkel. Jemandem eine falsche Nummer zu geben, der sich traut, der Mut beweist, auf einen fremden Menschen zuzugehen usw., diesen auch noch zu belügen, ist NICHT!!! witzig. Wer so etwas macht, beweist eigentlich nur, daß er keinen (anständigen) Charakter, keinen Mumm in den Knochen, vom Leben/von Menschen keine Ahnung hat, andere Menschen nicht schätzt, und so seine eigene Unsicherheit und Unreife mit Lügen kaschiert. Auch eine Lebensphilosophie. Die aber dazu führt, daß sich unzählige Menschen in Internetportalen täglich und viele Stunden aufhalten/verstecken, anstatt mit einem RICHTIGEN PARTNER ins Kino, Museum, Theater, Restaurant zu gehen. Einen Spaziergang zusammen zu unternehmen, gemeinsam zu lachen, Spaß zu haben …

Weiterhin wirkt sich dieses, nicht gerade vorbildliche Verhalten vieler Frauen, indirekt auch auf andere Frauen aus. Leider. Oft trifft es dann die Falschen. Oft sind es dann die Frauen, die super nett, freundlich, witzig, offen, ehrlich, sympathisch, sehr hübsch … sind. Die Männer sagen sich dann aber: Warum soll ich sie ansprechen? In den letzten paar Wochen habe ich 3.847 saudumme Körbe/falsche Telephonnummern bekommen. Warum sollte es bei der anders sein? Und außerdem: wir sind doch jetzt alle gleichberechtigt. Soll die Frau doch herkommen, wenn sie was will. Frau sollte es mal aus dieser Perspektive betrachten. Die Frauen haben es in der Hand, diesen Teufelskreislauf zu durchbrechen. Auch Männer wollen ehrlich behandelt werden – frau glaubt es kaum. Hat sich in der Frauenwelt aber leider noch nicht so herumgesprochen.

Also: Statt den Männern eine falsche Nummer zu geben, vor ihnen davonzurennen oder sie mit der Standardfloskel „Ich hab einen Freund“ (was natürlich bei vielen nicht stimmt) abzuspeisen, wäre ein ehrliches Entgegenkommen, mit einem Lächeln, einer offener Art und Weise wünschenswert. Dann werden nämlich auch viele Frauen sehen, daß die allermeisten Männer doch nicht so schlecht sind, wie die Frauen immer wieder behaupten. Und dann haben wir keine 8 Mio. Singles mehr, sondern „nur“ 500.000. Auch nicht schlecht, oder?“

(Quelle – Stand 24. September, 20:06)

Da weiß eins gar nicht, wo eins anfangen soll, oder? Ich versuche es mal.
Die ersten Sätze mit den vielen Infos über Andrea alarmierten bei mir schon sämtliche Stalker-Glocken. Jede_r, der_die Andrea um drei Ecken kennt, wird sie wiedererkennen, sie vielleicht trotz der möglichen Unannehmlichkeit für sie darauf ansprechen und vielleicht blöde Kommentare ablassen.
Vielleicht war die Geschichte mit der falschen Nummer ein Versehen, vielleicht auch Absicht. Ein junger Mann™ mit auch nur ein bisschen Würde und Selbstrespekt hätte an dieser Stelle aufgehört. Aber unser Verfasser legt jetzt erst richtig los.

GENERELLE INFO AN ALLE (JUNGEN) FRAUEN“ möchte er uns geben. Ob er sich klar ist, dass es die meisten von uns™ einen Krümel interessiert, was der verletzte Herr zu sagen hat, und sich sein Rumgeheule auf vier Seiten durchliest? Ich hab mich geopfert und tat es. Fühlte ich mich danach generell informiert? Leider nein, leider gar nicht.

Unzählige Internetplattformen für Singles belegen es eindeutig, wie schwierig es heutzutage ist, jemanden für eine (kurz-, mittel-, langfristige) Partnerschaft zu finden. Genaue Zahlen habe ich nicht im Kopf, aber irgendetwas mit über 8 Mio. (!) Menschen suchen einen Partner; Tendenz steigend.

Ich bezweifle stark, dass alle der „irgendwas mit über 8 Mio. (!) Menschen“ auf Dating-Börsen angemeldet sind, weil sie auf der Suche nach einer Beziehung sind. Lehne ich mich zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass ich nicht alleine damit bin, eine Anmeldung auf OkCupid in Erwägung zu ziehen, nur um die vielen Fragen zu beantworten?
Weiter im Kontext vergleicht er Menschen mit „einfachen Würmern“. Der Vergleich ist berechtigt, die Soziologie beweist, dass Würmer und Menschen ähnlich sozialisiert sind und die gleichen Anforderungen an das Leben stellen. Vermutlich sind deren Partnerschaften nicht nur reproduktiv bedingt, sondern fundieren auf der Basis des gemeinsamen, abendlichen Nindento-64-Zockens.

Und warum schaffen es wir „Intelligenzbestien“ nicht?

Ich wollte gerade darauf antworten, aber er übernimmt dies für mich:

Weil wir NICHT EHRLICH sind, und uns dauernd hinter irgendwelchen Fassaden und Schutzwällen verstecken.

Erstmal: Welcome to the real world, bitch. Dann: Ich weiß nicht, ob er aus der Heteronormativitätskiste herausdenken kann, aber es soll tatsächlich Menschen geben, die nicht das geringste Interesse an romantischen Zweierbeziehungen haben. Erst Recht nicht, wenn sie heterosexuell sind. Boom.

So gut wie kein Mensch schafft es, zu einem anderen Menschen hinzugehen und ihm zu sagen, daß man ihn toll findet und ihn gerne näher kennenlernen möchte.

Auch das ist für mich eine Frage des Respekts. Spreche ich Menschen nicht an, weil ich kein ehrlicher Mensch bin, oder unterlasse ich eine möglicherweise als Belästigung verstandene Ansprache, weil ich mir nicht sicher bin, ob sie auf Konsens basiert?

Falls es doch jemand schafft (wie meine Wenigkeit zum Beispiel), wird es von so gut wie keinem Menschen (in dem Fall sind die Frauen gemeint), geschätzt.

Vielleicht, weil die Sympathie nicht auf Gegenseitigkeit basiert.

Sicherlich weit über 80 % der Frauen können damit nicht umgehen. Das ist erbärmlich und ein Armutszeugnis das Ihresgleichen sucht.

Über das vergessene Komma kann ich hinwegsehen, über den Inhalt nicht. Klingt nach einer gut recherchierten Statistik. Again: Abweisung hat nicht immer etwas mit „Ich kann damit nicht umgehen, weil ein süßer Mensch mich anspricht“ zu tun, sondern kann auch in Richtung „Oh Mann, kann dieser Creep bitte wieder abhauen?“ bis hin zu „Ich habe mich extrem bedrängt gefühlt und wäre gern unsichtbar, fühle mich total unsicher und weiß nicht, ob ich mich alleine nach Hause traue.“ gehen.

Die (jungen) Frauen haben keine Ahnung, nicht im geringsten, wie EXTREM SCHWIERIG es für einen (Durchschnitts-) mann ist, eine Frau anzusprechen.

Ich hab hier mal einen Eimer für seine Tränen abgestellt, ich hab eine Lust, den Boden nachher zu wischen.

Das „Zeitalter“ der Emanzipation macht diese Situation nicht einfacher. Im Gegenteil. Die Frauen sind heute alle groß und stark, können alles selber besser als Männer (klar), brauchen scheinbar auch keine Männer …

(Wäre es eine .gif-Show gewesen, wäre hier die Animation von einer Malfoy ins Gesicht schlagenden Hermine mit der Aufschrift „Talk shit, get hit“ eingefügt.)
Meine erste Verwunderung war, warum Zeitalter in Anführungsstrichen steht. Und nicht der restliche Absatz. Tja. Der Gewinn an Selbstbestimmung für Frauen* in Beziehungen ist vielleicht aus dem Grund ein für ihn als negativ Empfundenes Ergebnis der Emanzipation, weil Frauen* sich nicht mehr jeden Scheiß geben, sondern auch mal ihren eigenen Bedürfnissen nachgehen (und nicht denen der Männer™). Von Gender-Competition reden nur diejenigen, die keine Ahnung haben. Emanzipation verdeutlicht, dass Frauen* alles mindestens genauso gut wie Männer* können. Und was zum Teufel ist schlimm daran, wenn Frauen* sich groß und stark fühlen? Lieber klein und schwach****, damit Männer™ sich neben ihnen besser fühlen und sie ausnutzen können?

Andrerseits beklagen sich (auch sehr viele hübsche) Frauen, daß sie nicht angesprochen werden.

