I tried to create a feminist Meme, I failed.

2 Nov

Donnerstagabend kam mir beim Pizzabacken die Idee, das altbewährte, aber sexistische (und oft auch anderweitig -istische) Meme „Deine Mudda“ zu reclaimen. Warum müssen immer die weiblichen Angehörigen durch den Kakao gezogen werden, damit eins ordentlich beleidigen kann?

Einfach den Spieß umdrehen™ und Väter beschimpfen war keine Option. Nicht alle haben/kennen ihre Väter oder möchten auf sie angesprochen werden.
Einen Ex haben zwar auch nicht alle, aber es sollte gar nicht um reale Exfreunde, sondern um heteronormative Cis-Het-Dudes gehen. Es gibt sie in unterschiedlichen Variationen, vom FPD-Mansplainer bis hin zum Antifa-Macker. Kritisiert werden sollen all diese Formen von weißer Männlichkeit, die uns im Alltag begegnen und uns nerven.
Schön daran ist, dass die Frauen* (oder Männer*, falls an sie adressiert) sich letztlich von diesen (nicht existierenden) Exen getrennt haben, denn es heißt ja nicht „dein Lover“. Mit einem Hauch von Kopfschütteln über die eigene Heten- oder RZB-Vergangenheit und einem Grinsen. Die Dudes sind aus der Ferne. Wahrscheinlich aufgrund ihrer ignoranten Männlichkeitsperformanz.

Diese beinhaltet in meinem Kopf alle Formen von Sexismus (Cis-, Hetero-, Mono-, usw.), Rassismus, Antisemitismus, Neo-Orientalismus, Breitmackertum und weitere Darstellungen von Dominanz und Ignoranz. Solche Typen tragen in meinem Kopf blonde Dreads, Fedoras oder War-Bonnets auf Festivals.

Gestern erzählte ich fröhlich meiner Twitter-Timeline von dieser Meme-Idee. Nur wenige verstanden allerdings, dass es ein Meme sein soll und keine Aufforderung, von ihren heterosexuellen, romantischen Zweierbeziehungen zu erzählen. Für diesen Sexismus gibt es schließlich #aufschrei.

Für Maskus und solche, die es gern wären, war der Hashtag natürlich gefundenes Futter. Der unter #DeinEx erscheinende Content bezieht sich kaum auf satirische Memes, sondern auf Hetenshit par excellence. Es wird sich darüber gefreut, dass der aktuelle Partner nicht in diese (nicht selten von Übergriffen handelnden, meist sexistischen) Muster reinpasst.

Was soll ich sagen? Herzlichen Glückwunsch. Dann gibt es noch das beliebte Lesben-Manhater-Bashing.

Von Dudes verfasste Tweets zitiere ich hier gar nicht erst, da könnte ich gleich ein altes, durchgekautes Kaugummi durch Hundescheiße ziehen und es auf meinen Blog kleben. Und das wäre im Vergleich zu den Tweets sogar noch artsy.

Jedenfalls hab ich aus diesem Hashtag gelernt. Sobald eins irgendetwas, was auch nur in geringstem Maße mit (in diesem Fall vorrangig heterosexuellen) romantischen Zweierbeziehungen in Verbindung gebracht werden könnte, wird definitiv mit RZB-Content gefüllt. Danke für nichts, Internet.

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10 Antworten to “I tried to create a feminist Meme, I failed.”

  1. tralla 2. November 2013 um 13:12 #

    Mein Problem mit diesem Hashtag: Ich hab ihn geliebt und zugleich total problematisch gefunden. Das Lieben ergab sich ausschließlich aus dem schmunzeln über eigene Exfreunde, ein Thema, das ja sonst kaum anders als in peinlich berührter Rage abgehandelt werden kann.
    Direkt daran schließt sich aber für mich das Problem an: Wenn in einem Tweet „Dein Ex“ steht, dann lese ich da auch „dein Ex“, nicht „irgendein Mensch, der potentiell irgendwessen Ex ist und außerdem scheiße“. „Ex“ ist eben ein Ausdruck, der Menschen über eine Beziehung beschriebt, und diese wegzudenken ist ein recht großes Kunststück. Deine Mutter-Witze verlieren an Schlagkraft, wenn es heißt „irgendeine Frau“: Klar sind sie sexistische Scheiße, sie dient aber nicht primär dazu, Frauen abzuwerten- der Sexismus wird als Mittel benutzt, weibliche Angehörige und damit die (ja, sexistische Scheiße!) „Ehre“ des/der Angesprochenen zu beleidigen. Umgelegt auf DeinEx heißt das für mich: „Haha, du warst mit einem Arsch zusammen, was bist du denn überhaupt wert“. Und das passiert ja auch tatsächlich, dass Frauen* vorgeworfen wird, sich an eine auf diese oder jene Art „unwerte“ Person „verschwendet“ zu haben, wie habe sie das nur tun können. Daran schließt diese Kritik an Männlichkeiten nur zu gut an, wenn sie erst wieder über die (scherzhafte) Abwertung einer Frau durch ihre Beziehungen läuft. Kein Sex mit Nazis? Ok. „Iiiieh, du hattest Sex mit einem Nazi, bitch“? Nicht ok. Auch hier zählt, was ankommt, nicht, wie es gemeint war.
    (Meine Unterhaltung durch ein erfrischendes Meme war gewährleistet, die Implikationen finde ich aber trotzdem nicht gut oder all zu feministisch.)

    • henghdf 2. November 2013 um 13:42 #

      Danke für dein ausführliches Feedback!

      Die Abwertung von Frauen* wollte ich damit nicht implizieren, aber klar, es kann auch ohne meines Willens impliziert werden.
      Und besonders tief reflektiert war der Hashtag nicht, das hab ich selbst gemerkt. Ich wollte diesen Eintrag auch vor allem schreiben, weil ich mich von der jetzigen Nutzung des Hashtags distanzieren möchte.

      • tralla 2. November 2013 um 13:57 #

        Klar ❤ Die Zweckentfremdung ist zum Kotzen, das hat dein Hashtag nicht verdient 😮

  2. Robin Urban 2. November 2013 um 14:39 #

    Irgendwann gestern tauchte das Hashtag in meiner Timeline auf, ich verstand erst nicht, was das soll. Es dauerte ziemlich lange, bis ich kapierte, dass es sich hier offensichtlich nicht um reale Exe dreht. Dahingehend muss ich mich der Kritik meiner Vorrednerin anschließen.

    Aber darüber hinaus: OMG, was für ein Chaos. Ich fand die Idee ganz witzig und fing auch an, Sprüche zu twittern (ein oder zwei basierten tatsächlich auf Ex-Geschichten – das ging leider automatisch), aber natürlich wurde aus bekannter Ecke direkt losgejault. Seltsam… die selben, die sonst immer argumentieren, dass alles ja „nur Spaß“ oder „Satire“ ist, fühlten sich von sowas am meisten auf den Schlips getreten. Das beweist für mich nur, dass wir alle einfach mal mehr chillen sollten!

    Ideal war alles nicht, aber es ist ja auch kein gottverdammtes Atomprogramm, sondern nur ein kleines Twitter-Meme. Es tut mir leid, wenn du deswegen jetzt angefeindet wirst. Und ich hoffe, meine Tweets waren in deinem Sinne 😉 Ich hab mir jedenfalls Mühe gegeben.

  3. Osteopathie 2. November 2013 um 18:21 #

    Was genau ist RZB-Content? o.O

  4. Männerstreik 3. November 2013 um 00:51 #

    Kannst ja trotzdem ein sinnloses Buch schreiben wie Wizorek, von Horst & Co. Die armen Bäume…

  5. whitedreadhead 8. Juli 2014 um 05:08 #

    gibt auch dudes mit blonden dreads die sich zumindest redliche mühe geben, kein rassist/sexist/maskulist/whateverarsehole zu sein.

    guter blog, das hier.

  6. whitedreadhead 8. Juli 2014 um 05:16 #

    gibt auch dudes mit blonden dreads die sich redliche mühe geben, kein rassist/sexist/maskulist/whateverarsehole zu sein.

    good blog, das hier.

Trackbacks/Pingbacks

  1. Macker, Dudes und Männchen schaden dem Feminismus | Flussfänger - 18. November 2013

    […] dem männlichen Geschlecht entgegenbringen, war ein kurz aufflammendes Meme auf Twitter. Laut dem/der/dem Initiator*In sollte […]

  2. Stellt euch vor, es ist eine maskulistische Aktion und keiner erwähnt es. | robins urban life stories - 2. Dezember 2013

    […] es mit #DeinEx auf sich hatte, könnt ihr bei teariffic nachlesen. Darüber hinaus ist mir mein Tippfehler (“man” statt “mal”) schon längst […]

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