Smash the norm

18 Mrz

[TW: Essstörungen]

Vor knapp einem Jahr erzählte ich schon mal ausführlich über Body-Image-Issues, die ich jahrelang hatte (TW: Essstörung, normreproduzierende Begriffe, Gewichtszahlen).

Obwohl auf meiner Twitter-Timeline die Parole „Riots not diets!“ gerade kritisiert wird – mit Recht -, ist diese einer meiner liebsten unter allen bekannten feministischen Catchphrases. Zum ersten Mal nahm ich diesen Satz bewusst war, als ich im September 2012 auf der enter_the_gap-Demo in Hamburg war. Auf Redebeiträgen und Flyern hatte ich schon viel Input über Bodyismus bekommen, der Höhepunkt war aber richtig fabulös.

Mit zwei Freundinnen lief ich im Demozug durch das wunderschöne Gängeviertel, die Sonne machte den Tag richtig angenehm und es war sowieso eine meiner ersten queer_feministischen Aktionen außerhalb des Netzes. Auf dem Dach eines Gebäudes ließen Menschen mit Pussy-Riot-Kopfbedeckung Konfetti herunter und sprachen ihre Solidarität mit den unterschiedlichen Blocks aus. Die Diversität war schließlich groß, auf Flyern wurden Schwerpunkte wie Sexwork, anti-rassistischer Feminismus, Trans*, Nicht-Binärität, Intersex und Essstörungen thematisiert, die Mühe um eine möglichst hohe Inklusion war groß.

003_4

Aus einem Fenster wehte dieses Transparent mit der Aufschrift riots not diets – smash the norm, es war mal wieder so ein Zeitpunkt in meinem Leben, an dem ich meinen Körper gewaltvoll der Norm anpassen wollte, und dieser Augenblick war für mich extrem empowernd. Zum ersten Mal hatte ich wirklich das Gefühl, dass ich die Kraft, die ich ins Dieting investierte, auch einfach für den Ausdruck meiner [politischen] Wut verwenden könnte. Oder für andere Dinge, die mir gut tun. Durch Kleidergröße 36 würde ich dem System alles andere als den Mittelfinger zeigen, dabei war mir doch genau danach. Dieser Moment machte mir Mut, die Norm als schmerzhaft und unterdrückend zu erkennen und ihr nicht mehr entsprechen zu wollen. Mut für Subversion. Mut für: Mein Körper ist fett, ich habe keine Lust mehr, mich klein und unsichtbar zu machen, gewöhnt euch einfach an meine Speckrollen, ich schulde euch keinen flachen Bauch! Und Mut für: Ja, ich werde jetzt noch einen zweiten Teller vom Büffet nehmen, ich bin nämlich immer noch hungrig und es schmeckt köstlich und ich habe kein Problem damit, gefräßig rüberzukommen. Zumindest mehr Mut als ich je gehabt habe.

004_5

Advertisements

5 Antworten to “Smash the norm”

  1. Hannelore 22. März 2014 um 11:11 #

    „ich habe kein Problem damit, gefräßig rüberzukommen.“

    Dann brauchst dich doch gar nicht aufzuregen. Wenn du kein Problem hast.

  2. Lili 23. März 2014 um 21:25 #

    Das war wirklich ein schöner Post und es freut mich, dass du dich wieder (halbwegs?) wohlfühlen kannst. Das ist nämlich das allerwichtigste und eigentlich auch schönste. Überhaupt, den Spruch „riots not diets!“ finde ich toll – ich glaube, den häng ich mir an die Wand.
    Hoffentlich kommt das jetzt nicht so wie eigennützige Werbung rüber, aber beim Durchlesen habe ich mir gedacht, dich könnte mein Gefasel eventuell auch interessieren: http://persoenlicherevolution.blogspot.co.at/ – ich schreibe da nämlich über Essstörung und so.
    Also ich bastel mir jetzt wirklich ein Schild mit dem Spruch! 🙂
    Alles Liebe,
    Lili

    • henghdf 23. März 2014 um 22:09 #

      Danke, liebe Lili. Ich werde, wenn das Trigger-Potenzial für mich mal nicht so hoch ist, gerne mal lesen, was du geschrieben hast. 🙂
      xx

Trackbacks/Pingbacks

  1. Mädchenmannschaft » Blog Archive » Leben in der Opposition, Leseperspektiven und Fettpositives – Die Blogschau - 22. März 2014

    […] aus und auf ihrem eigenen Blog tea-riffic schrieb sie zum einen über das Empowerment-Potential der Losung “Riots not Diets!” und zum anderen über aktuelle alltägliche fatshaming […]

  2. Steinigung, Oranienplatz & #Aufkotz « Reality Rags - 24. März 2014

    […] „Riot, don‘t diet!“ Und wie empowernd das sein […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: