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Mini Queer Zine-Fest Haul PT. I

19 Sep

Vor knapp zwei Wochen fand im FAQ in Neukölln das Mini Queer Zine-Fest statt, wo ich nicht nur mein erstes größeres Zine ausgestellt und verkauft habe, sondern auch viele tolle Hefte mitgenommen habe. Nach und nach möchte ich euch meine Ausbeute zeigen und kurz rezensieren. Teil 1 beginnt jetzt.

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Fünf Buchvorsätze

23 Apr

Heute ist Welttag des Buches und es geht ein Blogstöckchen rum! Fabulous Charlott, ja, richtig, dat grrrl from the Taliban of Netzfeminismus, hat mich getaggt. Die Regeln sehen so aus:

Zähle 5 Bücher auf, die ganz oben auf deiner Wunschliste stehen, die aber KEINE Fortsetzungen von Büchern sind, die du schon gelesen hast – sie sollen also völlig neu für dich sein. Danach tagge 8 weitere Blogger und informiere diese darüber.

1. Sara Stridsberg – Darling River (2010)

Journalistin, Autorin und Feministin: In diesen Bereichen acet Sara Stridsberg easy-peasy. In ihrem Roman Traumfabrik las ich nicht nur zum ersten Mal über Valerie Solanas und dem S.C.U.M. Manifest, sondern entdeckte einen wichtigen Teil des schwedischen feministischen Popkultur. Sie hat Solanas Manifest ins Schwedische übersetzt und einen Lolita-inspirierten Roman namens Darling River geschrieben. Dieses hübsche Buch steht seit ein paar Monaten in meinem Regal und wartet darauf, dass ich meine fucking Bachelor-Arbeit hinter mich gebracht habe und mich in ihn stürze.

2. Alison Bechdel – Essential Dykes to Watch Out For (2008)

Wir haben vermutlich alle einen Crush auf sie, and let’s be real: Alison Bechdel = heroine 4 life! Nicht nur die Grrrls vom Rookie-Mag lieben sie, ich bin seit dem Bechdel-Test amazed. Am liebsten würde ich alle ihre Veröffentlichungen lesen, aber irgendwo muss ich wohl anfangen. Und ich wähle die Sammlung ihrer Comic-Strips Essential Dykes to Watch Out For. 

3. Kate Bornstein – Hello Cruel World: 101 Alternatives to Suicide for Teens, Freaks, and Other Outlaws: 101 Alternatives to Teen Suicide (2006)

Die Gender-Theoretikerin, Künstlerin, Trans*-Aktivistin und Fab Femme Kate Bornstein macht nicht nur empowernde Videos auf YouTube, sondern schreibt auch Bücher. Auch hier hätte ich gern die komplette Bibliographie und würde mit ihrem Guide für marginalisierte Jugendliche anfangen. In letzter Zeit denke ich viel über Empowerment für junge Menschen, die mit Unterdrückung zu kämpfen haben, nach und bin mir sicher, dass dieser Band einige schöne Denkanstöße geben kann.

4. Judith Halberstam – The Queer Art of Failure (2011)

Während meiner Recherchen in der Queer Theory stolperte ich häufig über die Theoretikerin Judith Halberstam. Neben ihren Publikationen über normative Geschlechterrollen ist es dieses Buch, das ich mir demnächst auf mein Kindle laden werde. Halberstam nimmt Popkultur und queere Kunst auf der Suche nach Subversion auseinander. Alle meine Lieblingsschlagwörter fallen, was soll ich noch sagen?

5. Tine Plesch – Rebel Girl: Popkultur und Feminismus (2013)

Knapp zehn Jahre nach dem Tod der Journalistin und DJ Tine Plesch werde ich ihre schlauen Sätze über die kapitalistische Popkulturindustrie in mich hineinsaugen und traurig werden, dass ich sie erst so spät entdeckt habe. Ihre Essays wurden nachträglich in diesem Band gesammelt, eine Bikini-Kill-Referenz schwingt im Titel mit und der Ventil-Verlag verspricht meistens tolle Veröffentlichungen. Ich schaue sehnsüchtig in mein Regal und freue mich auf die Zeit, in der ich im Präteritum über meine Bachelor-Arbeit spreche.

