Let in some dyke-y vibes, they said. There will be no drama, they said.

13 Jan

Ich erinnere mich noch an die Tage als naive, heterosexuelle Jugendliche, an denen meine Freundinnen und ich von Typen frustriert schworen, lieber lesbisch zu werden. Erstens, weil alle Typen Arschlöcher waren. Zweitens, weil heterosexuelle Beziehungen_Crushes viele Komplikationen und Drama mit sich brachten.

Eins soll bekanntlich drüber nachdenken, was eins sich wünscht. (Zum Beispiel ich nach dem Abi so: ICH WILL UNBEDINGT NACH FREIBURG ZIEHEN. Well, here I am.) Tatsächlich merkte ich, dass es keinen Sinn ergibt, sich in die heterosexuelle Matrix hineinzuzwängen, wenn eins einfach nicht hineinpasst. (Wie diese Kleider, die grundsätzlich drei Größen zu klein sind und weder über die Brüste, noch über den Hintern gezogen werden können. We tried. We failed. But we will sure try again.)
Wie so oft im Leben wurde ich eines Besseren belehrt. Arschlochness ist an kein Geschlecht gebunden, Drama an kein Begehren. Meistens sind Menschen das Problem. (Fast immer sind sie es.)

Wenn heute jemand sagt, dass alle Typen scheiße sind und sie deshalb lesbisch werden möchten, lache ich mir in die Faust und denke „lol, have fun then“. Nicht, weil ich ihnen das Gefühl, anderen Frauen* näher zu kommen enthalten will, denn das möchte ich auf gar keinen Fall. Wäre gelogen zu behaupten, dass es nicht superawesomeomgsomuchglittermäßig ist. Es ist nur so, dass lesbische Beziehungen nicht unbedingt ein Safe Space sind, wenn es um gebrochene Herzen geht (und gebrochene Schallplatten der Band, auf dessen Konzert eins sich getroffen hat, tbh).

Konflikte können schon an dem Punkt anfangen, in dem es dazu geht, das Begehren nach Außen zu tragen. Nach „Blue is the warmest color“ haben das vermutlich auch die letzten Heten eingesehen. Es könnte zum Beispiel so sein, dass eine Person offen lesbisch ist und die andere nicht. Letztere möchte es auch gern so beibehalten, aus verschiedenen Gründen. Allein hier entsteht so viel Drama.

Drunk Drama gibt es auch zu genüge. Geh mal auf eine Dyke-Party und sieh zu, wie nach und nach immer wieder Frauen* mit Robyn-Frisur unter Tränen vor die Tür gehen und eine, vielleicht zwei Zigaretten rauchen. All die Eifersuchts-Vibes, die durch den Raum schweben, sobald der Remix eines Tegan and Sara Songs gespielt wird. Dass es der Song von deiner Ex und dir war, hindert sich nicht daran, vor deinen Augen mit der Ex deiner besten Freundin rumzumachen.

Deine Ex mit der Ex von…? Ja, das Netzwerk ist dicht verstrickt. Sogenannter Peer-Group-Inszest wurde nicht von Serienautor_innen erfunden, this struggle is real. Ein hoher Anteil des Dramas in Skins mag inszeniert und übertrieben dargestellt werden, die Naomily-Sache war (bis auf deren ersten Sex, let’s be frank here) aber schon realistisch. Der Pool an Frauen*, die an anderen Frauen* interessiert sind, ist schon klein genug. Dann musst du auch noch sieben, vielleicht, weil du nicht so auf G-Star-Hosen, Fedoras, karierte Westen oder weiße Chucks stehst. Oder Fußball. Vielleicht auch, weil du dir finanziell und emotional keine Fernbeziehung über 800 km leisten kannst. Du möchtest vielleicht eine Frau* in deinem Leben haben, die sowohl sapphic, als auch sophisticated, kurz sapphisticated, ist. Die Gründe mögen variieren, fest steht aber, dass jede Lesbe, die du irgendwann mal gedatet hast, über maximal vier Ecken mit einer Bekannten*_Freundin* von dir hatte. Oder auch: „Mensch, so cool, weil du mit X geschlafen hast, hab ich über zwei Ecken mit Y geschlafen. <3“ #CrushingHard

Crushes können viel Drama erzeugen. Besonders dann, wenn sie betrunken einander eingestanden werden. Wo wir wieder auf der Dyke-Party wären. In diesem Fall kann ich aus Erfahrung empfehlen, nicht zur_zum DJ zu gehen und sich „Dancing on my own“ zu wünschen. Der Song baut grundsätzlich viel Spannung auf. Kann auch passieren, dass dieses Mädchen*, welches du seit drei Stunden abweist, dich bei der Zeile „I’m right over here, why can’t you see me“ eindringlich anstarrt und seine Hand hebt. Muss nicht vorkommen, aber kann.

Fakt ist, dass Drama und Herzschmerz kein Produkt der Heterosexualität ist, sondern zum Beispiel mit Monogamie zusammenhängt. Ich weiß gar nicht, wie viele Beziehungsdramen in meinem Umfeld durch Polygamie hätten verpuffen können. Was außerdem dazu führt, dass du eine Woche lang weinend, SoKo-hörend und Soja-Eis löffelnd im Bett liegst, ist dieser gewisse Hang von Menschen, andere wie ein-lagiges Klopapier zu behandeln. Sie haben Zugriff auf deine Fragilität? Watch yourself break like a cracker.

Um weniger Drama in deiner Beziehung zu haben, musst du nicht Homosexualität fetischisieren, sondern eher darauf achten, mit der anderen Person Probleme rechtzeitig zu kommunizieren, gesellschaftlich vorgegebene Beziehungskonventionen zu hinterfragen und ggf. durchzubrechen oder missbräuchliche Machtstrukturen frühzeitig zu erkennen und dir Hilfe zu suchen. Dir vor Augen halten, dass RZB nicht für immer halten, sondern irgendwann ein Ende nehmen (ja, auch dann, wenn euer erster Kuss zu „Nineteen“ stattgefunden hat), kann auch helfen.
Oder du meidest Menschen grundsätzlich. No drama, no nothing. Only you and your cat. ❤

Nachtrag: Ach ja, Polyamory ist auch kein Safe Space vor Drama. Und das Outing. Die Liste geht endlos weiter.

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Eine Antwort to “Let in some dyke-y vibes, they said. There will be no drama, they said.”

  1. Renée 13. Januar 2014 um 23:12 #

    … und ich dachte immer „lesbian drama“ wäre schon ein geflügeltes Wort… Vielleicht aber auch nur für Leute, die schon „drinn“ sind. 😉
    …. und nein, auch poly schützt vor Drama nicht! Gar nicht!

    Alles auf jeden Fall sehr wahr!
    (Abgesehen, dass meine Motive lesbisch/queer zu werden glaub ich nichts mit weniger Drama zu tun hatten, aber naja….)

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