Danke für das Eingeständnis der ästhetischen Einschätzung. Nicht. Schon mal drüber nachgedacht, dass Frauen* auch von Frauen*/Nicht-Cis-Männern angesprochen werden möchten und sich darüber beschweren, dass rumheulende, stalkerische Studenten sie auf der Straße anlabern, ihre Nummer haben wollen und dann einen Rant über die Abweisung ins Netz stellen?
Gegen seine vier goldenen Gründe der Abweisung™ hat Paula eine prägnante Antwort parat:

Bildschirmfoto 2013-09-24 um 20.44.34

Was ich dennoch gerne highlighten möchte:

Er könnte sie ja telephonisch belästigen. Nur weil mal im Fernsehen eine Frau gezeigt wurde, die telephonisch belästigt wurde, heißt das NICHT, daß dies auch bei all den anderen Frauen passiert. Ich habe schon unzählige Frauen gefragt, ob sie mal telephonisch belästigt wurden. Bis auf eine, haben sie ALLE! verneint.

Reproduziert hier jemand Dinge, die ich hasse? Dinge, wie Frauen als hysterisch, naiv, dumm und manipulierbar abstempeln? Ich fürchte ja. Nönöööt.
Ich persönlich kenne übrigens ziemlich viele Frauen*, die telefonisch belästigt wurden, aber diese Umfrage scheint mir repräsentativer zu sein. Wenn er alle Frauen, die er kennt, erst einmal fragt, ob sie telefonisch belästigt wurden, könnte es in der Tat davor abschrecken, ihre Nummer an ihn weiterzugeben. Just saying. Vielleicht waren es auch nur drei Befragte, von denen zwei weder im Telefonbuch stehen, noch ihre Nummer weitergeben.

Es folgt wiederholendes Geheule, Blablabla, zerreißt mir das Herz, ich hol mir mal Taschentücher, schniefschniefschnief. Und dann so:

Weiterhin wirkt sich dieses, nicht gerade vorbildliche Verhalten vieler Frauen, indirekt auch auf andere Frauen aus. Leider. Oft trifft es dann die Falschen. Oft sind es dann die Frauen, die super nett, freundlich, witzig, offen, ehrlich, sympathisch, sehr hübsch … sind.

Ein Typ, der sich das Recht nimmt, das Verhalten von Frauen* in „vorbildlich“ und „unvorbildlich“ einzustufen, geht noch weiter und ordnet die „Falschen“ Betroffenen ein. All diese Adjektive, dann auch noch „sehr hübsch“. Wer also nicht „sehr hübsch“ ist, darf ruhig garstig sein, denn die möchte eh niemand ansprechen, oder was?

In den letzten paar Wochen habe ich 3.847 saudumme Körbe/falsche Telephonnummern bekommen.

Eins könnte meinen, dass das Ansprechverhalten dieses Nice Guys™ exzessiv und vielleicht auch sehr „auf gut Glück“ basiert ist. Nur eine Vermutung.

Und außerdem: wir sind doch jetzt alle gleichberechtigt. Soll die Frau doch herkommen, wenn sie was will. Frau sollte es mal aus dieser Perspektive betrachten.

Richtig. Wenn sie* was will, kommt frau* schon auf ihn zu. Kommt sie* nicht auf ihn zu, will sie* auch nichts von ihm. Die Geschichte ist simpel, verständlich und logisch. Warum dann dieser überlange Rant?

Die Frauen haben es in der Hand, diesen Teufelskreislauf zu durchbrechen.

Welcher Teufelskreis? Wir haben doch gerade geklärt, wie der Lauf der Dinge™ ist?

Auch Männer wollen ehrlich behandelt werden – frau glaubt es kaum.

Nee, glaubt frau* echt nicht, erzähl mir bitte mehr davon.

Hat sich in der Frauenwelt aber leider noch nicht so herumgesprochen.

Scheinbar nicht, nee, tut mir leid. In der Frauenwelt™ dreht sich alles nur um Schuhe, Sex and the City und Katzenbabys. (Und um die Zerstörung des Patriarchats. In genau dieser Kombi.)

Und dann haben wir keine 8 Mio. Singles mehr, sondern „nur“ 500.000. Auch nicht schlecht, oder?

Noch einmal: Nicht jede_r definiert das persönliche Glück in einer romantischen Zweierbeziehung.
Dass diese mit Scheiße geladene Verschwörungsnachricht von Bibflirt/Spotted hochgeladen wurde, bestätigt mir die Unsensibilität auf Sexismus und Sicherheit von Frauen*. Das Internet ist schon lange kein Safe-Space mehr, leider, und wird es dank solcher Nice Guys™ und anderen Idioten immer weniger. Danke, Bibflirt, für Nichts.