Jetzt muss ich noch schnell 8 Leute taggen. Und ich hätte gerne, dass ElaBäumchen, Mara, Chrisi, Paula, Franzi, Anika und RiotMango von ihren Buchvorsätzen erzählen.

Liebster Blog Award

23 Mrz

Kira von Kiraton.com nominierte mich für Liebster Award – discover new blogs! und ich freue mich sehr darüber. Die Regeln sind:

  • Verlinke die Person die dich nominiert hat.
  • Beantworte 11 Fragen die dir vom Blogger, der dich nominiert hat, gestellt wurden.
  • Nominiere 11 weitere Blogger mit weniger als 200 Followern.
  • Stelle 11 Fragen an deine Nominierten.
  • Informiere deine Nominierten über diesen Post.

Da mein Blog aber nicht so neu ist, werde ich das Weiterführen und Weiternominieren skippen – auch, weil ich nicht weiß, welche meiner Lieblingsblogs weniger als 200 Follower haben. Doch ich bin ein Fan von Fragen, deshalb löse ich den Teil schon ein.

  1. Montag morgen. Freude oder Graus?
    Graus. So much Graus.
  2. Was war der Auslöser für dich, mit dem Bloggen anzufangen?
    Ich glaube, es war MySpace. Jedenfalls lernte ich, dass echte Emos auch bloggen.
  3. Welche_r Superheld_in wärst du gern?
    Vermutlich Luna, Sailor Moons Katze.
  4. Wie sieht dein perfekter Sonntag aus?
    Er sollte an einem Ort stattfinden, an dem mir nicht bewusst ist, dass gerade Sonntag ist. Entweder draußen von lieben Menschen umgeben oder im dunklen Technoclub. Beides ist schön.
  5. Wohin würdest du gern mal reisen? Und warum?
    Ich würde gern mal nach Vancouver und Toronto. Mit 10 habe ich beschlossen, dass ich mal nach Kanada möchte, weil viele Musiker_innen und Schauspieler_innen, die ich gern mochte_mag aus Kanada kommen. Zum Beispiel Tegan and Sara oder Ellen Page.
  6. Was kannst du an dir gar nicht leiden?
    Ungeduld und Konsumlust. Wahrscheinlich, weil Letzteres zu Abzügen in meiner Aktivistinnencredibility führt.
  7. Was würdest du gern in dieser Welt verändern?
    Es wäre schon ziemlich feist, wenn wir patriarchal-rassistische Strukturen und den Kapitalismus überwinden könnten. Ansonsten wäre ich schon froh, wenn Geschäfte sonntags geöffnet wären und Konzerte nicht so teuer.
  8. Kämpfen?! Wofür?
    Der Kampf geht solange weiter, bis das schöne Leben™ für alle zugänglich ist. Fort mit Kackscheisze jeglicher Art!
  9. Wo und/oder willst du in diesem Jahr deinen Jahreswechsel verbingen?
    So weit kann ich noch gar nicht vorausplanen. Hauptsache mit zusammen mit Herzensmenschen und gutem Essen.
  10. Es es glitzert, es ist kitschig, ich …
    …schaue mir samstagnachts gemachte Fotos im nüchternen Zustand an.
  11. Wann hat dir das letzte mal jemand gedankt und warum?
    Eine Freundin*, weil ich an sie* gedacht hab.

Smash the norm

18 Mrz

[TW: Essstörungen]

Vor knapp einem Jahr erzählte ich schon mal ausführlich über Body-Image-Issues, die ich jahrelang hatte (TW: Essstörung, normreproduzierende Begriffe, Gewichtszahlen).

