That time of the year: Redefining Ramadan

18 Jun

Zum ersten Mal fastete ich im Jahr 2003 an Ramadan. Ich war zwölf und fasste diesen Entschluss sehr spontan. Das war gleichzeitig der Moment, an dem mich intensiv mit den täglichen Betzeiten auseinandersetzte. Das Durchhalten der Fastenzeit, dieses neue Bewusstsein, gaben mir ein Gefühl der Stärke und der Verbundenheit mit meinen muslimischen Geschwistern.

Das letzte Mal fastete ich mit 16. Ich hatte einen schlechten Tag, mir wurde morgens schwarz vor Augen und ich kippte um. Es waren nur noch ein paar wenige Tage im Fastenmonat übrig. Noch nie zuvor zeigte mein Körper Schwäche, also respektierte ich dieses Zeichen. Danach sammelte sich der internalisierte anti-muslimische Rassismus (insbesondere aufgetreten durch Mangel an emanzipatorischer Aufklärung über islamische Kultur) so stark, dass ich Ramadan nur noch am Essverhalten meiner Eltern bemerkte. Ich hatte nichts gegen Ramadan, ich hatte nur die Bindung zu meinem Glauben verloren. Was mir damals nicht bewusst war: You don’t just stop being a Muslima. Einige Jahre später finde ich mich wieder darin, meine muslimische Identität neu zu definieren und zu zelebrieren. Warum genau habe ich irgendwelche basic Kartoffeln die Macht gegeben, mich von meinen Wurzeln zu entfremden und einen rassistischen Selbsthass zu empfinden? White feminism is misleading, I guess. And gross.

Von meinen körperlichen Bedürfnissen her weiß ich, dass ich das konsequente Fasten nicht schaffen werde. Auch nicht, wenn ich Wasser trinke. Deshalb bin ich in mich gegangen und habe überlegt, wie Ramadan für mich umsetzbar sein kann. Ich habe beschlossen, auf das Rauchen, auf Alkohol, Koffein und andere Drogen, sowie auf unnötigen Konsum und Shopping zu verzichten. Ich habe oft dazu tendiert, depressive Phasen mit überteuerten Klamotten zu kompensieren, aber diesen Monat möchte ich Alternativen suchen. Ich will wieder täglich meditieren, mich strikt vegan ernähren – zumindest, wenn ich alleine bin. Anderen gegenüber will ich offen, geduldig und großzügig sein. Kein Foodporn auf Instagram, Tumblr oder Facebook, es sei denn, es handelt sich um Iftar. Kein Gossiping, keine falschen Zuschreibungen.

Einen Verzicht auf Süßigkeiten und Fast Food halte ich aus fett-positiver und feministischer Haltung nicht für die beste Lösung. Ramadan ist keine Diät, sondern gilt der Spiritualität. Ich habe es immer gehasst, wenn nicht-muslimische weiße Leute mich gefragt haben, ob ich durch das Fasten abnehme. Als ob es darum ginge und nicht um Besinnung und ein Kollektivgefühl.

Was, wenn nervige Maskus oder andere Nervensägen diese Phase ausnutzen? Da sag ich gleich an dieser Stelle, dass sich die Mühe nicht lohnt. Denn ein wichtiges Thema ist für mich auch Selbstfürsorge. Ich lasse mich auf keine Diskussionen ein, die destruktiv sind. Ich fange sie gar nicht erst an. Wenn problematische Personen mich wirklich ärgern, dann versuche ich, ihnen aus dem Weg zu gehen und die Situation nicht eskalieren zu lassen. In mich gehen, nachdenken, ablenken.

Und nicht vergessen, mir selbst zu verzeihen, wenn ich mit einem Vorsatz doch mal brechen muss.

 

2 Antworten to “That time of the year: Redefining Ramadan”

  1. schwarzrund 18. Juni 2015 um 16:56 #

    Ich wünsch dir eine gute Zeit und auch ein wenig Ausatmen und Kraftsammeln zum weiterleben in dieser Geellschaft🙂

Trackbacks/Pingbacks

  1. Mädchenmannschaft » Blog Archive » Vorbilder, der NSU Untersuchungsausschuss und überall bewertete Körper – Die Blogschau - 4. Juli 2015

    […] Seit dem 18. Juni bis noch zum 16. Juli ist Ramadan. Hengameh schreibt bei tea-riffic über Erfahrungen mit Fasten, (internalisierter) anti-muslimischen Rassismus und dem Ausloten eigener spir…. […]

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