Studium: Erwartungen vs. Realität

11 Dez

(Kurze Anmerkung vorweg: Diese Erfahrungen sind alle sehr stark persönlich geprägt und ich möchte niemandem absprechen, eine tolle Unizeit gehabt zu haben.)

Vor etwas mehr als zwei Jahren, im Oktober 2011, fing ich mein Studium an der Uni Freiburg an. Alle sagten mir, dass jetzt ein neuer, wichtiger Lebensabschnitt beginne. Dass ab jetzt alles anders wäre und ich aus dieses Zeit viel lernen werde, sowohl akademisch als auch street-smart-mäßig. Filme wie 13 Semester oder The Social Network versprachen mir, dass an der Uni etwas aus mir wird.

Das erste Semester war so enttäuschend, dass ich darüber nachgedacht hatte, zumindest die Uni und Stadt zu wechseln. Es wurde zwar besser, aber die Ernüchterung über das tatsächliche Studium hängt mir immer noch in den Knochen. Die größten Mythen?

„Im Studium wirst du erwachsen!“ 

Der Begriff des heteronormativen Erwachsenseins ist ein großes Fass, dass ich nicht in Nebensätzen zu öffnen wage. Was Erwachsensein definiert – ist es das Gefühl, die „geistige_körperliche Reife“ oder das Gesetz? -, was es dazu bedarf und ob es Not tut, diesen Status den eigenen zu nennen, möchte ich nur kurz mit einem rosa Glitzergelstift anmerken.

Dank des ollen BAföG-Gesetzes muss ich aber sagen, dass ich mir Erwachsensein nicht unbedingt so vorgestellt habe, dass ich mindestens drei Jahre lang von meinen Eltern finanziell abhängig bin. Mein Nebenjob bringt mir ungefähr „Taschengeld“ ein, mehr Zeit kann ich nicht in Arbeit investieren, sonst hinke ich dem Studium hinterher. (An dieser Stelle könnten wir uns auch über faire Studierendenlöhne unterhalten, ne?)

Wenn Erwachsensein Selbstständigkeit meint, dann stimme ich teilweise zu. Ich hab mit 13 angefangen, meinen Eltern beim Papierkram zu helfen. Das heißt, ich schrieb unzählige Briefe an Internet- und Stromanbietende, schrieb Hausordnungen, Mietkündigungen und Reklamationen bevor ich überhaupt ausgezogen bin. Im Haushalt nicht mitzuhelfen war für mich auch keine Option. Einerseits, weil dir deine Familie einen Gefallen tut (dich auf die Welt zu setzen, zu ernähren und ggf. ~nett zu dir zu sein) und du diesen dein Leben lang zurück zahlen musst, und andererseits, weil meine Mutter ein Mensch ist, der weiß, wie Kinder und Jugendliche einzuschüchtern sind.

Verblüffenderweise gibt es dennoch enorm viele Studierende, die nicht einmal wissen, wie eins ordentlich Geschirr spült (ich kann kein „sauberes Geschirr“ angucken, an dem noch Soßen- und Schaumreste hängen) oder ein Klo putzt. Viele von ihnen lernen dies auch im Laufe des Studiums nicht. (Manche wohnen ja auch während des Studiums noch zuhause, die meisten, die ich getroffen habe, allerdings nicht aus finanziellen Gründen.)

Mit sechs mal anderthalb Stunden Anwesenheitspflicht auf dem Campus kann ich auch nicht behaupten, einen regelten Tagesplan entwickelt zu haben. Mal stehe ich nachts um 6 Uhr auf, mal komme ich zu der Zeit erst nach Hause.
Mir vorzustellen, dass der Umkehrschluss dieser Mythos-Aussage wäre, dass eins ohne Studium nie so richtig erwachsen wird, lässt meine Miene versteinern. Es strotzt so sehr von Klassismus, Privilegienblindheit und Ignoranz, dass ich einfach zum nächsten Punkt übergehe.

„An der Uni triffst du die coolsten Menschen!“

Das war meine große Hoffnung. „Sobald ich aus der Kleinstadt ausgezogen bin, werde ich nur noch mit richtig coolen Leuten rumhängen“, dachte ich mir. Sie würden alle einen guten Musikgeschmack haben, mit mir auf Konzerte und auf gute Partys gehen, Flohmärkte lieben, kein Fleisch essen, ihre Seife selber machen und politisch keinen Millimeter weiter rechts als die Grünen sein. Alle würden feministisch und anti-kapitalistisch sein. (Alle, außer die BWL-, Jura- und Medizin-Studierenden.) Alle wären in spannenden Projekten eingebunden und wir würden nachts in einer schäbigen WG-Küche (in einer Altbauwohnung mitten in der Stadt, so richtig realistisch) sitzen, Wein aus der Flasche trinken und uns wie in Die fetten Jahre sind vorbei fühlen, weil wir in der Innenstadt gestickert haben oder so.

