Not your body, not your business

20 Mrz

Die Wärme kündigt sich dieses Jahr so früh an, dass am heutigen Frühlingsanfang die Sonne bei 20°C über Wien scheint. Es ist Zeit, die Sonnenbrillen raus- und die dicken Wintersachen wegzupacken. Für mich war es eine schöne Gelegenheit, den eisblauen Einteiler, den ich neulich auf dem Flohmarkt erstanden habe, anzuziehen. Es ist eines meiner wenigen Kleidungsstücke, die einen tiefen Rückenausschnitt haben und in denen ich mein Tattoo auf dem Schulterblatt sichtbar Spazieren tragen kann.

Was mich ein bisschen verunsichert, ist, dass der Ausschnitt auch vorne nicht sehr eng ist und meine Brüste betont werden. Generell betont der Onezie jeden Zentimeter meines Körpers. Aber er ist schön. Und ich hab es satt, mir als dicke Frau anhören zu müssen, dass ich mein Fett kaschieren soll.

In der Stadt merkte ich, wie schnell jegliche Konventionen der Höflichkeit bei Menschen gebrochen werden, wenn es um Kackscheisze geht. Unangenehme Blicke verschiedener Art – seien es eklig-anzügliche oder abschätzig-degradierende – blieben an mir hängen. Hätte ich eine Stempelkarte für negative Aufmerksamkeit mit einem Stempel pro Blick gehabt, hätte ich sie heute vollbekommen und mir eine Gratis-Kugel Eis holen können. Hätte!

Personen gingen so weit, dass sie „unauffällig“ Fotos mit dem Handy machten (sie brauchen gar nicht so zu tun, als würden sie versuchen, den Boden oder das Nichts im Hintergrund ablichten zu wollen). Ein Typ flüsterte mir im Vorbeigehen irgendwas Nicht-Identifizierbares, aber definitiv Gruseliges zu. Mir wurde das Gefühl gegeben, mein Körper sei obszön, einerseits, weil er dick ist, andererseits, weil ich einen tiefen Ausschnitt hatte. An solchen Tagen steigt meine Aversion um drei Level.

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18 Antworten to “Not your body, not your business”

  1. Wahn 21. März 2014 um 11:24 #

    Und wenn es um sog. #Breitmachmacker geht, die einfach nur gemütlic in Bus und Bahn sitzen ist es vermutlich absolut okay, diese zu fotografieren und ins Netz zu stellen?

    Mal ab davon: schonmal darüber nachgedacht dich wirklich zu empowern, also einfach mal nen scheiß darauf zu geben, was andere denken? Wer durch die Stadt läuft und schon auf die komischen Blicke wartet und danach sucht, wird immer welche finden und dem ist es auch nicht egal.

    Irgendwo habe ich mal nen Text gelesen wo ein Tag aus 2 verschiedenen Perspektiven und Einstellungen gelesen habe. Eine Perspektive sucht überall nur das schlechte und die andere geht ohne alles auf die Goldwaage zu legen durch die Welt. Da ist meiner Meinung nach sehr was dran.

    Ich kann dir nur empfehlen, erstmal mit die selbst anzufangen und dann zu schaun, ob man an der Gesellschaft nicht was verbessern kann. Denn das eine lässt sich leicht machen, das andere nicht. Und wenn du selbst erstmal mit einer anderen Einstellung durch die Welt gehst, dann hast du auch den Kopf frei dich für die wichtigen Sachen einzusetzen.

    Aber zu versuchen jeden dazu zu bringen, dass er dicke voll okay findet, ist ein Kampf gegen Windmühlen, oder in Zeiten der Energiewende auch gern gegen Windräder 😉

  2. lightsneeze 21. März 2014 um 21:37 #

    @ wahn

    1.breitmachmacker haben jetzt nochmal genau was mit diesem text zu tun?
    2. selbst wenn der vergleich inhaltlich etwas beitragen könnte – es ist ein unterschied, ob ein verhalten (i.e., das, was leute TUN) dokumentiert + dabei personen anonym abgebildet werden (ich sehe nie gesichter auf diesen fotos), oder ob fotos dazu dienen, eine unterdrückung fortzuführen (körper, insbesondere dicker, weiblich gelesener menschen herabzusetzen). und nein, raumeinnehmende typen werden in dieser gesellschaft nicht von der mehrheit unterdrückt.
    3.“schon mal drüber nachgedacht“ ist ein herablassender duktus, selbst wenn es freundlich gemeint ist.
    4.es nicht so schwer nehmen/positiv durch die welt gehn ist eine forderung, die den fokus von dem, was in dieser welt schief läuft, verschiebt hin zu den betroffenen, die sich anders verhalten sollen, um bloß niemanden mit ihrer betroffenheit auf die nerven zu gehen. sie zu ignorieren wird mit sicherheit nicht zur abschaffung solcher missstände führen.du bist hier in die klassische falle geraten, das benennen von beschissenen mechanismen negativer zu gewichten als die mechansimen selbst.
    5.du kannst dies entweder als kritik annehmen und „mal drüber nachdenken“, was solche kommentare wie der deine zementieren. oder aber du beharrst auf deiner ansicht – dann setze sie doch bitte konsequent um und nimm das internet mal ein bisschen positiver, anstatt dich an blogposts wie diesem zu stören.

  3. Wahn 22. März 2014 um 07:42 #

    1. Es gab im Text einen Abschnitt, wo moniert wird, dass angeblich Fotos gemacht wurden. Ob dies wirklich geschehen ist, oder nur so aufgefasst wurde, weil Heng sowieso mit einer solchen Einstellung durch die Welt geht, ist noch offen.

    2. (Nur kurz weil es nen anderes Thema is) Die meisten Kerle die ich kenne sind nichtmal in der Lage ihre Beine zu überkreuzen. Das sind alles gelenkige Heinis die froh sind wenn sie im beugen ihre Knie anfassen können. Wenn die also mit beiden Füßen aufm Boden und breiten Beinen irgendwo sitzen, dann weil sie einfach nichts bewusst tun. Setz du mal die Füße aufn Boden und lass die Muskeln locker. Bei mit gehen die Beine sofort auseinander. Es handelt sich also nicht um eine besondere Tätigkeit.

    Und sobald Heng Fotos von sich an dem Tag im Internet sieht (mit oder ohne Gesicht), bin ich ganz bei ihr, das ist nicht in Ordnung und sollte mit allen rechtlichen Mitteln unterbunden werden.

    3.Fang doch nicht an mir zu sagen, wie was gemeint ist. Es ist nicht herablassend. Wenn dann eher kann man es Rhetorisch verstehen, weil ich eben glaube, dass sie es noch nich gemacht hat.

    4. Das nennen von beschissenem Zeug sehe ich nicht negativ, aber was ich sehe ist der Kampf gegen Windmühlen. Zumal dieser Kampf gegen Windmühlen auch noch irgendwo geführt wird, wo keine Windmühlen sind. Viele dieser Blogs und Menschen, die sich gegen -Ismen jeder Art engagieren machen den Fehler dies nur innerhalb ihrer Gruppe gleichdenkender zu tun und nicht dort wo man den Kampf austragen müsste => In der Gesellschaft selbst.

    5. Äpfel und Birnen. Ich mache hier keinen Kampf gegen Windmühlen oder versuche ne Komplette Gesellschaft zu ändern. Ich nehme hier direkt Bezug auf Heng und spreche sie auch an. Wenn Sie auf die Heinis zugegangen wäre die angeblich Fotos gemacht haben und diese gestellt hätte, würde ich ganz bei ihr sein. Aber die Leute machen es sich zu einfach, stellen sich in eine Opferrolle der Gesamtgesellschaft und das hat nichts mit Empowerment zu zu, von dem man so viel ließt.

    PS: Abschließend kann ich dazu nur sagen, dass ich zumindest insofern auf sie neidisch bin, dass sie offenbar sonst keine weltlichen Probleme hat. Viele Leute die ich kenne sind mit einfachem über die Runden kommen mehr als genug versorgt. Und wie sagt man so schön: Wie gut es dir geht, sieht man daran worüber du dich beklagst.

    • halfjill 22. März 2014 um 12:48 #

      „Viele dieser Blogs und Menschen, die sich gegen -Ismen jeder Art engagieren machen den Fehler dies nur innerhalb ihrer Gruppe gleichdenkender zu tun und nicht dort wo man den Kampf austragen müsste => In der Gesellschaft selbst.“

      Ah ja, einerseits beschweren sich die Leute ™ nur in ihren Gruppen, andererseits soll Heng aber doch mal bitte positiv durch die Welt (aka Gesellschaft?) gehen und nicht überall Diskriminierungen wittern? Sehr logisch alles. Aber prinzipiell hat ja lightsneeze schon alles wichtige erklärbärt, nur scheint es hier an dieser Stelle nicht so viel zu bringen, drum nutze ich meine Energie für anderes:

      Danke liebe Heng für das Schreiben und Veröffentlichen dieses Beitrags, in welches Klima hinein das geschieht, sieht eine ja leider auch sehr eindrucksvoll hier in den Kommentaren.

      • Wahn 23. März 2014 um 09:21 #

        Ich habe einerseits gesagt, sie soll ausm Filter raus, wenn sie was bewegen will, aber auch, dass es deutlich sinnvoller ist sich um Themen zu kümmern, die keinen Kampf gegen Windmühlen darstellen und möglicherweise auch ein reales Problem sind.

        Solche Schreckgespenster wie Patriarchat, Lookism, Ageism oder was weiß ich was morgen neues erfunden wird halte ich für Ideologien. Wieso wird nichtmal echter Rassismus oder echter Sexismus bekämpft? Stattdessen geht es gegen Leute mit Schuhcreme im Gesicht, oder unkonventionell ehrliche Kontaktanzeigen an einem schwarzen Brett der Uni.

  4. FRAU_MAU 22. März 2014 um 11:08 #

    Wenn ich mich auffallend und unpassend kleide, glotzen die Leute auch. Also lass ich’s.

    • Trippmadam 22. März 2014 um 18:12 #

      Das ist schön, Frau Mau, dass Sie sich so nach den Wünschen Ihrer Mitmenschen richten. Unsere liebe Heng hier (deren Blog ich übrigens sehr gerne lese), möchte aber vielleicht mit ihrer Kleidung ihr individuelles Wesen ausdrücken und unterstreichen, und das ist ihr gutes Recht.So altmodische Dinge wie Höflichkeit und Toleranz stünden in diesem Zusammenhang dem einen oder anderen Mitmenschen gut zu Gesicht.

      Erfahrungsgemäß werden Menschen, die wegen ihrer Figur, ihres Alters oder sonstiger äußerer Merkmale nicht ins gängige Attraktivitätsschema passen, strenger beurteilt als z.B. eine junge Frau mit Modelfigur. Das ist dumm und ungerecht, denn niemand kann etwas für sein Aussehen. (Nein, über Dicke will ich jetzt nichts hören, auch Dicksein hängt anscheinend vom Zusammenspiel mehrerer Faktoren ab, die wir nicht unbedingt alle beeinflussen können.)

      • FRAU_MAU 22. März 2014 um 19:09 #

        Trippmadam, Kleidung ist Kommunikation. Ganz sicher wollte unsere liebe Heng etwas über sich ausdrücken. Allerdings haben einige ihrer Mitmenschen diese Botschaft wohl falsch verstanden. Das kann daran liegen, dass diese Mitmenschen einfach dumm sind oder unhöflich. Oder die Botschaft war ungünstig verpackt und nicht verständlich kommuniziert.

        Niemand kann etwa für sein Aussehen? Nein. Jeder kann etwas für sein Aussehen. Zumindest die Kleidung kann man so auswählen, dass das Ausdruck des individuellen Wesens nicht in die Hose geht.

      • Trippmadam 22. März 2014 um 21:12 #

        Die Überschrift war: not your body, not your business. Damit ist m.E. eigentlich schon alles gesagt.

      • FRAU_MAU 22. März 2014 um 22:35 #

        Man könnte einwenden „not your opinion, not your business“. Sprich: „Was kümmern dich die Kommentare zu deinem Körper / deiner Kleidung. Ist doch nicht deine Sache, was die Leute denken“.

        Aber so einfach ist es nicht. Es interessiert den Rest der Welt, wie wir aussehen, was wir anziehen, was wir machen und was wir meinen. Davon leben ganze Industrien. Und – wie ich schon erwähnte – Kleidung ist Kommunikation. Man kann nicht nicht kommunizieren.

      • Trippmadam 23. März 2014 um 06:45 #

        Das nennt man, glaube ich, „victim blaming“.

      • Wahn 23. März 2014 um 09:14 #

        Ich finde den Begriff des Victim Blaming langsam etwas überreizt. Unabhängig von Frau Maus sonstigen gequatsche ist Heng zwar möglicherweise Opfer von einigen fiesen Sprüchen, aber wenn man den gleichen Begriff auch bei Opfern von Vergewaltigungen nutzt wird hier eine Äquivalenz der schwere des Untat hergestellt, die glaube ich keiner braucht.

        Denn wenn es danach geht, wird jeder irgendwann mal irgendwie zum einem Opfer. Dass ich allgemein gegen das Bild bin, dass die Gesellschaft ein Individuum ist, welches einzelne gezielt angeht ist ne andere Geschichte. Dafür ist es auch einfach zu komplex.

      • FRAU_MAU 23. März 2014 um 14:46 #

        „Das nennt man, glaube ich, “victim blaming”.“

        Da gebe ich dir vollkommen recht. Heng weiß ganz sicher, wie sie aussieht und wie ihr Aussehen bewertet wird. Ob wir diese Wertungen nun richtig finden oder verurteilen, ist eine ganz andere Frage. Heng kann einschätzen, was Kleidung (nicht nur ihre eigene) für Reaktionen auslöst. Dennoch hat sie ein provokantes Outfit gewählt. Einige Leute haben sich provoziert gefühlt und erwartungsgemäß reagiert. Von daher: Ja, sie hat die Reaktionen wissentlich und willentlich selbst provoziert.

  5. Serafim 22. März 2014 um 18:13 #

    Moment mal ?
    Beschwerst du dich gerade darüber das Leute es ekelig finden wenn ne unattraktive Frau sich versucht aufreizend an zu ziehen ?
    Sorry aber scheiße ich Geschenkpapier stinkt trotzdem.

  6. nuhu 22. März 2014 um 18:39 #

    Was machen denn die Trolls hier? eieieiei…Heng, ich wünsche einen schönen Frühling in Wien!

    Gruhuß, nuhu

    • Trippmadam 22. März 2014 um 21:27 #

      Man soll sie ja nicht füttern, aber manchmal reicht’s einfach.

  7. Annalina 18. April 2015 um 11:04 #

    Absolut furchtbar, diese Scheiße!
    Ich frage mich auch oft, was an meiner Erscheinung genau eigentlich bei so vielen Leuten bestimmte Hemmschwellen nicht nur sinken lässt sondern einfach in die Luft jagt. Es passiert mir so oft, dass Leute einfach genau neben mir stehen, auf mich zeigen und mich auslachen. Manchmal auch ne Gruppe Bullen.
    Das mit dem Fotografieren ist auch so ne Sache. Was ist denn mit den Leuten los? Denken die wirklich, du merkst das nicht? Ich wurde neulich in einem Museum von mehreren Leuten regelrecht verfolgt, die versucht haben ‚unauffällig‘ Fotos von mir zu machen.
    Und sorry, aber so Kommentare wie der von Wahn, in dem er_sie sagt, dass mensch die Probleme erst mal bei sich selbst suchen sollte, sind wirklich daneben.

Trackbacks/Pingbacks

  1. Mädchenmannschaft » Blog Archive » Leben in der Opposition, Leseperspektiven und Fettpositives – Die Blogschau - 24. März 2014

    […] Diese Woche könnte auch eine Appreciation-Woche für Blogposts von Heng sein: Auf dem futblog testete sie das Wiener Kaffee “Fett&Zucker” aus und auf ihrem eigenen Blog tea-riffic schrieb sie zum einen über das Empowerment-Potential der Losung “Riots not Diets!” und zum anderen über aktuelle alltägliche fatshaming Erlebnisse. […]

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