*Ja, es gibt scheinbar tatsächlich Menschen, die ihr Interesse an anderen nicht nur durch intensives Starren Blickkontakt bekräftigen und darauf warten, dass die andere Person daraufhin ein Date anbietet. I wonder how.
**Ich hab mal aus Jux ein Inserat für meine Mitbewohnerin geschrieben, welches sich auch klar an eine Frau adressierte. Da der Eintrag von einer „Sie“ kam, hat sich gleich mal ein Typ angesprochen gefühlt und mir geantwortet. Es kann also auch zu Missverständnissen kommen.
***Ich habe aus Schutz der Adressierten gegenüber ihren Namen geändert und die angegeben Daten über sie gekürzt.
****Nicht auf Körper bezogen. Kleinwüchsige oder schwache Frauen können genauso fierce sein wie größere, stärkere.

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31 Antworten to “Abgewiesen und rumgeheult: Ein tränenreiches Manifest”

  1. tralla 25. September 2013 um 10:03 #

    hey heng, während ich diesen text sehr toll finde, muss ich zugeben, dass etwas mich darin stört: die verweise auf rechtschreibung und zeichensetzung. das tränentriefende misogyniemanifest ist inhaltlich lächerlich genug, wie du ja ausführlich und brillant darlegst. der verweis auf nicht normgerechte schreibung dagegen fühlt sich an wie ein argument des letzen auswegs und wird ja manchmal auch gegen feminist*innen verwendet, um ihre botschaften ignorieren zu können. kurz: es bringt so viel schöne häme, kommt meiner meinung nach aber ziemlich elitär und lenkt vom inhalt ab.

    • henghdf 25. September 2013 um 10:07 #

      Hej!
      Danke für den Hinweis, ich ändere das im Text, hab beim Schreiben auch schon gedacht „Hm, vielleicht ist er ja auch Legastheniker…?“

  2. sam 25. September 2013 um 10:12 #

    puh. immer, wenn ich solche unreflektierten/heterosexistischen texte wie von mr. nice guy hier lese, überlege ich, ob es sich jetzt lohnt, darauf wie auch immer zu reagieren oder nicht (und entscheide dann je nach kraftreserven). auf jeden fall sehr schön zerlegt und analysiert, hat spaß gemacht zu lesen – obwohl der ausgangstext echt mal wieder gruselig war.

    • henghdf 25. September 2013 um 10:16 #

      Stimmt schon, oft lohnt es sich gar nicht, die Energie reinzusetzen. Aber bei Spotted/Bibflirt habe ich zu oft das Gefühl, dass alles so als „in Ordnung“ und „“normal““ verstanden wird. Ich hatte das Bedürfnis, das ein bisschen zu zerlegen.
      Danke. 🙂

      • dodo 28. September 2013 um 19:10 #

        Ich find’s gut, wenn das ab und zu mal wer macht. Auch wenn nur EINER dieser Typen den Text liest und was davon kapiert (der Verfasser der Anzeige wohl eher nicht), wird immerhin die eine oder andere Belästigung nicht stattfinden. Bißchen optimistisch gedacht, klar. Aber ich find’s gut, auch diese kleine Chance immer wieder mal zu nutzen.
        Und die Gefahr, daß der Cyberfeminismus sich vermehrt mit Reaktionen auf maskulistische Texte reagiert, seh ich jetzt auch nicht.

  3. wapostel 25. September 2013 um 15:50 #

    Wow! Deine Analyse/Zerlegung seines Gejammers ist scharfsinnig und auch unterhaltsam. Toll, dass du dafür Energie aufbringen konntest. Ich wollte erst Lachen als ich seinen Text gelesen habe, aber das ist mir dann doch im Hals stecken geblieben.

    • henghdf 25. September 2013 um 16:05 #

      Dankeschön. 🙂 Beim Lesen war mir förmlich nach Schreien, ich wurde richtig aggressiv. Ich war einfach so geladen, dass ich die Energie in einen Rant umwandeln musste, sonst wäre ich den restlichen Abend gereizt gewesen.

  4. ann4bolda 25. September 2013 um 16:01 #

    Mich irritiert diese „Frauenjagd“ auf der Straße! Haben die keinen Freundeskreis zum fischen? Welche Frau will denn so auf’s Äußere reduziert werden? Denn es ist ja offensichtlich, dass hier kein anderer Faktor eine Rolle spielen kann!