Well, what can I say? Studierende strapazieren meine Nerven nicht weniger als es die Bonzenkinder auf meinem Gymnasium taten. Die stereotypischen Studierenden sind heteronormativ, sexistisch, baden in Mainstreamkultur, tanzen zu David Guetta in prätentiösen Clubs (oder alternativ in Kellerbars zu Papa Roach), trinken enorm viel Alkohol, sind in ihrer Uni-Bubble eingefangen und haben ungefähr nichts mit der Außenwelt zu tun, drängeln sich überall vor, wollen alles kostenlos haben (gut, wer will das nicht?) und essen Wurst ohne Brot. In Freiburg sprechen die meisten auch noch badisch. (Danke für nichts und tschüss.)

Natürlich gibt es auch coole Menschen an der Uni. Die müssen aber mühselig gesucht werden. Ich hab es in den Asten probiert, wo die meisten aber eher nur so pseudo-alternativ und platt informiert waren. Ich habe gelernt, dass weiße Menschen mit Dreadlocks nicht nur Bürgerliche in disguise, sondern auch nicht so richtig anti-rassistisch sind. Kurz vor dem Weinen bin ich auch bei diesen ~edgy Überlebenskünstler_innen, die denken, sie hätten das Trampen erfunden, würden subversive Kunst machen (damit aber nur heteronormativen, -istischen bullshit reproduzieren) oder sie retten die Welt, weil sie drei Wochen in Indien waren, um sich selbst zu finden.

Die coolen Menschen sind auch nicht deshalb cool, weil sie studieren, sondern weil sie diesen ganzen Uni-Kontext hinterfragen und sich ihm nicht anpassen. Es sind quasi die Ausnahmen, die die Regel erträglich machen. (Die Messlatte, Menschen cool zu finden, sinkt auch stark. Manche sind nett und angenehm im Umgang, aber fallen in puncto Musikgeschmack oder Aktivismus durch. Aber ich würde auch sagen, in dieser Hinsicht gewachsen zu sein: Nicht nur nach Leuten zu suchen, die genau so sind wie ich, sondern auch Verschiedenheit zu schätzen lernen.)

„Studierendenpartys sind der SHIT!“

Joa, geht so, ne? Unter dem Shit stelle ich mir nicht unbedingt Scheißmusik auf allen vier Floors, aufdringliche Typen und hässliche Locations (ernsthaft, die Mensen sind keine schönen Orte für Partys) vor. (Ich erzählte von den miesen Bad-Taste-Partys.) Nicht einmal betrunken machen diese Feiern Spaß. Und am Ende ärgert eins sich darüber, 4€ Eintritt und den Preis des Sonntagskaters gezahlt zu haben.

„Aber WG-Partys sind legendär!“

40 betrunkene Studierende, die auf 70qm gedrängt Essen auf den Boden schmeißen, halb volle Bierflaschen umstoßen, Toiletten vollkotzen, sich beim gesamten Wohnblock durch Lautstärke unbeliebt machen, im Kreis auf dem Boden sitzen und Wonderwall, Little Talks sowie Here Comes The Sun mit Gitarrenbegleitung eines douchigen Typen singen? Klingt nach einem Traum.
Im besten Fall bringen alle noch ihre aufgedrehten Mitbewohner_innen, die zum ersten Mal in ihrem Leben „so richtig betrunken“ sind, oder ihre nervigen RZB mit, die alle Snacks aufessen. Oder alle versammeln sich um Flur um die zwei knutschenden Heten-Frauen und johlen ihnen zu. (Das war tatsächlich ein Augenblick, an dem ich gern gestorben wäre vor Entsetzen.)

„Es wird dann auch total interessant, Studierende aus anderen Fächern kennenzulernen.“

Interdisziplinäre Kurse mit Studierenden der katholischen Theologie, Lehramt (vor allem Anglistik) und Europäischen Ethnologie machten mir erst klar, wie dankbar ich mit meinen Kommiliton_innen sein sollte. Einzig und allein die Kunstgeschichte gab mir das Gefühl, in meinem eigenen Studiengang von den falschen Menschen umgeben zu sein. (Wobei arrogante Kunst-Hipster nicht so angenehm sind. Aber sie haben wenigstens Geschmack.)

