Warum ich mir vorstellen könnte, mich auch mal als Bi-Ally zu positionieren

9 Sep

[TW: In diesem Text werden einige Dinge nicht mitgedacht, was dazu führt, dass der Text als bifeindlich gelesen werden kann. Einen Nachtrag mit Berichtigungen gibt es hier.]

Nachgetragener Vorspann: Dieser Text ist nicht aus einer lesbischen, sondern einer queer_feministischen Perspektive heraus geschrieben. Das bedeutet, dass es nicht in meinem Interesse liegt, irgendwelche Zugehörigkeiten zu bestimmen oder darüber zu urteilen, wer sich wie labeln soll. Ob eine Person „zu hetero“, „nicht bi“ oder nicht lesbisch genug“ ist, darüber habe ich nicht zu urteilen und will es auch nicht. Ich argumentiere auf einer anti-identitären Ebene. In der geht es darum, die Priorisierung von Cismännern in cisheterosexuellen, teils polygamen Beziehungen zu hinterfragen. Es geht um einen problematischen Umgang mit Privilegien, die vorhanden sind, selbst wenn sie nicht immer präsent sind. Lediglich der Umgang mit Unachtsamkeit hinsichtlich der unterschiedlichen Machtgefälle innerhalb der unterschiedlichen Beziehungen – einer Sache, die meinen eigenen Erfahrungen nach zu Teilen besteht – wird kritisiert. Ich schreibe auch aus der Perspektive einer Person, die sich selbst eine Zeit lang bisexuell verortet hat, aber es nicht mehr tut, weil „bisexuell“ nicht umfassend genug ist.

Für die einen ist es ein konstruierter Mythos, für die anderen exkludierende Realität: Bifeindlichkeit. Es fühlt sich an, als wäre Bisexualität ein schwieriger Knackpunkt in verschiedenen queer_feministischen Kontexten. Lange Zeit hatte ich Schwierigkeiten, mich selbst dazu zu positionieren, jetzt versuche ich es mal mit Gedankenfetzen.

Manchmal richtet sich Bifeindlichkeit auch an Cisfrauen, die sich bisexuell verorten und mit dem Knutschfleck des Boyfriends auf dem Hals queere Räume betreten, weil sie sich „auch vorstellen könnten, mal was mit Frauen* zu haben“, dort aber am Ende nur von ihrer Hetenbeziehung reden. Tatsächlich habe ich einige lesbischen Beziehungen beobachtet, in der eine der beiden ihre langjährige, parallel stattfindende RZB mit einem Typen sehr viel höher priorisiert und sich sogenannte Hetenprivilegien sichert. In erster Linie gab es immer den Cisboyfriend – vor allem im Beruf, vor der Familie oder auch sonst dort, wo es sich schick und praktisch macht, als Hete gelesen zu werden. Wurden alternative_queere Räume betreten, wurde das lesbische Date als Token genutzt und für das Highlighting der eigenen ach-so-subversiven-Queerness instrumentalisiert. Das kann vorkommen, manchmal.

Wenn Sätze mit „Ich würde ja am liebsten gar keine RZB mehr mit Typen führen, aber…“ anfangen, lösen in mir direktes Herzrasen aus. Aber was? Aber es ist nun mal bequemer, heterosexuelle Beziehungen zu führen? Sicherlich ist es das. Gleichzeitig ist es auch eine Entscheidung, die getroffen wird. Es könnte sich ja auch dafür entschieden werden, Cismänner aus dem eigenen Leben auszuschließen. Es könnte sich dafür entschieden werden, sie nur in sexuellen Kontexten im Leben zu behalten, nicht aber als zeit- und kraftfressende Partner. Denn welche Person zur Hauptbeziehung und welche nur als Affäre hingehalten wird, ist manchmal ganz zufällig zugunsten von Hetenprivilegien. Wer bekommt wie viel Zeit, wer genießt die Privilegien der Hauptbeziehung, welche Dates werden immer wieder kurzfristig abgesagt, weil der Boyfriend sich damit unwohl fühlt, wenn die Freundin bei anderen Frauen* übernachtet? Und auch: Diese „Du darfst mich anderen was haben, aber nur wenn es andere Frauen* sind“-Regenlungen in Hetenbeziehungen sind so problematisch wie Katy Perrys Ausflüge in ~exotischen Kostümrepertoires.

Weiterhin spielt die Raumeinnahme der heterosexuellen Beziehungen eine große Rolle. Wenn die meisten von der bisexuell lebenden Person ausgehenden Gesprächsthemen nur von ihrem Cisboyfriend handeln, bleibt es fraglich, wie viel Interesse für die Gefühle, Bedürfnisse und Persönlichkeit der lesbischen Beziehung übrig bleibt – und ob diese überhaupt die ganzen Heten-RZB-Stories hören will.

Begriffe wie „Queerheten“ oder „queere Heten“ blühen bei solchen Verhältnissen schnell auf. Schwierig finde ich hier allerdings, dass „queer“ sich auf Begehrensformen zu beziehen scheint. Mittlerweile wird „queer“ für alles Mögliche benutzt. Angesichts seines anti-identitären Anspruches nicht verwerflich, jedoch ist vielen gar nicht bewusst, wie stark der Begriff in die Normativität gezogen wurde. Es heißt, dass sich „queer“ ursprünglich auf arme Trans* of Color bezog, davon ist in Theoriewerken aber nichts zu finden. Das white-cis-male-washing von „gay“ zieht sich größtenteils nun auch auf „queer“. Aber das ist ein Diskurs für sich.

Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die Abwertung von Bisexualität zur Raumeinnahme von Normativität in queeren Kontext führen kann. Es fühlt sich aufgrund von Kritik schwierig an, sich als bisexuell zu labeln, gleichzeitig gibt es auch Probleme mit pan. Also, was macht eins? Eins nennt sich queer. Und queer sind dann alle oder vielleicht so 80% der Menschen, die schon mal vom Berghain gehört haben, weil das Berghain ja auch ein queerer Hotspot ist, das weiß eins ja, das wissen alle, jedenfalls alle die, die sich dann queer nennen, weil queer ist ja auch Kritik und Kritik ist immer gut. Und dann gehen alle in queere Räume und dann knutschen Cisheten in queeren Räumen, sie fühlen sich auch angesprochen, sie haben mal von diesem ominösen 50 Shades of Grey gehört, bekanntlich das BDSM 101, und BDSM ist ja auch von normativer Heterosexualität abweichend, zumindest abseits von den 50 Shades, aber egal, jedenfalls, here we are, all united in one room. Und dann finden das Leute, die weder heterosexuell, noch heteronormativ leben, und auch in diesen Räumen sind, irgendwie nicht so schön, dass sie plötzlich die Randerscheinungen sind und sonst nur weiße Cisheten da sind. Spaces being successfully invaded. 

Mich persönlich nervt es sehr, wenn in queeren Räumen cisheterosexuell performt wird. Dafür gibt es viele Gründe. Zum Beispiel, weil ich dann auch welchen Raum auch immer betreten kann, wenn ich mir Hetenperformances anschauen möchte. (Aber auch das Problem: Wenn Trans*personen in Paaren involviert sind und diese als Hetenpaare gelesen werden – ob nun zugunsten oder entgegen der Verortung der Trans*personen_en… Aber es geht mir nicht um diese Ausnahmen, sondern um die Tatsache, dass es einfach sehr viele Cishetpaare gibt, die Raum einnehmen und mir ihre Hetenprivilegien auf die große Nase binden.) Denn egal ob eine Person hetero- oder bisexuell lebt: Wenn sie in einer cisheterosexuellen Beziehung lebt, sind einige Hetenprivilegien vorhanden. Ob eins sie will oder nicht. Was aus ihnen gemacht wird, ist die andere Sache.

Würde es an dem Prozess der Normatisierung von queer etwas ändern, wenn sich nicht alle queer labeln würden, sondern einfach bisexuell? Wenn die Hürde, sich zur Bisexualität zu bekennen, nicht so groß wäre, mit Hilfe von Bekämpfung von Bifeindlichkeit zum Beispiel? Ich weiß es nicht. Ich möchte auch gar nicht das Fass von „Wer ‚darf‘ sich queer nennen und wer nicht?“ gar nicht öffnen.
Wenn wir aber im System von Hetero-, Bi- und Homosexuell bleiben – ein System, das ich aus verschiedenen Gründen schwierig finde, nicht zuletzt, weil es zur Pathologisierung von Sexualität führt -, dann würde ich das ganze so aufdröseln: Hetero = anders. Also nicht mein ~~eigenes Geschlecht. Zum Beispiel: Cismann und Cisfrau. Aber vielleicht ja auch: Cisfrau und Transmann. Homosexuell: ~Gleiches Geschlecht. Also… männlich verortet und männlich verortet, weiblich verortet und weiblich verortet, und so weiter? Und dann Bi = sowohl anders als auch gleich verortet?

Es ist schwierig, Trans*personen hier nicht unsichtbar zu machen. Schwieriger finde ich jedoch, wenn Frauen* sich groß Homosexualität auf die Fahne schreiben, aber dann auch Transmänner oder nicht binär verortete Menschen in ihr Begehren einschließen. Das würde heißen, dass Transmänner ja nicht wirklich Männer seien. Während die einen vielleicht gerne als Trans* sichtbar sein möchten, gibt es auch genug, die gern als das Geschlecht gelesen werden möchten, als das sie sich identifizieren. Und wenn es binär männlich ist, dann ist es verdammt noch mal cissexistisch, wenn ihnen die Möglichkeit, jemals in einer heterosexuell gelabelten Beziehung sein zu können, aufgrund von Fremdzuschreibungen genommen wird. (Nebenbei auch ein friendly reminder, dass nicht alle Trans*personen sich queer verorten und Heteronormativität ablehnen.)

Die Annahme, dass weibliche* Bisexualität immer auch Cismänner im Begehren einschließt, ist heteronormativ. Außerdem ist das Begehren eine Sache, die Praxis dessen eine andere. Vielleicht sagt eine bisexuelle Frau* ja: Ich finde Cismänner auch hot, aber ich lasse sich nicht an meinen Schlüppi. Das gleiche können auch heterosexuelle Frauen* sagen und einen Teil ihrer Hetenprivilegien ablegen.

Überhaupt Hetenprivilegien: Wann genießt eine bisexuelle Einzelperson diese überhaupt? Weil sie nie eine Outingsituation hatte? (Ist es für manche Menschen nicht ein Privileg, dass sie eine Outingsituation in diversen Kontexten überhaupt erst haben dürfen_können?) Treten sie nicht eher nur dann ein, wenn die Person auch als Cisheterozweisamkeit performt?

Weitere Fragen, die ich mir stelle:
Ist es nicht merkwürdig, dass bisexuelle Männer* immer vermeintlich „eigentlich schwul“ und bisexuelle Frauen* immer „eigentlich hetera“ sind? Dass sie alle nur Männer* begehren, eigentlich?
Findet ihr das nicht komisch, dass bisexuelle Männer* einfacher in Communities aufgenommen werden, Frauen* aber dieser Bifeindlichkeit ausgesetzt werden?
Können wir auch mal über Bisexual Erasure sprechen?

Fallen euch weitere Fragen ein?

 

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23 Antworten to “Warum ich mir vorstellen könnte, mich auch mal als Bi-Ally zu positionieren”

  1. Frl.Urban 9. September 2014 um 16:27 #

    „Schwieriger finde ich jedoch, wenn Frauen* sich groß Homosexualität auf die Fahne schreiben, aber dann auch Transmänner oder nicht binär verortete Menschen in ihr Begehren einschließen.“
    Ich bin zwar keine Frau, aber Lesbe. Mein sexuelles Begehren richtet sich auf Menschen, die viel Östrogene und wenig Testo in ihrem Körper herumfliegen haben. Daher richtet sich mein Begehren auf alle mögliche Menschen, auch, aber nicht nur Frauen. Das lege nicht ich fest, das hat mein Körper so mit sich selbst geregelt. Langfristig klappen tut es aber nur, wenn die Person ihren Körper auch so haben will, wie sich mein Begehren ausrichtet. Deshalb klappt es, in Bezug auf Begehren, langfristig meist nur mit Frauen. Deswegen bin ich lesbisch.

    Dann gibt es da noch das Ding mit dem Sexismus, und dass ich Männer Performance unsexy finde. Deswegen bin ich lesbisch. Und, so viele Männer und nichtFrauen ich schon gedatet und eventuell auch mit ihnen geknutscht oder gefickt habe, bleibt es dabei. Denn irgendwann kommt bei mir immer der Punkt, wo ich mir bei einer nichtFrau denke: Ähm, hier fühlt sich was ganz und gar falsch an. Ist nur so ein Erfahrungswert.

    Ach ja, ich bin sehr transparent mit diesem Erfahrungswert, also: Menschen die mich daten, wissen, dass ich lesbisch bin. Ich überlasse es dann ihnen, was sie davon halten und ob sie wollen.

    „Überhaupt Hetenprivilegien: Wann genießt eine Einzelperson diese überhaupt?“ Zum Beispiel dann, wenn eine_r nicht das Gefühl hat, dass der eigene Kopf gleicht platzt, weil eine_n die nicht zu entkommenden Heteronormativität in den Wahnsinn treibt.