    Ich persönlich möchte z.B. einfach nur in der S-Bahn sitzen und nicht aggressiv angeflirtet werden. Was da meist hilft sind Kopfhörer und Blicke aus dem Fenster. Dabei hab ich garnichts gegen Gespräche. Da aber 50% aller angefangenen Gespräche mit Typen bei der Frage nach meiner Nummer enden, gehe ich dem meist schon gleich aus dem Weg.

    Sone Bib-Geschichte ist mir auch mal passiert. Der Typ hat sich als Oberlangweiler herausgestellt, das war’s dann. Sein Zettelchen war legendär, muss er daheim in großer Auflage angefertigt haben. Kann man hier Scans anhängen? 😉

    • henghdf 25. September 2013 um 16:08 #

      Genau das ist es. Wenn ich jedes Mädchen*, was ich auf der Straße treffe und attraktiv finde, ansprechen würde, dann wäre es doch klar, dass die meisten darauf nicht positiv reagieren und ich somit viele Abweisungen kassiere. Auch, wenn ich „höflich“ bin.

      Nicht mal in der Bib kann 1 noch entspannt sitzen, ohne als potenzielles Date gemustert zu werden. Viele geben mir das Gefühl, auf der Suche nach einem Bib-Flirt zu sein, nur der Geschichte/des „Fangs“/des Bib-Flirts wegen. Total ätzend.

      Ich glaube, es können hier keine Bilddateien angehängt werden. Gelesen hätte ich die Zettelchen trotzdem gern. 😀

      • kaa 28. September 2013 um 17:52 #

        seitdem ich Kopftuch trage habe ich davor ruhe.(leider führt das wieder zu extrem-geglotze und teilweise islamophoben übergriffen. Aber es verhindert ungefragtes angesprochen werden oder breitmachmacker durchaus ganz gut.(Nunja, wenn sich jemand zu breit macht weise ich ihn freundlich darauf hin dass ich daneben sitze oder-was offenbar auch den breitmachmackern unangenehm scheint- mach auch mal die beine breit-in einer sehr schnellen, aggressiven art.(kann aber nicht jed_, daher wäre n leben ohne breimacker schon feiner.
        ch, der platz neben einem bleibt auch häufiger leer.

        wenn ich menschen ansprechen möchte mache ih das selber,

  5. Blub 25. September 2013 um 23:03 #

    „Wenn sie* was will, kommt frau* schon auf ihn zu. Kommt sie* nicht auf ihn zu, will sie* auch nichts von ihm.“

    Na, das bezweifle ich.
    Ich kann mir gut vorstellen das es viele Frauen gibt die z.B. schlechte Erfahrungen mit Männern gemacht haben oder selber Angst vor Abweisungen haben und deshalb eine Ansprache unterlassen.

    • 100% hetero 28. September 2013 um 15:57 #

      @ blub

      Ja leider ist dem nicht so. Wäre ja schön, aber das sind Wunschträume.

  6. Melanie 26. September 2013 um 09:41 #

    Großartiger Text (deiner ;)), ich habe mich sehr amüsiert.
    Zum Thema was du in den ersten Absätzen ansprichst, habe ich auch mal was geschrieben:
    http://femgeeks.de/spotted-flirt-und-fail-auf-facebook/

  7. furly 28. September 2013 um 12:23 #

    Nochmal nachgerechnet:
    Der junge Mann schreibt, in den letzten paar Wochen 3847 Körbe bekommen zu haben (oder scheint jemanden zu kenne, der sich entsprechendes sagt). Dazu müssen ein paar Annahmen gemacht werden. Die Formulierung „Wochen“ deutet darauf hin, dass es unter 8 sein müssen, da ansonsten bereits die Formulierung „in den letzten paar Monaten“ möglich wäre. Als obere Grenze des fraglichen Zeitraumes sollen deshalb 4,9*10^6 Sekunden angenommen werden. Es muss davon ausgegangen werden, dass der junge Mann biologische Grundbedürfnisse (Schlaf, Nahrung aufnehmen und ausscheiden) stillen muss, um zu überleben. Diese Zeit, in der wahrscheinlich keine Anmachen möglich sind soll mit 9 Stunden pro Tag abgeschätzt werden. Das macht über den gesamten Zeitraum grob 1,8*10^6 Sekunden.