Obwohl auf meiner Twitter-Timeline die Parole „Riots not diets!“ gerade kritisiert wird – mit Recht -, ist diese einer meiner liebsten unter allen bekannten feministischen Catchphrases. Zum ersten Mal nahm ich diesen Satz bewusst war, als ich im September 2012 auf der enter_the_gap-Demo in Hamburg war. Auf Redebeiträgen und Flyern hatte ich schon viel Input über Bodyismus bekommen, der Höhepunkt war aber richtig fabulös.

Mit zwei Freundinnen lief ich im Demozug durch das wunderschöne Gängeviertel, die Sonne machte den Tag richtig angenehm und es war sowieso eine meiner ersten queer_feministischen Aktionen außerhalb des Netzes. Auf dem Dach eines Gebäudes ließen Menschen mit Pussy-Riot-Kopfbedeckung Konfetti herunter und sprachen ihre Solidarität mit den unterschiedlichen Blocks aus. Die Diversität war schließlich groß, auf Flyern wurden Schwerpunkte wie Sexwork, anti-rassistischer Feminismus, Trans*, Nicht-Binärität, Intersex und Essstörungen thematisiert, die Mühe um eine möglichst hohe Inklusion war groß.

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Aus einem Fenster wehte dieses Transparent mit der Aufschrift riots not diets – smash the norm, es war mal wieder so ein Zeitpunkt in meinem Leben, an dem ich meinen Körper gewaltvoll der Norm anpassen wollte, und dieser Augenblick war für mich extrem empowernd. Zum ersten Mal hatte ich wirklich das Gefühl, dass ich die Kraft, die ich ins Dieting investierte, auch einfach für den Ausdruck meiner [politischen] Wut verwenden könnte. Oder für andere Dinge, die mir gut tun. Durch Kleidergröße 36 würde ich dem System alles andere als den Mittelfinger zeigen, dabei war mir doch genau danach. Dieser Moment machte mir Mut, die Norm als schmerzhaft und unterdrückend zu erkennen und ihr nicht mehr entsprechen zu wollen. Mut für Subversion. Mut für: Mein Körper ist fett, ich habe keine Lust mehr, mich klein und unsichtbar zu machen, gewöhnt euch einfach an meine Speckrollen, ich schulde euch keinen flachen Bauch! Und Mut für: Ja, ich werde jetzt noch einen zweiten Teller vom Büffet nehmen, ich bin nämlich immer noch hungrig und es schmeckt köstlich und ich habe kein Problem damit, gefräßig rüberzukommen. Zumindest mehr Mut als ich je gehabt habe.

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Studium: Erwartungen vs. Realität

11 Dez

(Kurze Anmerkung vorweg: Diese Erfahrungen sind alle sehr stark persönlich geprägt und ich möchte niemandem absprechen, eine tolle Unizeit gehabt zu haben.)

Vor etwas mehr als zwei Jahren, im Oktober 2011, fing ich mein Studium an der Uni Freiburg an. Alle sagten mir, dass jetzt ein neuer, wichtiger Lebensabschnitt beginne. Dass ab jetzt alles anders wäre und ich aus dieses Zeit viel lernen werde, sowohl akademisch als auch street-smart-mäßig. Filme wie 13 Semester oder The Social Network versprachen mir, dass an der Uni etwas aus mir wird.

Das erste Semester war so enttäuschend, dass ich darüber nachgedacht hatte, zumindest die Uni und Stadt zu wechseln. Es wurde zwar besser, aber die Ernüchterung über das tatsächliche Studium hängt mir immer noch in den Knochen. Die größten Mythen?

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Selfie-Empowerment

27 Nov

[CW: Kommentare mit lookistischen, fat-shamenden, sexistischen Inhalten werden zitiert.]

Wort des Jahres ist laut dem Oxford Dictionary „selfie“. Wurde auch mal Zeit! Die Königin der Selfies bereicherte die Welt mit ihren Selbstbildnissen bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Aber auch nach Frida Kahlos Lebzeiten bleibt es populär, sich die Sichtbarkeit auf dieser Welt zu schaffen.