    „Können wir auch mal über Bisexual Erasure sprechen?“ Au ja!

    • henghdf 9. September 2014 um 16:34 #

      *Eine bisexuelle Einzelperson, meinte ich, habe ich gerade verbessert.
      Naja, aber eine LGBTTI-Person ist ja nicht gleich queer, sondern kann auch super heteronormativ sein. Hat eine normative Lesbe dann auch Hetenprivilegien? (Spoiler: No.)

  2. grrrlghost (@grrrlghost) 9. September 2014 um 20:10 #

    Wie nett, dass du dir vorstellen kannst, „auch mal“ Bi-Ally zu sein. Wenn’s sein muss.
    Zum Einen beginnst du gleich mit genau den Klischees und Diskriminierungen, die Bi-Menschen tagtäglich aushalten müssen. Dass davon meistens so gut wie nichts stimmt, egal, einfach mal reproduzieren, die Queer-Homies sind eh die Geilsten, alle anderen sind nicht true genug. Oder so. Statt dich also wirklich mit der Problematik auseinanderzusetzen, Zusammenhänge zu hinterfragen, vielleicht auch mal die oh so lieb gewonnene queere Blase kritisieren, nö. Du bewertest lieber Beziehungen anderer Menschen, meinst, dir ein Urteil darüber erlauben zu können, nur weil du davon mal gehört haben könntest. Und selbst wenn, glaubst du wirklich, dass alle Bi-Menschen solche Beziehungen führen, die Heten-Beziehung als Vorzeigeobjekt, die Homo-Beziehung für das kleine Abenteuer zwischendurch? Ist Quatsch, merkste hoffentlich selbst.
    Du machst weiter mit „queer“ und tatsächlich, dieses Fass solltest du wirklich nicht öffnen und mit dem Thema hat es auch nicht viel zu tun. „Queer“ wird als Sammelbecken für alles mögliche verwendet, weil niemensch Zeit_Energie_whatever hat, um sich in diese akademisierte Sache hineinzulesen. Bi-Menschen sind aber nicht unbedingt queer und selbst wenn, es wäre nicht an dir, ihnen dieses Label abzusprechen. „Es fühlt sich aufgrund von Kritik schwierig an, sich als bisexuell zu labeln, gleichzeitig gibt es auch Probleme mit pan. Also, was macht eins? Eins nennt sich queer.“ Genau, weil Bi-Menschen von einer Ecke in die andere Gedrängt werden. Das hat nichts mit Berghain und hip sein zu tun, sondern mit dem verzweifelten Versuch, eine Defintion_ein Label zu finden, welches nicht sofort auf Ablehnung stößt.
    Dann kommt viel Kram, den du einfach mal so hinwirfst, weil es eben schön ist, noch mehr zu bashen, BDSM, 50 Shades – und schon haben die Bi-Menschen „invaded“, wobei das Wort so schön zeigt, dass du sie nicht zum coolen queeren Club zählst.
    Dann dein Lieblingsthema, Performance. Auch wenn ich dir zustimme, dass es da durchaus viel zu kritisieren gibt, wieder einmal differenzierst du nicht, siehst nicht, dass Heten-Performance zum Beispiel für Trans*Personen empowernd sein kann.
    Ja, und nun bist du bei dem angelangt, was das eigentliche Problem erst hervorruft. Die Label. Eigentlich sind wir doch alle keine Freund_innen von Labeln, trotzdem werden sie (nicht nur von dir) munter durch die Gegend geworfen. Wenn wir schon dabei sind, was Bi nun eigentlich ist, ob es Trans* ein- oder ausschließt, was dann Pan ist oder nicht – all das solltest du den betreffenden Menschen selbst überlassen. Du labelst dich doch auch als Hard Femme, wie würdest du es finden, wenn andere Menschen definieren würden, wann du nun welches Label tragen darfst und nein, mit dem Glitzeroberteil geht das nicht, da bist du dann doch eher nur queer oder, oh Schreck, vielleicht Soft Butch.
    Kurz zu Trans* und Homo-Frauen*: in Anbetracht der bifeindlichen Stimmung, schön zu lesen am Anfang deines Textes, ist es kaum verwunderlich, dass Frauen* sich lieber als homo labeln als anders. Dass Trans* dabei unsichtbar gemacht wird, ist ein Problem, welches aber eben genau der Bifeindlichkeit zugrunde liegt.

    Abschließend finde ich es erstaunlich, wie du als Nicht-Bi-Mensch über Bi-Menschen urteilst, ihnen dieses und jenes unterstellst, nicht wenigstens deine eigenen Aussagen reflektierst. Aber eine Deutungshoheit besitzen, das ist bei allen blöd, nur nicht bei sich selbst.
    Ich schreibe meinen Kommentar als Cis-Frau, die in einer heterosexuellen RZB mit einem Trans*Mann lebt, sich selbst früher als Bi, dann als Lesbisch und heute als gar nichts labelt. In deinem Text geht es um mich, um Menschen, die meine oder ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Und nein, Bi-Sein und Bifeindlichkeit sind eben nicht so leicht, so schwarz und weiß, wie du es hinstellst. Ich fühle mich zutiefst missverstanden und unreflektiert und respektlos behandelt – eigentlich genau wie immer. Über Rassismus schreiben, dass sollen bestenfalls nur Betroffene (jedenfalls detailliert), wenn es aber um Bifeindlichkeit geht, dann kann das jeder Mensch machen. Ich weiß, vielleicht ein doofes Beispiel, vielleicht nicht passend, aber ich hoffe, dass du verstehst, worauf ich hinaus will.

    An diesem Text ist so viel falsch und schlimm, dass ich nur noch mit dem Kopf schütteln kann. Das beste Beispiel für Bifeindlichkeit bist in diesem Moment vermutlich du selbst und dieser Text. In diesem Zusammenhang wohl eher selten gesagt, aber #checkyourprivilige als queere_homo Person im queeren_homo Umfeld. Du glaubst nicht, dass es da Privilegien gibt? Jep, that’s it, that’s the problem.

    Und zum Ende: die Fragen, die du dir stellst, sind richtig und wichtig. Darum sollte es bei Bifeindlichkeit gehen und nicht um den ganzen Scheiß, den Bi-Menschen eh immer wieder auf’s Brot geschmiert wird.