    Anmachezeit: 3,1*10^6 s
    Anmachen: 3847
    Folgliche Anmachfrequenz: 0,001241 Anmachen/s

    Das heißt vereinfacht ausgedrückt, der junge Mann haut alle 13,5 Minuten eine Anmache raus. Mindestens. Wo soll da eigentlich noch Zeit für ein „nettes Gespräch“ bleiben?

  8. Jacinta 28. September 2013 um 13:11 #

    Es MUSS ein Witz sein, oder. 3.847 in den letzten paar Wochen? Also paar kann vier sein, oder? Also vier Wochen, 3,847 Absagen/falsche Nummer. Das heisst: jede Woche fast tausende Frauen ansprechen. DAS HEISST: jeden Tag…okay, hier reicht meine Mathe nicht aus. Aber ich finde das unglaubwürdig. Zwei, drei Mädchen pro Tag reicht, oder? Sogar für so ein Verzweifelter wie er. Ich glaube auch, dass er ein kleines bisschen unnormal ist, im Kopf, mit Intelligenz (schreiben) und mit Emotional-Intelligenz. Gestern bei Twitter habe ich über einen amerikanischen Mann gelesen, der hat so genau beschrieben, wie er seine Frau haben wollte usw…..ich dachte auch, der wäre ein kleines bisschen psychisch/mental nicht „normal.“ Ich weiß, ich schreibe voll diskriminierend über mental health issues, ich kenne wirklich nicht die korrekte Definitionen auf deutsch….aber ich frage mich, ob wir so’ne Leute so heftig kritisieren sollen? Ich finde es ist eher traurig, dass unsere Welt so fucked-up ist, dass Leute mit Störungen merken nicht, dass sie gestört sind, sondern denken, dass Frauen ihr Verhalten ändern müssen. Ich finde dieses Nice Guy Syndrome voll gefährlich, und es zeigt, wie gefährlich es ist, weil so’ne Leute denken, dass sie normal sind, aber eigentlich ist es nicht normal, so viele Leute auf die Straßen anzusprechen, sogar in England wäre das nicht normal, und in Deutschland ist das total ausserhalb des Spektrums vom „normalen“ Verhalten

  9. dodo 28. September 2013 um 19:05 #

    Du meine Güte… ja, klaaaar, der Feminismus™ ist auch dann schuld, sollte sie sich nur vertippt haben. Die scheiß Emanzen wollen alle mehr als Sekretärin werden und können alle nicht mehr tippen!!! Und so…

    Ach mei…. ehrlich, ich hab das Geweine nicht ganz gelesen. Nach den „8 Mio. verzweifelten Singles etc.“ hab ich nochn bißchen weitergelesen und dann recht schnell afgegeben und ich bin erst wieder bei Deinem Kommentar dazu eingestiegen, ich mein… also mal ehrlich! Sollte ich mal innerhalb Wochen so viele falsche Nummern kriegen, würd ich mal anfangen, mir Gedanken zu machen, warum das so sein könnte.

    Ist auch ein super Beispiel für male priviledge. Anscheinend hat der Herr sich nie gefragt, wie viel schwieriger/komplizierter es ist, „jemand zu finden“ oder auch nur anzusprechen, wenn man kein WeißerHeterosexuellerMann™ ist.
    Fast schon unglaublich.
    Ich hab das Gefühl, ich weiß, weshalb er so viele Körbe kriegt.
    Bei so viel Geweine wird nicht Romantik/Erotik/Freundlichkeit/… signalisiert, sondern „Ich will meine Mama!“ Ernsthaft. Der Eindruck kam bei mir als „junger Frau“™ rüber. Auf so ne Kontakt/Suchanzeige tät ich mich auch nicht wieder melden, selbst wenn ich die 10 Minuten Smalltalk als unterhaltsam und den Typen als nett empfunden und mich nur vertippt hätte.

  10. Asmo 30. September 2013 um 13:13 #

    Bei aller Idiotie des rezensierten Beitrages – wobei sich mir die Frage stellt, ob es außer um Dampf abzulassen der Mühe wert war – lese ich als Fazit lediglich, dass jeder Mensch ein Recht hat, von niemandem ungefragt angesprochen zu werden, da er (der Angesprochene) dadurch in seinen Gefühlen tangiert sein könnte. Das erscheint mir nicht als der Weisheit letzter Schluss.

