Hä, Blackface ist voll nicht rassistisch???!!!?

15 Dez

[TW: Zitate aus rassistischem Artikel]

Obwohl 2013 selbst in den deutschsprachigen Massenmedien über Rassismus gesprochen wurde – mehrmals und betreffend unterschiedlicher Aspekte -, dachte sich das ZDF am Samstag: Why not Blackfacing? Ihr persönliches Fazit aus den Diskussionen ging wohl in Richtung „Joa, mir egal, was diese ganzen PoC hier schreiben, ich bestimme immer noch selbst, was rassistisch ist oder nicht.“

Mit genau dieser Attitüde setzte sich der Stern-Redakteur Daniel Bakir an die Tasten. Die Rassismusvorwürfe an das ZDF hält er nämlich für Quatsch. Wir haben natürlich alle drauf gewartet, dass ein weißer Journalist zum Thema einen Kommentar schreibt. Und er fiel haargenau so aus, wie ich ihn mir ausgemalt habe. So richtig schön geblendet von White Privilege. Könnte ein Sonntagabend ein schönes Ende nehmen? Ich denke nicht. Hier ein paar seiner Statements mit ein paar GIFs und persönlichen Anmerkungen.

„Jim Knopf muss natürlich schwarz sein, mit Schuhcreme, Kohle, was auch immer“, forderte Lanz. Irgendwie logisch, wie soll man Jim Knopf sonst erkennen?

pissedboy

Echt mal, wie soll eins erkennen, dass Jim Knopf sein soll, wenn nicht an schwarzer Haut? Mit rotem Pulli und neben einem Lokführer könnte das doch jeder Hans und Franz sein. Woher sollen wir denn wissen, dass es nicht zum Beispiel Ariel die Meerjungfrau ist? Eben.

…und warfen Lanz vor, die Leute zum „Blackfacing“ anzustiften.

Das war kein Vorwurf. Das ist eine Tatsache. Er zitierte Lanz doch selbst. (Siehe vorheriges Zitat.)

Sind die 100 Augsburger, die als Lukas und Jim verkleidet, auf die Bühne kamen alle Rassisten?

tumblr_lha4w5mHMN1qd1jel
Mag jetzt etwas hart klingen, aber: ja. Wer rassistische Dinge (und Blackfacing ist immer rassistisch, egal, ob es „nicht so gemeint“ ist) tut, ist rassistisch. Insbesondere dann, wenn es weder Eingeständnis, noch Entschuldigungsversuche gibt.

Wenn das so ist, dann bin ich auch einer. Ich habe mich zwar noch nie als Schwarzer verkleidet, aber dafür als Mexikaner und Chinese, als Cowboy und Indianer.

Joa. Homeboy sagt es schon selbst.

Was daran liegt, dass ich aus Köln komme und seit vielen Jahren Karneval feiere.

thefuck

Und fragen Sie mal im Rheinland rum, ob Verkleiden rassistisch sein kann. Da versteht man die Frage schon nicht.

hahahano

Oh, tut mir Leid, Ignoranz ist immer eine Entschuldigung dafür, dass eins eigentlich ein Gutmensch ist.

Verkleiden bedeutet dort, dass man jemand darstellt, der man nicht ist, mit dem Ziel, dass alle in einem fröhlich-bunten Durcheinander viel Spaß miteinander haben.

Danke für die Erklärung, ich dachte immer, Verkleiden bedeutet, sich genau wie jeden Tag anzuziehen und schlechte Laune zu verbreiten. Wieder was dazugelernt.

Es verkleiden sich übrigens zur allgemeinen Belustigung auch immer mal wieder Männer als Frauen und umgekehrt, ohne dass sich das eine oder andere Geschlecht diskriminiert fühlt.

lolcage

Ich jedenfalls habe bisher noch mit keiner meiner Verkleidungen eine Rassismus-Debatte ausgelöst. Was möglicherweise daran liegt, dass ich nicht im Fernsehen auftrete, wo mich Tausende Shitstormbereite Twitterer sehen können.

comeonemily

Wahrscheinlich aber auch daran, dass ich nichts gegen Mexikaner und Chinesen habe und mit meiner Verkleidung niemand verunglimpfe, sondern die bunte Vielfalt feiere.

bitchplease

Es ist übrigens eher unüblich, sich als jemand zu verkleiden, den man Scheiße findet.

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Über die Jim-Knopf-Verkleidung regt sich offensichtlich aber nur eine kleine Minderheit auf. 80 Prozent derstern.de-Nutzer halten die Kritik, die Stadtwette sei rassistisch gewesen, für überzogen. Ich auch.

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14 Antworten to “Hä, Blackface ist voll nicht rassistisch???!!!?”

  1. clarityandchaos 16. Dezember 2013 um 08:19 #

    Ich denke, gerade zum letzten Zitat passt ein Kommentar von Jon Stewart/The Daily Show, zu Megyn Kelly: „I think that’s the official slogan of oppression. Oppression: Just because it makes you feel uncomfortable, doesn’t mean it has to change.” (http://clarityandchaos.net/post/69963987631/i-think-thats-the-official-slogan-of-oppression)

  2. Gordon 16. Dezember 2013 um 10:42 #

    Wie krank muss man eigentlich sein um so einen Hass gegen jeden und alles aufzubauen wie du und deine Bundesgenossen? Wenn ihr nur negatives in eurem Lebensumfeld seht, warum beendet ihr dann nicht euer Dasein. Da nichts und Niemand verloren geht besteht doch die Chance in einer besseren Welt wiedergeboren zu werden.

    • clarityandchaos 16. Dezember 2013 um 14:31 #

      Nah, wir kämpfen lieber für eine Besserung dieser Welt.

  3. Wahn 16. Dezember 2013 um 19:06 #

    Ich hätte nicht erwartet, dass du Gifs von Prince of Bel Air etc postest. Bei den ganzen Klischeewitzen über schwarze.. Gilt gleichsam für Jersey Shore. Inkonsequenz?

    • arschloch 16. Dezember 2013 um 19:58 #

      Alter! Du hast Sie wohl in deine Kategorie Gutmensch eingespeichert und nimmst deswegen an das sie nur 100% fairtrade bio sachen isst und jeden anschreit der man statt mensch sagt.

      • bubu 17. Dezember 2013 um 19:12 #

        yeah internet, lass es raus!

      • Wahn 18. Dezember 2013 um 12:19 #

        Nach dem was es hier so zu lesen gibt: ja. Auch ihre Außenwirklung auf Twitter lassen für michnur diesen Schluss zu. Ich denke nicht, dass sie sich so darstellt, als würde sie Witze mit bezug auf die Hautfarbe o.ä. witzig finden.

        Aber wundert mich sowieso, dass mein Kommentar hier freigegeben wurde. Allzuoft wird ja nur geblockt oder nicht veröffentlicht, was nicht 110% Zustimmung beinhaltet.

        Also dann Arschloch, schönen Tag noch 🙂

  4. Brikkoli (@krokodilgemuese) 18. Dezember 2013 um 00:29 #

    @Gordon: Die Welt so Arschlöchern wie dir überlassen? Nee.

    @arschloch und auch Heng: Mit dem Wort „Gutmensch“ wäre ich vorsichtig. Das wird in den allermeisten Fällen von rassistischen/ rechtsradikalen Neonazi-Arschlöchern verwendet. Und auch Erika Steinbach (die teils auf die zuvor genannten sympathischen Gruppierungen passt). Kontext ist meist sowas wie „Wie, du meinst, wir sollen alle Afrikaner (sic!) nach Europa lassen? Die beuten doch nur unser Sozialsystem aus, du Gutmensch!“. Das heißt man beschimpft jemanden als Gutmensch, weil er/sie aus Rassisten-Sicht „utopische“ oder blöde Ziele hat (keine Diskriminierung, Entschädigung von NS-Opfern, o.ä.). Eine gewisse unpolitische Band aus Südtirol benutzt das Wort gerne für Menschen, die sie als Rassisten bezeichnen.
    Ich hab schon öfters Leute darauf hingewiesen, woher das Wort kommt, die es dann nicht mehr benutzen wollten. Darum erwähne ich es hier.
    Wenn du mit Gutmensch sowas meinst wie strickende Mit-40er_innen, die ab und zu fair trade Kaffee kaufen und denen die „afrikanischen Kinder“ so leid tun, die dennoch kein Problem mit dem N-Wort haben usw., dann würde ich in dem Fall eher „bigott“ oder heuchlerisch sagen.

    • Gordon 18. Dezember 2013 um 03:23 #

      Cool, Menschen mit eigener/anderer Ansicht als „Arschloch“ zu betiteln ist ein weiteres Zeichen der eigenen Lebensunfähigkeit.

      • Brikkoli (@krokodilgemuese) 19. Dezember 2013 um 00:26 #

        Nein, lieber Gordon. Arschloch hab ich dich genannt, weil du einem Menschen „rätst“, sich umzubringen. Das ist eigentlich noch viel perfider als simple Morddrohungen, weil du ihr nahebringen willst, dass sie doch selbst (!) einsehen sollte, wie scheiße sie ist. Das ist unter aller Sau. Da könntest du ansonsten auch der größte (linke, schwule, im Rollstuhl sitzende PoC-) „Gutmensch“ sein, ich würde dich dennoch dafür Arschloch nennen.
        Bitte, gern geschehen.

  5. Mesotes 18. Dezember 2013 um 02:52 #

    HaHa… der letzte Satz ist echt gut. Nur eine Minderheit regt sich auf. Irgendwie auch wie im Büro: 9 von 10 Kollegen haben nichts gegen Mobbing und finden das völlig OK. Und bestimmt finden die auch dass das kein Rassismus war. Also die Mehrheit hat ja schon immer Recht gehabt. ACHTUNG IRONIE!

  6. Anke 20. Dezember 2013 um 19:37 #

    Nur weil irgendjemand Rassismus behauptet, muss das noch lange nicht rassistisch sein. So macht man sich doch unglaubwürdig, wenn das nicht begründet wird.

    • Kat 13. April 2014 um 22:33 #

      Nein, Du zeigst nur, dass Du Dich noch nicht mit dem Thema beschaeftigt hast. Es ist traurig, dass die Begruendung notwendig ist. Das sollte KLAR sein.

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  1. Rassismus? Ja. Jeden Tag. Überall. | Frau Dingens - 16. Dezember 2013

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