    • henghdf 9. September 2014 um 21:23 #

      1) Die Überschrift ist eine Anknüpfung an das von mir schon häufig gehörte „Ich kann mir auch gut vorstellen, mal was mit Frauen zu haben“-Zitat.
      2) Ich sehe den ersten Part meines Textes nicht als Reproduktion von Bifeindlichkeit. Es geht um problematische Dynamiken innerhalb von Poly-Beziehungen, in denen auch Cismänner eingebunden sind. Es geht durchgehend, wie auch markiert, um Cishetenbeziehungen.
      3) Ich habe mich eine Zeit lang selbst als bisexuell verortet, tue es aber seit einer Weile nicht mehr, weiß aber auch nicht, ob ich mich nicht doch wieder so verorten werde. Bis ich mir sicher bin, habe ich das „queere“ Begehren als meines gewählt, nicht als Platzhalter, sondern weil es mehrere Aspekte meiner Lebensweise betrifft, zum Beispiel meine Position als Female of Color, aber auch als eine Person, die sich eher Richtung Transidentität als Cis- verortet.
      4) Dass bisexuelle Menschen von einer Ecke in die andere geschoben werden, ist mir bewusst. Das schreibe ich ja auch in diesem Text.
      5) Was ich auch schreibe, ist dass viele Hetenpaare sich Dinge aneignen.
      6) Dass ich queer als coolen, exklusiven Club sehe, unterstellst du mir.
      7) Mir ist bewusst, dass Hetenperformance für manche Trans*menschen empowernd sein kann. Die Frage ist nur, auf wessen kosten es gehen kann. (Ich sage, gehen KANN. Zum Beispiel auf Kosten von non-passing Trans*folx. Auf Kosten derer, die im Vergleich dazu stehen. „Ah, die anderen sind ja alle sehr ~~~uneindeutig, dann muss diese Person aber doch ~~wirklich ein Mann sein.“)
      8) Es war naiv von mir, einfach so BDSM reinzuwerfen, ja. Ich hätte es nicht gemacht, wenn ich noch keine Diskussionen auf dieser Ebene geführt hätte.
      9) Ich habe auch nie gesagt, dass alle Bi-Menschen polygame Beziehungen führen oder Hetenprivilegien nutzen. Ich habe nur gesagt, dass es auch vorkommt und es ein großes Problem ist. Das, wiederum, ist eine radikale, queerfeministische Frage für mich, die sich mit diesem Thema überschneidet. (#Separatismus, #Cistypen)
      10) Generell unterstellst du mir, Dinge nur vom Lesen zu kennen und nicht am eigenen Leib erlebt zu haben. Ich möchte mich aber nicht in jedem Punkt outen müssen, aus Selbstschutz.
      11) Deine Kritik ist in einigen Punkten berechtigt, in anderen habe ich das Gefühl, dass wir an einander vorbeireden. Ich möchte dir aber so oder so danken, dass du dir die Zeit genommen hast, eine so ausführliche Rückmeldung zu verfassen.

      • grrrlghost (@grrrlghost) 9. September 2014 um 22:05 #

        1) Das war mir schon klar, aber schon da setzt du den Ton für das folgende Bashing. Auch wenn du es anders meinst. Kommt blöd rüber.
        2) Ob du RZBs, Poly- oder sonst was für Beziehungen meinst, bifeindlich bleibt es trotzdem.
        4) Warum dann der Seitenhieb à la die Bis sind jetzt alle queer und das ist doof? Verstehe da deinen Punkt nicht.
        5) Was haben Heten und Aneignung nun mit Bis zu tun? Sind schließlich keine Heten.
        6) Tue ich, weil es so rüber kommt. Wäre ich gemein, würde ich sagen, das habe ich von dir gelernt.
        7) Das hat dann doch aber mehr mit Performance und Gender im Allgemeinen zu tun und nicht mit Bis. Wo ist da wieder der Anknüpfungspunkt?
        8) Hättest du rauslassen sollen, egal wie da dein Hintergrund aussieht.
        9) Du sagst aber eben auch nicht das Gegenteil, sondern stellst das Negative gleich am Anfang und auch folgend in den Vordergrund. Es soll doch um Bifeindlichkeit gehen und nicht übergeordnet um Kritik an dem Verhalten von manchen Bis.
        10) Das ist verständlich, entschuldigt aber nicht den Ton und die Wortwahl/Themenwahl des Textes. Vielleicht wäre ein unkonkreter Hinweis auf eigene Erfahrungen hilfreich gewesen, um deine Position in dem ganzen besser nachzuvollziehen.

    • henghdf 15. September 2014 um 18:51 #

      Worüber ich seitdem ich deinen Kommentar gelesen habe nachdenke: Warum war es jetzt notwendig, dass du deinen Partner als Trans* outest? Hattest du seinen Konsens? Willst du damit betonen, dass du extra-queer bist? (Denn Label-Diskussionen führe ich gar nicht erst.)

      Und hier ist ein Problem, das ich oft habe: Wenn Cisfrauen ihre Partner* outen müssen, um bloß nicht als Hete gelesen zu werden und dazu die Verortung ihrer Partner* instrumentalisieren.

      • grrrlghost (@grrrlghost) 16. September 2014 um 07:26 #

        Das mit dem extra-queer machst du schon ganz gut so, da muss ich nicht auch noch mitmischen.
        Weißt du, was ich langsam echt unfair und unnötig finde? Dass du immer wieder auf eine bewertende und nun schon persönliche Ebene abdriftest. Was ich wie von mir offenlege, damit meine Position zu bestimmten Themen besser verstanden wird und ob und wie ich darüber mit Partner_innen rede, tut hier nichts zur Sache. Möchtest du sein Einverständnis? Schriftlich? Per Video-Botschaft? Vielleicht liest er ja mit und beteiligt sich nur nicht direkt, weil er sich deine Kommentare nicht geben will? Aber was geht dich das alles an? Und wer bist du, dass ich mich vor dir rechtfertigen muss_soll, wenn ich bestimmte Dinge über mich öffentlich mache?
        Und ja, die böse, bösen Cisfrauen mal wieder. Denen kann mensch auch gar nicht trauen!

  3. Theresa 10. September 2014 um 00:25 #

    Danke für die Fragen und Denkanstöße.
    Ich kann deinen im ersten Teil des Textes ausgedrückten Ärger über Raumaneignung ein gutes Stück weit nachvollziehen, auch wenn die Darstellung ziemlich einseitig erscheint. Und das mit der Performance und dem Gelesenwerden ist alles spätestens auf den zweiten Blick gar nicht so einfach, wie du ja im weiteren auch ansprichst.

    > „Fallen euch weitere Fragen ein?“

    Wie kommt es denn, dass anscheinend so viele bisexuelle Cisfrauen mit Typen zusammen sind?
    Könnte es damit zusammenhängen, dass es so viel einfacher ist, auf Typen zuzugehen? Dass man Frauen gegenüber unsicherer ist und eher mit Ablehnung rechnet? Dass sowohl „Hetero-“ als auch „Homo-“ Umfeld einen damit nicht für voll nimmt, sondern permanent infrage stellt? Das bewertet, ob man denn auch „lesbisch genug“ ist, und das beispielsweise an konkreten Handlungen festmacht?

    Ist es denn nicht auch „schon“ bisexuell, als Frau Frauen* und Nichtbinäre zu begehren?

    > „Findet ihr das nicht komisch, dass bisexuelle Männer* ganz selbstverständlich in Communities aufgenommen werden […]“

    Werden sie? Kommt da nicht auch oft dieses „Ach, du traust dich ja nur nicht, dich schwul zu nennen?“

    • henghdf 15. September 2014 um 18:46 #

      Natürlich ist es einfach, als Cisfrau mit Typen zusammen zu sein, weil es auch Privilegien schafft, aber auch in einer heterosexistischen Welt leichter ist, mit Typen zu flirten – sofern ein bestimmter Körper vorhanden ist. Aber ich frage mich, warum immer das leichteste gemacht werden muss?

      Und die Frage stelle ich mir auch – und diese Definition von Bisexualität ist die, bei der ich mich als Ally sehe.

  4. Natanji 10. September 2014 um 10:56 #

    Vorweg: du hast mich als bi/pansexuellen, genderfluiden AMAB in deinem Artikel ziemlich heftig verletzt. Ich finde es scheiße, wie unsensibel du mit in der queeren Szene schlichtweg diskriminierten Menschen umgehst (bi/pansexuellen). Wenn du wirklich über Bi Erasure sprechen willst, wie wäre es dann wenn du genau da mal bei dir selbst anfängst? Nichts anderes tust du nämlich, wenn du Frauen*, die sowohl Männern* wie Frauen zusammen sind unterstellst, sie wären eigentlich Hetero. Das tust du ganz massiv.

    Ich will grundsätzlich deine Ansicht infrage stellen, dass bisexuelle Männer* als schwul gelesen werden; woher ziehst du das? Soweit ich das sehe, wird gesamtgesellschaftlich bei bisexuellen Männern* wie Frauen* erstmal allgemein davon ausgegangen, dass sie eigentlich hetero sind. Weil die Beziehungen mit Menschen verschiedenen Geschlechts ernst genommen werden, die mit denen des gleichen Geschlechts irgendwie nur „rumprobieren“ oder „experimentieren“ sind. Innerhalb der queeren Community sieht es auch m.E. nur in der schwulen Community anders aus, wo „bisexuell“ als ein erster Schritt in Richtung Homo-Outing gilt. Das liegt sicherlich an bekannten Größen wie Dan Savage, die diese Scheiße immer und immer wieder erzählen bis es alle glauben. Das liegt am problematischen Männlichkeitsbild in Teilen der schwulen Community, an ihrer extremen Ausgrenzung von Männern* die (auch) Sex mit Frauen* haben, an Misogynie in Teilen der schwulen Szene und an vielem anderen.

    Es ist aber sicherlich verkürzt es irgendwie so darzustellen, als wenn bisexuell für andere immer irgendwie Begehren auf Männer* bedeutet. Wie gesagt, wüsste gerne woher du das nimmst/was da deine Erfahrungen sind. ^^

    Meine Erfahrung als männlich gelesener Mensch ist, dass Männer* sich schlicht nicht für mich interessieren, selbst wenn ich mich in der queeren Community aufhalte. Dadurch, dass ich auch Sex/Beziehungen mit Frauen habe, bin ich für die meisten von ihnen „verbrannt“. Wahrscheinlich noch schlimmer, weil man mir aufgrund meines Polyseins und den auch noch mehreren zeitgleich geführten Beziehungen mit Frauen* mir schlecht einreden kann, dass ich ja eigentlich schwul sei und das ja nur noch nicht zugeben wolle.

    Für Frauen tust du etwas ähnliches: „Es könnte sich ja auch dafür entschieden werden, Cismänner aus dem eigenen Leben auszuschließen. Es könnte sich dafür entschieden werden, sie nur in sexuellen Kontexten im Leben zu behalten, nicht aber als zeit- und kraftfressende Partner.“
    Du erwartest anscheinend von bisexuellen Frauen, dass sie Frauen* bevorzugen. Dass sie nicht etwas ausgeglichen Beziehungen zu Männern* UND Frauen* haben, sondern dass sie „mehr homo sind als hetero“. Erst dann scheinst du bereit zu sein, sie als queer bzw. als Teil deiner Szene zu akzeptieren. Ansonsten sind sie hauptsächlich noch hetero und damit hat sich das ja irgendwie.

    Interessanterweise werden m.E. bisexuelle Frauen von schwulen Männern* ernster genommen und bisexuelle Männer* von lesbischen Frauen*. Meiner Erfahrung nach sind Bisexuelle des eigenen Geschlechts innerhalb der jeweiligen Szene irgendwo einfach „Nestbeschmutzer“. Es wird die unrealistische Erwartung gestellt, doch „mindestens so homo wie hetero“ zu sein, genauso wie du das tust. Hauptbegehren muss homo sein, ansonsten zählt es nicht oder man tut gerade etwas böses mit Hetenprivilegien.

    Für dich scheint „Hetenprivilegien ablegen“ sowas zu heißen wie mit „mit einigen Menschen, die ich begehre, vorsorglich keinen Sex haben, weil das dann Hetero aussehen könnte“. Warum das ansatzweise Privilegien durchbrechen sollte, wenn man einen Teil seiner sexuellen Identität versteckt/gezielt ausblendet, erschließt sich mir überhaupt nicht. Es wirkt teilweise als wenn du Bi siehst als „ich habe die Option, entweder Homo oder Hetero zu sein“. Ich glaube du meinst das nicht, aber ich verstehe auch nicht wie du dann auf sie krude Vorschläge kommst.

    Und nun, es dürfte klar sein, dass ich nach der erfahrenen Diskriminierung relativ wenig Bock auf die schwule Szene habe. Sie heißt mich kein Stück willkommen. Ich werde dort nicht ernst genommen. Und ja, wenn man das mal ne Weile versucht hat da irgendwie reinzukommen, und man einfach nur einen bifeindlichen Spruch nach dem anderen ertragen muss und sich naja, einfach nichts „ergibt“, dann sagt man irgendwann „fuck it, I’m outa here“. Klar kannst du mir jetzt unterstellen ich würde Hetenprivilegien nutzen weil ich nicht auf die schwule Community angewiesen bin, weil ich nicht auf Männer* angewiesen bin, um Partner zu finden. Stimmt wahrscheinlich sogar. Aber so what? Was zur Hölle sollte ich an der Stelle anderes tun? Wie soll ich mich anders verhalten? Ich habe das begehren nach Männern, aber es ist *viel schwerer* einen Mann als Partner zu finden. Sogar noch erheblich schwerer als für Schwule, die wenigstens von der schwulen Szene aufgenommen werden! Hier komm der Effekt von Heten- UND von Homoprivilegien zusammen. Und dann werten Leute wie du mich als Hete. Weil wenn ich wirklich queer genug wäre, hätte ich ja mindestens so viele männliche Partner wie weibliche. Vielleicht? Keine Ahnung.