  11. kersolq 1. Oktober 2013 um 16:16 #

    hm, auch wenn ich das rumgeheule von dem scheiße finde, das mit dem ansprechen ist echt nicht einfach, weil: weiß ich, ob die andere mich nicht anspricht, weil sie respektvoll ist, oder weil sie nicht will und sprech ich sie dann an oder nicht? ich mein die probleme bleiben bestehen auch zwischen frau und frau oder genau umgekehrt. Frau sagt schon was, wenn se will. aber das mit dem vll. nicht angesprochen werden wollen gilt ja auch fürn kerl. nur den rest mit der partnersuche usw. hätt er sich schenken können.

    • Matthias 2. Oktober 2013 um 15:23 #

      Oh doch, „das mit dem ansprechen“ ist sehr wohl ganz einfach:

      Wenn eine dir unbekannte Frau dir länger direkt in die Augen schaut, dann lächele sie an, – lächelt sie zurück, dann sprich sie an… 😉

      • Ja mei... 4. Oktober 2013 um 04:43 #

        Du meine Güte, wenn man derart unsicher ist, daß man nicht weiß, ob das Gegenüber nur aus Höflichkeit zurücklächelt, dann gibt man halt einfach die eigene (echte) Nummer her und wenn’s doch nicht nur Höflichkeit ist, wird’s schon irgendwann klingeln.
        Also man kann sich aber auch anstellen…

  12. zitterart 4. Oktober 2013 um 09:47 #

    Danke für das großartige Auseinandernehmen dieses Textes!
    Mir ist vor einiger Zeit sowas auch passiert, nur dass dieser Mann* hintermirher lief (was ich dank Kopfhörern und Einkaufsbeuteln erst nicht merkte) und dann als ich an meiner Haustür (!) stand plötzlich losrannte und „Hey, hey“ rief. Ich, perplex aber nur semi-verängstigt (weil perplex) unterhielt mich mit ihm, bzw. er redete ich hörte zu und nickte und durfte mir anhören, wie toll mein Style sei, ich sei ihm schonmal in dem Lebensmittellden aufgefallen etc pp. Gab ihm, obwohl ich nicht wollte, die richtige Nummer aber erklärte, dass ich keine Zeit für Treffen habe, ich sei mit meiner Arbeit verheiratet (true word!) etc. naja nach gefühlten 100SMS in wenigen Tage sagte ich ihm höflich, dass ich nicht will und fing mir ein saftiges „Fuck you.“ ein, nachdem er mir erklärte, dass Menschen Beziehungen haben müssen.

    Okay, soweit. Selbst wenn, warum mit ihm? Er hätte mich im Laden anquatschen können, das wäre fast bis gar nicht creepy gewesen, so für mich im Vergleich dazu, dass er mir nach Hause folgte, weiß wo ich wohne etc. Ich hab immernoch schiss, dass er irgendwo herumlungern könnte, auch wenn er noch so nett und freundlich wirkte, I mean… really?

    Und dann höre ich noch „Naja, aber wie soll mann* Frauen denn sonst ansprechen?“ Well, wenn sie zackig und genervt die Straße entlanggehen (wie ich in dem Moment) vielleicht gar nicht?!

  13. Ciconio 14. Oktober 2013 um 20:05 #

    Danke und Respekt für den Text. Ich hätte nicht die Muße gehabt, einen derart danebenen Text so detailliert auseinanderzunehmen und gegen jeden einzelnen Abschnitt Argumente zu formulieren.

    Eine Sache fühlt sich jedoch etwas problematisch an: die ständige Verwendung von Wörtern wie „Herumgeheule“ und „Tränenvergießen“ im Rahmen des Sichlustigmachens über den Autor des Textes. Sich über einen Mann lustig zu machen, indem man ihn des Weinens bezichtigt, bedient sich eines problematischen männlichen Rollenbildes in unserer Gesellschaft, das beinhaltet, dass Männer traditionell „feminine“ und damit „schwache“ Eigenschaften nicht haben dürfen. Andere Beispiele, wie dieses Männlichkeitsbild gegen Männer verwendet wird, sind die „Beschuldigung“, einen kleinen Penis zu haben, oder die Verwendung weiblicher Begriffe („Pussy“, „Mädchen“) als Beleidigung. Solche Dinge als Beleidigung zu verwenden, reproduziert solche Männlichkeitsbilder und ist damit sexistisch.