Und am meisten haben mich die Menschen aus der Natur- und Forstwissenschaft fertig gemacht, die auf WG-Partys am Start waren. Ich dachte ja immer, ich sei komisch und awkward, aber ich merkte, dass es da unterschiedliche Arten von komisch und awkward gibt (the tumblr kind* and the stop-talking-to-me-about-Bodenkunde kind).

„Du kannst dich in verschiedenen Projekten engagieren und damit Geld verdienen.“

Zigaretten promoten, Menschen Zeitungsabos oder WWF-Pat_innenschaften andrehen oder an der Unizeitung, die ungefähr von 4 Menschen gelesen wird, mitschreiben: Großartig, für diese Dinge bin ich 800 km durch Deutschland gezogen.

„Auch erfolgstechnisch kann die Uni ein Sprungbrett sein.“

Wenn eins Lust auf akademisches, elitistisches, prätentiöses Gehabe sein Leben lang Lust hat: Bitte sehr. Ich bin da raus.

*wenigstens guter Musikgeschmack, feministisch und ebenfalls abhängig vom Internet

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14 Antworten to “Studium: Erwartungen vs. Realität”

  1. kuttnae 11. Dezember 2013 um 14:36 #

    Studenten sind das geizigste Volk ever. Die Mutter meiner Mitbewohnerin (die ihre Wäsche ins Elternhaus bringt um sie waschen zu lassen und in 2 einhalb Monaten ein phänomenales einziges Mal das Bad geputzt hat) besitzt ein Hotel und eine Klinik und ist genau wie ich (alleinerziehender Arbeiter Vater, der die letzten drei Jahre immer wieder vom Krankengeld leben musste) als „finanzieller Härtefall“ ins Wohnheim gekommen. Ahaha, als ob.
    Und Studentenparties sind wohl kein Spaß für Leute, die in den veranstaltenden Clubs arbeiten, Zitat „Die wollen bei einem Preis von 1,90 das Bier sogar ihre 10 Cent zurück“, Trinkgeld, auf das Leute in dem Arbeitsbereich nun mal angewiesen sind, ist da nicht. Es ist so ernüchternd wenn man feststellen muss, dass man die ganze Schulzeit über darauf hingefiebert hat zu studieren und einem dann so viele negative Sachen passieren.
    Guter Beitrag, ich hab mich genau über das Thema in letzter Zeit immer wieder mit Leuten unterhalten.

    • henghdf 12. Dezember 2013 um 11:26 #

      Das kommt auch noch dazu, ja. 😦 Das zählt für mich auch ein bisschen zur Ignoranz dazu, dieses „wir geben kein Trinkgeld an die, die es nötig haben“. T_T

      Und danke!

  2. porzellanhaus 11. Dezember 2013 um 15:38 #

    Wenn ich das so höre, bin ich ja sehr froh, an meiner Fakultät nur von Designern umgeben zu sein, von denen mindestens 10% so komisch sind wie ich. Auf menschlicher Seite also alles ganz schön hier.
    Über das System dahinter möchte ich aber auch brechen. Dank elterabhängigem BaFöG tatsächlich so richtig schön elternabhängig, in sechs Semestern durchpreschen, wofür jeder normale Mensch mindestens acht bräuchte, um danach wirklich reif fürs Arbeitsleben zu sein und sich für ein siebtes Semester auch noch ständig rechtfertigen müssen. Dafür zahle ich doch gern fast 900€ für nichts (achso, das tolle Busticket – ab 18 Uhr heißt das hier Nachtbus und fährt ab halb 11 nicht mehr, muss ich mehr sagen…).

  3. Lea 11. Dezember 2013 um 15:53 #

    was ich an der uni liebe sind einige fächer und die möglichkeit daraus auszuwählen. die bildung also. Das mag ich auch alleine, ich lese und lerne auch zu hause, aber gratis sprachkurse zu besuchen ist toll.

    Da ich keine Partys mache, keinen Alkohol trinke, introvertiert, dick, bisexuell, aussenseiterisch in vielen anderen Arten, kam ich nie so richtig mit meinen Mitstudenten klar. Irgendwie erwarteten alle immer ich müsste mich anfreunden mit Mitstudierenden, aber wenn ich das schon in der Schule nicht getan habe, wieso dann hier?

    Ich glaube die positivsten Seiten des Unilebens entstehen bei mir durchs Ignorieren der meisten Mitstudenten und dem Abfeiern der Bibliotheken.

  4. ann4bold 11. Dezember 2013 um 17:23 #

    Ich kann deine Gedanken sooo gut nachvollziehen!
    Eine meiner absurdesten „Studenten Parties“ war im Wohnheim der Vauban. Alle (ca 20 oder 30 Dreadlocks-Leute) saßen auf dem Boden und haben gemeinsam aus dem gleichen Topf gegessen, jeder mit einer Gabel. So wie bei Fünfjährigen, es ging ausschließlich darum das Gegenteil von dem zu tun was Mama erlaubt. Es gab ja Tische, Stühle, Geschirr und Besteck, aber das war halt zu spießig. Ich wollte dann gehen.

    Was ich an Hochschulen gelernt habe sind u.a. folgende Dinge:

    – niemand ist erwachsen, aber viele prätenziös und evtl. intrigant
    – Parties nach 30 min wieder zu verlassen mit dem Satz „Sorry ich geh lieber heim, Solitaire spielen!“
    – niemand ist cooler als ich (und das bei durchschnittlicher Coolness und Lässigkeit), besonders die nicht, die es einem weißmachen wollen! Das zu verstehen, hat mich allerdings Jahre gekostet.
    – Nein sagen lernen, Ablehnung zeigen
    – Ich bin ich und ich muss mich dafür nicht rechtfertigen!
    – Freunde braucht man an der Uni nicht zu suchen. Entweder die Leute finden mich, oder eben nicht.

    • henghdf 12. Dezember 2013 um 11:28 #

      Vauban und PH machen mich so fertig, I can’t even.

      Und Recht hast du: Keine Rechtfertigungen an niemanden.

  5. Ms_Winterbottom 11. Dezember 2013 um 19:34 #

    Oh, I feel you so much. Vor allem, was die anderen Menschen betrifft! Ich glaube, was mich am Studium am allermeisten enttäuscht hat, waren meine Kommiliton_innen. Ich hab fast bis zu meiner Bachelorarbeit gebraucht, um genug Menschen genug zu mögen, dass ich mich nicht einsam gefühlt habe. Entweder hatte eins es ja mit ignoranten Lehramtler_innen zu tun, die die Fortsetzung von den doofen oberflächlichen Pferdemädchen und Fußballjungen (entschuldige die klischeehafte Schubladisierung) zu sein schienen, oder mit, naja, besagten Kunst-Hipstern zu tun. Mittlerweile bin ich im Master und ganz froh, es doch so lange ausgehalten zu haben, weil die doofen Menschen aus Karrieregründen irgendwann weg sind und dann die tollen Menschen an der Uni übrig bleiben. Aber das Sitzfleisch dafür muss eins leider erstmal aufbringen :(.

    • henghdf 12. Dezember 2013 um 11:29 #

      Nicht wahr? Aber ich glaube, ich kann die Motivation für einen Master nicht mehr aufbringen, ich mag nicht mehr. ._.

  6. marasocke 11. Dezember 2013 um 20:36 #

    Hm, ich kann vieles nachvollziehen.
    Wir haben zum Glück einen ganz coolen Studiengang „Geoökologie“ – ja auch Bodenkunde (ich hab schallend gelacht!) – und dadurch sind irgendwie einige lässige, relaitv-aktive, tolerante Leute dabei. Und durch 2-Wochenpraktika in der Pampa auch relativ „familiär“.
    Und trotzdem gibt es diese Sachen die du sagt.
    Ich dachte immer, an der Uni wären alle an Bildung interessiert. Und nichtmehr wie in der Schule, wos nur noch ums durchkommen geht. Und jetzt gibts da wieder Leute, die nur durchkommen wollen & fade Vorträge halten. Das nervt mich wirklich.

    Und trotzdem ist es nicht immer so schlimm…

    • henghdf 12. Dezember 2013 um 11:31 #

      Es gibt ja genug Leute, die eigentlich gar nicht studieren wollen, aber es machen, weil sie müssen (wegen Familie, wegen Jobwunsch, weil die Gesellschaft es vorschreibt) und da ist es ja nur logisch, dass es auch Durchkomm-Leute gibt. Und das ist scheiße für die, die wirklich interessiert sind und vorbereitet zum Seminar kommen – für nichts.

