Stop Telling Women To Smile

25 Nov

Heute ist der Internationale Tag zur Beseitigung der Gewalt an Frauen*. Der WHO zufolge wird jede dritte Frau körperlicher Gewalt in Form von Prügel ausgesetzt. Gewalt fängt aber schon früher an. Die Überschreitung/das Ignorieren persönlicher Grenzen durch andere sind gewaltvoll. „Zufälliges“ Begrapschen in der U-Bahn ist gewaltvoll. Street Harassment ist gewaltvoll. Sex ohne Konsens ist gewaltvoll – ja, auch dann, wenn eins in einer Beziehung ist.

Es darf nicht sein, dass so viele Frauen* Gewalt ausgesetzt werden, sei sie häuslich oder nicht. Kein Mensch sollte Angst davor haben müssen, in jedem Augenblick angegriffen zu werden, sei es von dem Vater, dem Partner*, der Partnerin*, Bekannten oder Fremden.

Hilfe für Betroffene gibt es lokal vor Ort oder telefonisch. Nicht alle trauen sich den Schritt zu, Hilfe durch Außenstehende aufzusuchen. Nicht alle haben überhaupt die Möglichkeit, irgendwo anzurufen oder sich über mögliche Schritte zu informieren.

Mich macht es wütend. Ich bin wütend darüber, dass dieses Problem relativiert wird. Ich bin wütend darüber, dass Menschen die Unterdrückung von Frauen weder einsehen, noch sichtbar machen wollen. Ich bin wütend darüber, dass patriarchische  Machtverhältnisse unzählige Leben zerstören. Ich bin wütend darüber, dass ich mich nicht frei bewegen kann, weil irgendwo immer ein_e Gewalttäter_in lauern könnte. Ich bin wütend darüber, dass immer wieder die Opfer angeklagt werden. Ich bin wütend darüber, dass Täter_innen in Schutz genommen werden. Ich bin wütend darüber, dass dieses Thema auch durch rassistische Strukturen gezogen wird. War es eine PoC, die die Gewalt ausgeübt hat, ist natürlich nicht überraschend, war es ein_e Weiße_r, so muss bedacht werden, dass er_sie es im Leben nicht immer leicht hatte und nur diesen Frust rauslässt.
Mich macht es vor allem wütend, dass ich nicht wütend sein darf. Von mir wird erwartet, dass ich stets lächle, vor allem Männer* anlächle, dass ich immer höflich bin, immer freundlich. Werde ich belästigt und zeige meine Wut, dann heißt es: „Das hättest du aber auch höflicher_freundlicher ausdrücken können.“

Hört auf, mich ungefragt anzufassen. Hört auf, mir zu sagen, dass ich immer zu lächeln habe. Hört auf, mich in die Position der Unterhabenden zu drücken. Hört auf, alles mit Kultur und Natur zu begründen.
An dieser Stelle möchte ich an das tolle Projekt „Stop Telling Women To Smile“ von Tatjan Falalizadeh hinweisen. Seit einigen Monaten lese ich auf Tumblr, wie ihre Street Art Aktionen zu lebendigen Palimpsesten werden: Ein schriftlicher Dialog wird auf ihren Postern dokumentiert. Ein Dialog, der beweist, wie akut diese Aktion nötig ist. Street Art gegen Street Harassment: Das Problem vor Ort sichtbar machen.

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Eine Antwort to “Stop Telling Women To Smile”

  1. hikE 10. Januar 2014 um 20:57 #

    stimme voll zu! Hört auf, Frauen* zum Lächeln zu dressieren!

    Wie oft ich das bereits als kleines Kind gehört hab, ich solle nicht so brummelig gucken sondern mal lächeln und mich hüPsch machen, „sonst würd ich später keinen Mann* kriegen“… als ob das „einen (Ehe)Mann* kriegen“ bereits das einzige erklärte LebensZiel eines fünfjährigen weiblich konnotierten Kindes sei!

    Meines Bruders gezogenes Gesicht blieb grundsätzlich von solchen Aufforderungen verschont.

    Es hat aber alles nichts genutzt, allein die Aufforderung zum hüPschsein zog meine Mundwinkel sofort konsequent noch tiefer. Ich lächle nur dann, wenn ich es selbst will. Und dann – Nur Dann! – fühlt es sich gut und richtig an und dann gehört das Lächeln zu mir, und nicht zu irgendwem anders „als Fernbedienung über mich“.

    Ich lache und lächle gerne, aber halt nicht auf Aufforderung und schon gar nicht um „einen Mann* zu kriegen“ wie meine Mutter das immer wieder anmahnte.

    Mag sein, dass das von mir Geschilderte „nur“ eine pädagogische Geisteshaltung wiedergibt, die für die 1970er Jahre typisch war aber nicht für heute; wenn ich allerdings Postings wie den hier drüber lese, scheinen die 1970er Denk-Gespenster doch noch sehr aktuell umherzuspuken.

    Heute, also 40 Jahre später, haben sich alle mich umgebenden Personen damit abgefunden, dass es von mir grundsätzlich kein „kommunikationsförderndes“ Startlächeln gibt, nur meine Mutter kann’s immer noch nicht lassen mit dem hüPsch-Gedöns.

    Ich kann jeden Menschen nur darin bestärken, nicht zu lächeln wenn es dafür absolut keinen individuellen Grund, sondern nur eine Erwartungshaltung gibt, dass Frauen* sozial-kommunikativ zu sein haben und damit auch das Initiallächeln zu übernehmen haben.

    Und dieser Bio-Bullshit – weisste was der zu Lächeln sagt? Zustimmung/ Liebe/ Freude/ Beschwichtigung/ Verlegenheit/ Peinlich/ Scham/ Unterwerfung /Schmerz.

    Das ist ne ganz schön breite Palette und es kommt immer drauf an was der Rest vom ganzen Menschen macht – Menschen die lächeln und ihren Blick oder Körper wegdrehen, wollen _nicht_.

    Trotzdem geht mit dieser „Einladung“ so mancher Übergriff in unserer Gesellschaft los und wird auch so begründet – „sie hat gelächelt also wollte sie es“.

    Ich finde es wichtig, dass alle Menschen wissen, dass Lächeln ganz verschiedene Dinge bedeutet und _keine_ Einladung zum Überschreiten der Grenzen ist.

    Ernstblickende Grüße, Danke für den Text und viel Energie für die Zukunft!

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