    • henghdf 14. Oktober 2013 um 20:11 #

      Vielen Dank für das Feedback. Ich verstehe, was du meinst, und wollte auf keinen Fall diese Rollenbilder reproduzieren. Es war an diese Floskel „Male Tears“ angebunden, wenn Mitleid für Dinge gesucht werden, die alles andere als Mitleid verdienen.

      • Ciconio 14. Oktober 2013 um 20:50 #

        Okay, verstehe, dieser Begriff war mir bisher noch nicht untergekommen. Bei der Recherche danach bin ich auch auf das Äquivalent “white tears” gestoßen, was mir als sarkastischer Begriff für unrelektiertes Beschweren über die eigene privilegierte Position äußerst treffend scheint. Bei “male tears” bleibt jedoch der Beigeschmack eines fragwürdigen Männlichkeitsbildes, und deshalb bin ich mir gerade noch nicht sicher, ob ich diese Phrase nicht prinzipiell problematisch finde.

  14. Hank 7. November 2013 um 22:06 #

    Wie können Frau und Mann sich bei den oben aufgestellten Regeln noch kennen lernen?

    – Ansprechen geht nicht, das ist creepy und könnte den anderen belästigen
    – In die Augen schaun und auf Reaktion warten geht auch nicht, weil das ist ja auch creepy da man den anderen mit seinen Blicken belästigt. Außerdem würde ja auch nur wieder das Äußere zählen.
    – Übers Internet (Facebook etc.) anschreiben geht nicht. Ist ja womöglich Stalking und damit creepy und absolute Belästigung.

    Diese Regeln müssen der Fairness halber für beide Geschlechter gelten. Wie funktioniert dann das kennen lernen noch? Göttliche Bestimmung? Anonyme Castingaufrufe?

    Nicht dass ich diese Regeln für mich anwenden würde, aber da es ja scheinbar Leute gibt, die das wollen: erklärt mir, wie es zu zwischenmenschlichen Kontakten kommen soll.

  15. anarcnoise 11. Januar 2014 um 21:44 #

    Genialer Blog, wie sehr habe ich nach solcher Kritik gesucht, sofort gespeichert! 🙂
    Auch danke für den interessanten Artikel, das zeigt, wie beschränkt viele Männer denken und was sie so alles oberflächiges an den Tag setzen.

    Nun, fange mit dem schlechten an, ich war früher auch mal so ein „creeper“ (gutes Wort trifft es genau!), ist mir schon peinlich das zuzugeben, auch so gewesen zu sein.
    Ich hatte auch so eine hängengebliebene anhängliche Art, Frauen hinterher zu laufen und anzusprechen. Ok so gehässig wie der da, war ich nicht, aber das tut nichts zur Sache.

    Heute bin ich zum Glück nicht mehr so.
    Irgendwann habe ich angefangen aus den gesellschaftlichen Barrieren auszusteigen.
    Es ist erschreckend, wie frei der Mensch doch eigentlich sein kann, wenn er es einmal geschafft hat, sich von diesem ganzen alltäglichen nonsense zu befreien.
    Ich möchte heut nicht mehr tauschen gegen mein altes „billiges“ Leben. Ist doch viel besser ohne Fernsehen, ohne oberflächigen Freunde, ohne Discos, ohne Konsumscheiß, heute gehe ich lieber irgendwo „laufen“, am besten lange Wege und denke nach.

    Genauso wie andere Männer im laufe meines Lebens immer wieder versucht haben, einen Einfluss auf mich zu gewinnen. Diese ganzen scheiß Rollen, von denen ich einfach nichts halte, weils mich anwidert. Die konnten das nicht verstehen. Heute bin ja selber mehr so der feminine Typ (ich hoffe das sagt man so, falls nicht, korrigiert mich bitte, danke.), also ich will mich nicht benehmen, wie ein Mann sich nach irgendwelchen imaginären Regeln zu verhalten hat. Auch sage ich lieber „Junge“ oder „Typ“ zu mir statt „Mann“, weil ich dieses Wort nicht mag, von den ganzen Traumata abgesehen.

    Dieses ganze „Frauen Ansprechen“-Zeugs ist genauso ein falsches Vorbild für die Menschen und dient den großen Konzernen eh nur dazu, irgendwie ihr Geld einzutreiben und die Menschen nebenbei dumm zu halten.
    Genauso wie ich mich frage, warum es eigentlich Beziehungen oder, noch schlimmer, Ehe und Heirat gibt (=Sklaverei). Warum können Menschen nicht einfach frei leben, warum diese ganzen Muster. Ah ich denke schon wieder zu viel.

    Peace

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