    Tjo… und dann würde ich stattdessen gerne in Räume die als „queer“ gekennzeichnet sind gehen, denn auch wenn ich meine Sexualität nicht performen kann wenn sich nunmal keine Partner dafür finden, ändert das ja nichts an meinem Begehren. (Ein Schwuler ist ja auch nicht weniger schwul, wenn er grad keinen Partner hat. Genauso bin ich nicht weniger bi/pan, nur weil aktuelle das Geschlechtsverhältnis meiner Partner*innen nicht ausgeglichen ist). Aber ich traue mich oft nicht, in queere RÄume zu gehen – denn dann werde ich als männlich gelesen und mit meiner Partnerin bin ich dann das Hetenpaar. Bi Erasure vom Feinsten. Das Gefühl, dass wir für jeden verliebten Blick, jeden Kuss, jedes kuscheln oder Händchen halten einfach mal von einigen Leuten schief angeguckt werden, sitzt uns den ganzen Abend im Nacken. So macht das keinen Spaß. Ihr habt uns erfolgreich ausgeschlossen.

    Ich denke mal nach solchen Artikeln frage ich mich wirklich nur: was zur Hölle erwartest du von Menschen wie mir? Was soll ich deiner Meinung nach tun, um als queer gelesen zu werden, um in meinen Identitäten für voll genommen zu werden? Bi/pan hat nun mal keine eindeutigen Performances, die ich wählen kann: Performances werden großteils von der Mehrheitsgesellschaft bestimmt (sieht man sehr gut an schwulen und lesbischen Performances), und durch die Unsichtbarkeit hat eins dann eben keine mögliche Performance. Oder zumindest ist die Messlatte wahnsinnig hoch, ich müsste wohl genau gleich viele Beziehungen mit Männern* und Frauen* haben und auch mit diesen immer gemeinsam in der queeren Community erscheinen. Weil sonst kommt wieder ein Honk und meint ich wäre ja „eigentlich hetero“ oder „eigentlich schwul“.

    Und bevor wir uns falsch verstehen: ich finde es extrem wichtig, kritisch über Privilegien zu sprechen und Schutzräume zu schaffen. Aber Menschen gedanklich komplett aus der eigenen Szene auszuschließen, sie als nicht queer zu denken, wenn sie quasi gar keine Möglichkeit haben ihre Identität auszudrücken, das geht mal gar nicht. Du betreibst soweit ich das sehe Bi Erasure vom Feinsten.

    • henghdf 15. September 2014 um 18:42 #

      Es tut mir Leid, wenn ich dich mit dem Artikel verletzt habe, mein Ziel war es nicht, Bi-Erasure zu reproduzieren. Vor allem tut es mir Leid, wenn ich deine Realität als eine Person, die aus der schwulen Szene ausgeschlossen wird, unsichtbar mache.

      Mir stellt sich nur aus radikal-queer_feministischer Sicht die Frage, warum es einigen (insb. weißen Cisfrauen) so wichtig ist, Cismänner in ihrem Leben zu haben. Nein, ich sage nicht, Bisexuelle sollten sich für „die eine oder andere Seite“ entscheiden, ich stelle nur infrage, inwiefern Cismänner so viel Aufmerksamkeit bekommen sollten. In erster Linie geht diese Frage natürlich an Heteras, an zweiter an Bisexuelle.
      Ich argumentiere gar nicht auf der Ebene von Labels und von „als queer gelesen werden“, das ist nicht mein Anspruch und das ist auch kein Thema, das ich diskutieren will.

      • Miria 16. September 2014 um 11:29 #

        Warum ich Cismänner in meinem Leben haben möchte, ist ganz einfach zu beantworten: Möchte ich gar nicht bewusst. Ich möchte in erster Linie tolle Menschen um mich herum und in meinem Leben haben! Mich interessiert der Charakter von Menschen und nicht das Optische oder das Geschlecht!
        Ich nehme manchmal das sogar nicht bewusst war. Warum also sollte ich Leute aufgrund eines bestimmten Geschlechts oder einer bestimmten Optik (Cis) aus meinem Leben ausschließen?
        Die einfachste Antwort,, warum ich Cismänner in meinem Leben haben möchte, ist eigentlich: Warum nicht?!

        Ja und ich fand einiges in deinem Artikel ziemlich verletzend und biphob, werde das aber jetzt nicht näher drauf eingehen, sondern bin gerade dabei einen eigenen Artikel für meinen Blog zur Biphobie zur verfassen, wo ich auch nochmal etwas von hier ansprechen werde.

      • Natanji 16. September 2014 um 12:38 #

        Naja, ich habe ja eine Antwort versucht. Ich sehe die queere Szene für verantwortlich. In der lesbischen Szene scheinen bisexuelle Frauen leicht als „Fake-Lesben“ bzw. „Tarnheten“ zu gelten. Wenn man ihnen keinen Raum dafür gibt, es ihnen schwerer macht oder quasi immer wieder nahe legt, dass es doch seltsam ist so viel Kontakt zu Cismänner zu haben, dann wenden sie sich eben davon ab.

        Und mal ehrlich. Cismänner sind knapp die Hälfte der Bevölkerung, und nicht besser oder schlechter als Frauen. Warum sollten sie nicht 50% der Aufmerksamkeit bekommen? Ich behaupte, wenn Menschen *überhaupt* andere Menschen in ihrem Leben haben wollen, dann ist es doch nur logisch, dass darunter auch Cismänner sind?

        Und gerade bei Heteras ist es doch logisch, dass sie auch ein romantisch-sexuelles Interesse daran haben, insofern verstehe ich nicht so ganz wieso du ausgerechnet denen die Frage stellen möchtest warum sie die Cismänner in ihrem Leben haben wollen. Die Antwort ist doch offensichtlich?

        Ich bin etwas verwirrt über deine Gedankengänge. Ich lese gerade heraus, dass du Cismänner irgendwie für weniger cool hältst als andere Menschen oder sowas. Meinst du das? Willst du ausgerechnet von den Cismännern weniger in queeren Räumen haben? Oder wie jetzt? Dein Anliegen ist mir einfach nicht klar, genausowenig wofür sich jetzt Frauen* deiner Meinung nach rechtfertigen sollen.

  5. Brigitte 11. September 2014 um 23:44 #

    der text klingt spannend! aber ehrlich gesagt verstehe ich ihn auch nach 2 x lesen nicht… vielleicht fehlt mir das hintergrundwissen zu manchen begriffen.

    • henghdf 15. September 2014 um 18:35 #

      du kannst mir gern sagen, welche teile du nicht verstanden hast, und ich versuche sie dir zu erklären, brigitte!

  6. katha 15. September 2014 um 11:19 #

    Ich zitier dich mal:

    „Es könnte sich ja auch dafür entschieden werden, Cismänner aus dem eigenen Leben auszuschließen. Es könnte sich dafür entschieden werden, sie nur in sexuellen Kontexten im Leben zu behalten, nicht aber als zeit- und kraftfressende Partner. 
    […]
    Außerdem ist das Begehren eine Sache, die Praxis dessen eine andere. Vielleicht sagt eine bisexuelle Frau* ja: Ich finde Cismänner auch hot, aber ich lasse sich nicht an meinen Schlüppi.“

    1.ich bleibe bi, auch wenn ich in diner heterobeziehung bin. Orientierung ist doch nicht nur performanz.
    2. Schon aus mehreren gründen sind heterobeziehungen bei einigen bi-menschen da:
    2.1: bi bedeutet nicht 50/50(oder 30/30/30), manche sind, nach kinsey in der mitte, andere verlieben sich häufiger in gleich oder gegengeschlechtlich verortete-und in wen mensch sich verliebt ist keine bewusste entscheidung. Ob mensch eine beziehung eingeht schon. Dazu noch ein wichtiger nachtrag gleich.
    2.2. Bi/pans werden nicht nur von gesellschaft sexualisiert/fetischisiert oder von homophoben abgelehnt wenn sie in einer homos. Beziehung sind- biphobie ist nach meiner erfahrung in lgbta* räumen genug verbreitet, dass ich mehrfach von sich als lesben verorteten (bei mir nur cis) frauen sehr deutlich gesagt bekommen hab, dass sie bis(„solchen wie du“) keine beziehung führen werden(weil: monosexismus/vorurteil des betrügens und der slutshamigen promiskuität)
    Die also eh kleine gruppe der pot. Beziehungspartner wird dadurch noch weiter eingeschränkt, die durchaus offene feindseligkeit die ich mitbekommen hab verlitt es mir, mich in solchen räumen aufzuhalten und aus den anwesenden menschen die rauszufiltern die mich nicht als ‚rumhurende verräterin‘ ablehnen.
    die gruppe der männer(cis vor allem) ist größer und aufgrund des patriarchalen sexismus(männer* als default und ‚bester partner‘ bedeutet in meiner erfahrung, dass diese weniger unsicher sind, weniger angst haben, verlassen zu werden, da sie als männer bewertet werden, wohingegen ich oft von der anst lese, verlassen zu werden weil als männl. Definierte genitalkonfiguration fehlt. Einfach ausgedrückt-die cis-frauen befürchteten, verlassen zu werden weil sie keinen penis hatten, es also ‚etwas fehlt'(was für mich n beweis is für diese defaultstellung des cis-mannes)
    Dazu natürlich privilegien in der heterobeziehung-heiraten, keine homophoben übergriffe etc.
    Das aber bisexuellen anzulasten und von uns zu erwarten, uns politisch genehm zu verhalten um verfolgung und ausgrenzung aus beiden spären zu minimieren(und gleichzeitig gegen bi-erasure und fetischisierung zu kämpfen) halte ich für massiv problematisch..

    Die gleichen aussagen hören bisexuelle, die flüchten mussten-sie sollen einfach im geburtsland hetero performen und passen, schon sei verfolgung kein problem..
    Ein teil der identität abzutöten, zu unterdrücken nur um nicht verfolgt zu werden oder andere dinge ist wirklich ziemlich scheiße.. , vor allem-nachtrag- weil exakt sowas genutzt wird und wurde um besexuellen flüchtenden asyl zu verweigern!
    (In deutschland wurde sogar einer lesbischen iranerin gesagt, sie solle ihre neigung ‚einfach‘ verstecken..
    Das eu-gericht hat diesen menschenverachtenden müll korrekterweise als inakzeptabel erkannt, aber das heisst ja nichts..

    Die idee, mensch könne einfach wählen, welchen teil der sex. Iddntität (konsensuell) auszuleben ist gefährlich-und ungesund dazu, bisexuelle, die ihre orientierung verstecken leiden viel häufiger daran(genauso wie alle lgbtqa, die sich selbst so unterdrücken)

    http://www.advocate.com/bisexuality/2014/07/01/bisexual-jamaican-denied-uk-asylum-due-dishonest-sexuality

    http://m.huffpost.com/uk/entry/4766466

    http://www.sciencedaily.com/releases/2013/12/131210072032.htm

  7. katha 21. September 2014 um 12:03 #

    Assuming bisexuals would be willing to „pass“ as anything other than bisexual.
    Expecting bisexual people to get services, information and education from heterosexual service agencies for their „heterosexual side“ (sic) and then go to gay and/or lesbian service agencies for their „homosexual side“ (sic)
    Being gay or lesbian and asking your bisexual friend about their lover only when that lover is the same sex/gender. 
    Thinking that people identify as bisexual because it’s „trendy“.
    Expecting a bisexual to identify as gay or lesbian when coupled with the „same“ sex/gender. ( ich würde da auch : expect bisexual people to perform only gay/lesbian identities by restricting their sexual behaviour and choosing of partners…dazuzählen, also perform die von ‚uns‘ als ‚richtig‘ klassifizierte sexualität.
    klingt btw so wie die fundis, die auch sagen, orientierung ist so, sie auszuleben aber aktive entscheidung(zur sünde) die position ist eine privilegierte, machtvolle, die intention die gleiche: performe deine sexualität nur wie ich es will, weil [ist sünde/reproduziert einen heterosexismus/vermehrt unsere nummern/macht klar auf welcher ’seite‘ du stehst…etc]

    Das ist(trendy aus deinem ersten eher biphoben text) schon ne liste…vll nachvollziehbar, warum ‚uns‘ das anpisst.
    https://lgbt.ucsd.edu/education/biphobia.html

  8. katha 21. September 2014 um 14:19 #

    http://stfubiphobia.tumblr.com/post/77771295619/on-bisexual-passing-privilege

    Ein tumblrpost, das sich wie ich finde, gut mit straight/passing privilege beschäftigt, bzw das ablehnt als eine art bi-erasure..

  9. krischik 11. Oktober 2014 um 16:23 #

    Kannst Du ein Glossar hinzufügen? Obwohl dich doch recht aufgeklärt bin habe etwa 25% der LGBT Fachausdrücke nicht verstanden. Und ich bin da nicht der einzige. Auf G+ gibt es auch ein Diskussion das der Text komplett unverständlich ist.

  10. Julia Lawson 14. Oktober 2014 um 19:19 #

    Also ich bin wirklich durch den zufälligsten Zufall der Zufälle hier gelandet und musste trotzdem stehen bleiben und lesen und fand diesen Beitrag schlichtweg interessant. Ich kenn mich wirklich schlecht aus was 90% der Begriffe und Kontexte angeht (die ich alle gegoogelt habe und finde das Rinderzuchtbetrieb eine viel schönere Erklärung ist als romantische Zweierbeziehung) und glaube behaupten zu können dieses Thema mit der Einstellung bekannt als „Beginners Mind“ gelesen zu haben.
    Was ich mich in diesem Zusammenhang frage, ist ob bei diesen ganzen BI CIS BIS DIS GAY MAY QUEER LEER Worthülsen nicht das eigentliche Untergeht, nämlich das Sarah Moni liebt weil sie den besten Kaffee macht und ihn ihr auch noch ans Bett bringt und Susi gerne mit Peter schläft weil er genau weiss welches Tempo sie mag und er findet dass ihre viel zu großen weißen Feinripp-Höschen super erotisch sind und Michael tierisch in Tim verknallt ist weil er die schönste und größte Zahnlücker der Stadt hat. Ein bisschen mehr Flohmarktgeist an dieser Stelle bitte: Weg mit den Etiketten und her mit indivuduell ausgehandelten Deals die für die beteiligten Parteien wertvoll sind!
    Was ich mich weiterhin frage ist warum ich mich im 21. Jahrhundert überhaupt noch dafür rechtfertigen muss bei irgendwem außer bei mir selber (und eventuell noch bei meine-n/m Pertner/n) mit wem oder in welcher Form (monogam, polygam 50/50 70/30 etc.) ich einen Rinderzuchtbetrieb ähhhh eine romantische Zweierbeziehung eingehe und vorallem wo und in welchen „Räumen“ ich mich dann mit dieser Person aufhalte oder wie Helge so schön sagt:“ Bei mir darf jeder machen was er will, fast so wie ein Hai!“

  11. Jenna 17. Mai 2015 um 11:47 #

    Liebe Heng, ich finde deine Texte im Allgemeinen sehr bereichernd und freue mich für dich, dass du bei der Missy jetzt auch ganz vorne mit dabei bist.Hab diesen Text und die ganze Debatte erst jetzt mitbekommen, er berührt mich aber, weshalb ich einfach einen Kommentar da lassen will.
    Mir hat dieser Text von dir weh getan, denn ich bin genau eine von denen, die du dann wohl scheiße findest, bzw. deren Ally du nicht sein willst (gut, eins muss ja nicht Ally für alle sein, aber in diesem Fall finde ich es doch einer sehr harten Logik folgend). Ich habe nämlich bisher nur heterosexuell zu lesende Beziehungen gehabt, würde mich aber trotzdem als bi bezeichnen (vielleicht auch pan, aber da ich nicht an einem Ort lebe, wo es eine großartige gelebte Subkultur von LGBTQIA gibt und ich daher noch nicht so viel Kontakt zu Inter- und Transmenschen hatte, bleibt es erstmal bei bi). Obwohl ich cis-heterosexuell aussehe (jedenfalls jetzt, war nicht immer so) und lebe, will ich mich also einfach so als bi labeln. Das liegt daran, dass das Begehren und Lieben bei mir nicht bei cis-Männern aufhört.
    Vor nicht allzu langer Zeit dachte ich daher „Cool, dann bin ich ja immerhin in der LGTBQIA-Community willkommen“ (gibt genug andere spaces, wo ich nicht willkommen bin oder entweder unsichtbar gemacht oder als zu anders herausgestellt werde). Dann hab ich aber leider erfahren, dass das so nicht stimmt, weil ich Lesben und Queers getroffen habe, die Bisexuellen ihre Identität abgesprochen haben. Das hat weh getan, denn bisher habe ich immer den Mund aufgemacht, wenn mir homophober Mist über den Weg gekrochen kam und war und bin mit aller Kraft darum bemüht, Vorurteilen, Abwertungen und Lügen, die über LGBTQIA-Menschen verbreitet werden, zu widersprechen und zu hinterlegen. Damit habe ich mich nicht immer beliebt gemacht. Will ich auch gar nicht. Tja, und jetzt erfahre ich, dass ich es aufgrund meiner Lebensweise nicht wert sein soll, dass Queers sich mit mir solidarisieren. Denn das ist doch genau die Aussage: Ich bin es nicht wert, dass du solidarisch mit mir bist. Gleichzeitig soll ich aber natürlich bitteschön immer solidarisch mit LGBTQIA-Leuten sein und für sie den Weg frei machen (mach ich gerne, das ist nicht das Problem!).
    Das Ganze bewirkt bei mir, dass ich mich noch weniger als jetzt schon traue, queere spaces überhaupt zu betreten. Ich weiß nicht, wie eins aufzutreten hat, wenn sie in einem queeren space akzeptiert werden will, aber so, wie ich und mein Partner* sind (der übrigens auch bi ist und genauso gegen Gendernormen kämpft wie ich – mit Worten und mit Taten), sind wir wohl nicht willkommen. Und deshalb bleiben wir zu Hause und gehen nicht zu der Queer-Party und machen nicht bei LGBTQIA-Soliaktionen mit und müssen damit leben, weiterhin von anderen, auch von anderen aus dem LGBTQIA-Spektrum, als Hetenpaar gelesen zu werden. Schade irgendwie, aber das ist dann jawohl genau das, was du gerne haben möchtest – immerhin damit haben wir dann wohl instinktiv richtig gehandelt.
    Sorry über den langen Laber-Post. Irgendwie habe ich aber den Eindruck, dass sich auch niemand in der Debatte so richtig traute, zuzugeben, zwar bi zu sein, aber (auf den oberflächlichen Blick) „heterosexuell“ zu leben, deshalb wollte ich das ausführlicher beschreiben.

    Ganz liebe Grüße,
    Jenna

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  1. Heten-Flecke und echte Queerness | - 16. September 2014

    […] wieder in die Realität: Ich lese also Hengs neuen Text:Warum ich mir vorstellen könnte, mich auch mal als Bi-Ally zu positionieren. Schickimicki-etwas gegen Bi-Feindlichkeit! Leider entarnt sich der Text als etwas das ich aus […]

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