Darum geht es bei Selfies nämlich: Sichtbarkeit. Für allem für alle jene, die nicht auf Zeitschriftencovern, in Modereklamen und als Hauptrollen für Mainstreamschnulzen zu sehen sind. Anders als auf Jezebel behauptet wird sind Selfies kein Hilfeschrei, sondern in der Tat empowernd. Ich wurde wirklich wütend, als ich las, wie eine weiße, schlanke, ableisierte Journalistin mir meine Erfahrungen absprechen und bestimmen will, was als empowernd zu empfinden ist und was nicht. Weiterlesen

I tried to create a feminist Meme, I failed.

2 Nov

Donnerstagabend kam mir beim Pizzabacken die Idee, das altbewährte, aber sexistische (und oft auch anderweitig -istische) Meme „Deine Mudda“ zu reclaimen. Warum müssen immer die weiblichen Angehörigen durch den Kakao gezogen werden, damit eins ordentlich beleidigen kann?

Einfach den Spieß umdrehen™ und Väter beschimpfen war keine Option. Nicht alle haben/kennen ihre Väter oder möchten auf sie angesprochen werden.
Einen Ex haben zwar auch nicht alle, aber es sollte gar nicht um reale Exfreunde, sondern um heteronormative Cis-Het-Dudes gehen. Es gibt sie in unterschiedlichen Variationen, vom FPD-Mansplainer bis hin zum Antifa-Macker. Kritisiert werden sollen all diese Formen von weißer Männlichkeit, die uns im Alltag begegnen und uns nerven.
Schön daran ist, dass die Frauen* (oder Männer*, falls an sie adressiert) sich letztlich von diesen (nicht existierenden) Exen getrennt haben, denn es heißt ja nicht „dein Lover“. Mit einem Hauch von Kopfschütteln über die eigene Heten- oder RZB-Vergangenheit und einem Grinsen. Die Dudes sind aus der Ferne. Wahrscheinlich aufgrund ihrer ignoranten Männlichkeitsperformanz.

Diese beinhaltet in meinem Kopf alle Formen von Sexismus (Cis-, Hetero-, Mono-, usw.), Rassismus, Antisemitismus, Neo-Orientalismus, Breitmackertum und weitere Darstellungen von Dominanz und Ignoranz. Solche Typen tragen in meinem Kopf blonde Dreads, Fedoras oder War-Bonnets auf Festivals.

Gestern erzählte ich fröhlich meiner Twitter-Timeline von dieser Meme-Idee. Nur wenige verstanden allerdings, dass es ein Meme sein soll und keine Aufforderung, von ihren heterosexuellen, romantischen Zweierbeziehungen zu erzählen. Für diesen Sexismus gibt es schließlich #aufschrei.

Für Maskus und solche, die es gern wären, war der Hashtag natürlich gefundenes Futter. Der unter #DeinEx erscheinende Content bezieht sich kaum auf satirische Memes, sondern auf Hetenshit par excellence. Es wird sich darüber gefreut, dass der aktuelle Partner nicht in diese (nicht selten von Übergriffen handelnden, meist sexistischen) Muster reinpasst.

Was soll ich sagen? Herzlichen Glückwunsch. Dann gibt es noch das beliebte Lesben-Manhater-Bashing.

Von Dudes verfasste Tweets zitiere ich hier gar nicht erst, da könnte ich gleich ein altes, durchgekautes Kaugummi durch Hundescheiße ziehen und es auf meinen Blog kleben. Und das wäre im Vergleich zu den Tweets sogar noch artsy.

Jedenfalls hab ich aus diesem Hashtag gelernt. Sobald eins irgendetwas, was auch nur in geringstem Maße mit (in diesem Fall vorrangig heterosexuellen) romantischen Zweierbeziehungen in Verbindung gebracht werden könnte, wird definitiv mit RZB-Content gefüllt. Danke für nichts, Internet.