      • marasocke 12. Dezember 2013 um 11:53 #

        Ja, genau das fuckt mich so so so sehr ab.

  7. P4ndora 11. Dezember 2013 um 22:37 #

    Ach, mich haben eher ganz andere Dinge gestört. Als ich angefangen habe, ist der Studiengang gerade erst auf den Bachelor umgestellt worden, was praktisch bedeutete, dass einfach die bereits bestehenden Magisterangebote in unzusammenhängende Scheinmodule gesteckt und die gleichen (in einem Fall exakt gleiche) Klausuren gestellt wurden. Durch die Credit-Points haben die meisten ausschließlich taktisch für „wichtige“ Veranstaltungen gelernt und bei 2 P Teilnahmenachweisen halt nichts gemacht. Besonders schlimm waren hier die Studierenden des Lehramts: bis zum vierten Semester wurde von der Mehrheit nicht nur nicht mitgearbeitet, sondern teils Veranstaltungen zugrunde gegrölt. Mein Zweitfach war leider eine Sprachwissenschaft und ich habe mich nicht nur einmal angesichts von Textzusammenfassungs-Wikipedia-Referaten in Grund und Boden geschämt. Genauso geschämt habe ich mich, als ein Kommilitone aus den ingenieurswissenschaften sich in unserer Statistikvorlesung fast kringelig gelacht hat, weil das Anspruchsniveau derart unterirdisch war (das habe sogar ich Matheniete gemerkt). Dagegen hatte man in meinem anderen Fach sämtliche Vorurteile der Außenwelt so gut internalisiert, dass andauernd jeder erzählte, wo er denn demnächst das wichtig, berufsrelevante Praktikum macht und wie „öde“ doch die ganzen Texte sind. Zugegebe – wahrscheinlich passe ich auch in die ein oder andere nicht besonders schmeichelhafte Schublade. Was prätentiösen Elitismus angeht: also da habe ich in Subkulturen wesentlich Nervigeres erlebt (Stichwort: Visual Kei – meine Erfahrungen sind nicht repräsentativ aber OH GOTT waren die Leute dort affektiert und stereotyp).

    Aber mein Fach, das habe ich geliebt. Eine echte Seminardiskussion – ganz egal ob nur der/die DozentIn, man selbst und nur zwei andere mitmachten – war immer lehrreich und ich war unendlich froh, später selbst am Lehrstuhl im Forschungsprozeß eingebunden zu sein.

    Auch finanziell hatte ich das „Glück“, dass meine Eltern tatsächlich auch auf dem Papier arm waren und mein Bafögsatz plus Kindergeld plus zwei kleine Nebenjobs zum Leben mehr als ausreichte. Viele meiner KommilitonInnen sind dagegen ausschließlich von ihren Eltern unterstützt worden und ich empfand das nicht als unselbstständig, sondern als Startvorteil. Unbezahlte Praktika waren für die kein Problem und die meisten hatten später auch einen Nebenjob, aber sie konnten es sich leisten, auf bessere Stellen (Werkstudenten; Hiwis) zu warten, während ich bis dahin Treppenhäuser putzte. Ok, dieses Privileg zu leugnen, fand ich auch ärgerlich.

    zu sehr in Lobeshymnen stimmen möchte ich dann aber doch nicht: bei mir endet das ganze unmittelbar vor der Abschlußarbeit mit Hörsturz, dann Nervenzusammenbruch und angststörungbedingtem Studienabbruch. Schuld waren daran aber bestimmt nicht die schlechten WG-Parties ;).

  8. Lea 12. Dezember 2013 um 01:45 #

    Was ich noch vergessen hatte: Kranksein & Uni. Man oh man. Es war so krass wie viel zeit & energie ich darein stecken musste auf mein recht zu pochen wenn ich nicht in kurse konnte weil ich im krankenhaus war. Zum arzt, „chronisch krank“ schreiben geholt, zu dem einen amt, zum anderen amt, und im endeffekt ist es doch immer der gute wille der Dozentinnen der beschlisst ob es klappt oder nicht. normalerweise war es ja nicht so schlimm kurse zu verpassen, aber als ich ne Matheprüfung hatte und davor so viel stoff verpasst habe, war es so schwer nicht einfach aufzugeben und zu denken, dass ich selbst schuld bin, weil ich krank bin…

    • henghdf 12. Dezember 2013 um 11:32 #

      Das Unisystem an sich ist ja auch noch ein dickes Thema für sich. Damit könnten wir alle wohl Bücher füllen…

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