Mädchenträume

18 Nov

Anika und ich machten einen Thing-Swap und da ihr früher ihren Blog las, kommen mir mit dem Begriff „Mädchenträume“ viele Erinnerungen hoch. Der Blog hieß zwar „Träume eines lächerlichen Mädchens“, aber nun denn. Ich ging noch zur Schule und träumte, wie viele andere in meinem Alter wohl auch, von meinem Auszug. In die Großstadt wollte ich. In eine Altbauwohnung mit hohen Decken und großen Fenstern. In der Küche sollte ganz viel ungleiches Geschirr stehen, eine große Teesammlung und Kerzen. An die Wände würde ich, wie auch in meinem Jugendzimmer, Flyer, Poster, Postkarten, Eintrittskarten von Konzerten und Kinofilmen und Fotos aufhängen. Ich wollte so gern dieses weiße Metallbett von Ikea und eine Lichterkette durch die Schnörkel stecken. Die Bettwäsche sollte so blumig sein, wie mein Haarshampoo roch. Dann würde ich im Dunkeln auf diesem Bett sitzen, Musik (natürlich in Vinyl-Form!) hören, Räucherstäbchen anzünden, Teetrinken und innere Ruhe finden. Innere Ruhe, die von diesem Gefühl, endlich angekommen zu sein, geprägt ist.

Die Musik würde alt sein und trotzdem aktuell, inspirierend, aber irgendwie immer ein bisschen traurig.

Als ich tatsächlich auszog, merkte ich, dass so eine Altbauwohnung weder einfach zu finden, noch besonders günstig ist. Mein Plattenspieler springt ein bisschen rum, ich fand ihn für 6€ auf dem Flohmarkt und er reicht gerade so davon, um mein geliebtes Album „XX“ abzuspielen. Das Bett und die Lichterkette und diese Sache mit den Wänden und dem Tee, die hab ich trotzdem. Jugendträume sind nicht umbedingt realistische Zukunftspläne, aber sie halten uns am Leben. Sie sind dieses Licht, das niemals vergeht. Dieses eine, an das wir glauben, während wir uns der Kleinstadttristesse hingeben. Diesem großen Grau, in dessen Mitte unsere Schule platziert ist. Ein Gebäude, in dem Leistungsdruck und Aversion schon von weitem aus den Fenstern zu erkennen sind. Aber in den Pausen dieser eine Gedanke: Wenn ich hier raus bin, dann wird das schon irgendwie gut.

Dabei bin ich gar nicht enttäuscht darüber, dass mein Leben jetzt gerade nicht eins zu eins so aussieht, wie ich es mir ausmalte. Schließlich habe ich mich verändert, meine Ansprüche und Prioritäten sind andere, ich bin flexibler. Träume verändern sich mit uns. Und vielleicht schaffe ich es doch mal länger als nur für zwei Monate in so ein verdammtes Altbaugebäude in der Großstadt.

Als Anika letzte Woche ihren neuen Blog unter dem Namen Mädchenträume öffnete (ich finde, „öffnen“ ist ein passendes Wort, weil Blogs wir mich ein bisschen wie schöne Orte sind, an denen eins rumhängen kann, wie Cafés), war mein Grinsen breit, dass sie diesen Namen wählte.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: