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Sprachliche Sichtbarmachung von Lebensrealitäten? VOLL SCHEISSE!

20 Nov

So richtig #geilon wird Die Deutsche Sprache™ vor allem von jenen gefunden, die große Fans von Goethe, Schiller, Kant und Co. sind. Erfahrungsgemäß – und angesichts der Inhalte letzterer – sind es Menschen, die Sexismen aller Art, Rassismen, Kolonialismus, Klassismus und sämtliche andere -ismen nicht soooo schlimm finden und gerne mal relativieren. Unter dem Schirmbegriff Sozialwissenschaftler_innen (oder, wie sie vermutlich selbst lieber sagen: Sozialwissenschaftler) ruhen sich mehrfachprivilegierte Menschen aus, die bei aller Liebe nicht wüssten, was an mehrheitlich von weißen Cistypen ausgedachter Kultur™ denn bitte problematisch sein soll. Dabei schneiden sie sich gerne mal ins eigene Fleisch.

Von den Theorien einiger dieser Typen lassen sich plausible Thesen ableiten. Ferdinant de Saussure meinte zum Beispiel so, dass ein Ding zwei Seiten hat: Die sprachliche Erfassung und seine Existenz. Ich sehe aus meinem Fenster und erkenne einen Baum. Ich weiß, dass es ein Baum ist, weil ich mit dem Glauben sozialisiert bin, dass Merkmale wie die Größe, Materialität und das Aussehen dieses Objekts darauf hinweisen, dass es ein Baum ist. Und dass es Baum heißt. Wenn etwas also existiert, braucht es auch eine sprachliche Instanz. Das ist eine Erkenntnis aus den Geisteswissenschaften. Weiterlesen

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My Body, My House #1

10 Nov

Cover

 

Hurra, hurra, mein erstes großes Zine-Projekt gibt es jetzt auch online: Unter dem Titel My Body, My House sammelte und arbeitete selbst an Beiträgen wie Collagen, Texten, Comics und Gedichten rund um das Thema Körper. Auf dem Mini-Queer-Zine-Fest im September gab es die ersten Print-Ausgaben zu kaufen, die sind momentan allerdings vergriffen und müssen nachgedruckt werden. Dafür gibt es die Online-Ausgabe hier zu lesen und zwar kostenlos. Viel Spaß damit!

„Woher kommst du?“

23 Okt

Aus der Uni.

Aus Kiel.

Aus Hamburg.

Aus Niedersachsen.

Aus dem Café.

Aus dem Uterus meiner Mutter.

Aus Buchholz.

Aus Freiburg.

Aus Schweden.

Aus Wien.

Aus den Medienkulturwissenschaften.

Aus einer muslimischen Familie.

Aus Neukölln.

Aus der U8.

Aus dem Bus.

Von der Arbeit.

Aus der Küche.

Aus einer iranischen Familie.

Aus der Dusche.

Aus einer schweren Depression.

Aus dem Internet.

Aus der Zukunft.

Aus der anti-rassistischen_queer_feministischen Praxis.

Aus der Kleinstadt.

Nicht vom Dorf.

Aus Deutschland.

„Ich verstehe deine Frage nicht.“

13 wirklich gruselige Halloween-Kostüme

7 Okt

Bis Halloween sind es zwar noch ein paar Wochen hin, aber die Geschäfte preisen ihre kackscheiszigen Perücken und Kostüme jetzt schon aggressiv an. Dass es rassistisch ist, sich als Schwarze Person, Mexikaner_in, Sinti und Roma, People of First Nations, Inuit, you name it, zu verkleiden, ist bei vielen in Deutschland noch nicht angekommen. Auch sind gegenderte Kostüme in der Regel sexistisch: Als Frauisierte ist es schwer, ein Kostüm zu finden, dass nicht „sexy“ ist.

Deshalb habe ich mir ein paar Gedanken gemacht und mir einfach umsetzbare D.I.Y.-Kostüme ausgedacht. Horror habe ich für mich selbst definiert und an alltägliche Dinge gedacht, die mir kalte Schauer von Angstschweiß verpassen.  Weiterlesen

Nicht mitgedacht

21 Sep

Es tut mir Leid, dass ich in meinem Text für Bifeindlichkeit viele Menschen nicht mitgedacht habe und sie damit verletzt habe. Ich schreibe diesen Post nicht, um verlorene Leser_innen zurückzugewinnen oder Everybody’s Darling zu werden, das kann ich ohnehin nicht, das will ich auch nicht. Ich schreibe diesen Nachtrag, weil mir einige Punkte bewusst wurden_bewusst gemacht wurden und ich mich für einige Aspekte entschuldigen möchte.

Allerdings entscheide ich mich dagegen, den Eintrag zu löschen, weil es Aspekte eines Diskurses unsichtbar machen würde und ich auch Verantwortung für problematische Aussagen übernehmen möchte. Ich werde ihn stattdessen mit einer großen Triggerwarnung versehen.
Zudem geht es in Teilen auch um problematische Umgänge mit Privilegien. That’s still a thing.

Jetzt geht es aber um Dinge, die ich nicht mitgedacht habe oder falsche Annahmen.

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Warum ich mir vorstellen könnte, mich auch mal als Bi-Ally zu positionieren

9 Sep

[TW: In diesem Text werden einige Dinge nicht mitgedacht, was dazu führt, dass der Text als bifeindlich gelesen werden kann. Einen Nachtrag mit Berichtigungen gibt es hier.]

Nachgetragener Vorspann: Dieser Text ist nicht aus einer lesbischen, sondern einer queer_feministischen Perspektive heraus geschrieben. Das bedeutet, dass es nicht in meinem Interesse liegt, irgendwelche Zugehörigkeiten zu bestimmen oder darüber zu urteilen, wer sich wie labeln soll. Ob eine Person „zu hetero“, „nicht bi“ oder nicht lesbisch genug“ ist, darüber habe ich nicht zu urteilen und will es auch nicht. Ich argumentiere auf einer anti-identitären Ebene. In der geht es darum, die Priorisierung von Cismännern in cisheterosexuellen, teils polygamen Beziehungen zu hinterfragen. Es geht um einen problematischen Umgang mit Privilegien, die vorhanden sind, selbst wenn sie nicht immer präsent sind. Lediglich der Umgang mit Unachtsamkeit hinsichtlich der unterschiedlichen Machtgefälle innerhalb der unterschiedlichen Beziehungen – einer Sache, die meinen eigenen Erfahrungen nach zu Teilen besteht – wird kritisiert. Ich schreibe auch aus der Perspektive einer Person, die sich selbst eine Zeit lang bisexuell verortet hat, aber es nicht mehr tut, weil „bisexuell“ nicht umfassend genug ist.

Für die einen ist es ein konstruierter Mythos, für die anderen exkludierende Realität: Bifeindlichkeit. Es fühlt sich an, als wäre Bisexualität ein schwieriger Knackpunkt in verschiedenen queer_feministischen Kontexten. Lange Zeit hatte ich Schwierigkeiten, mich selbst dazu zu positionieren, jetzt versuche ich es mal mit Gedankenfetzen.

Manchmal richtet sich Bifeindlichkeit auch an Cisfrauen, die sich bisexuell verorten und mit dem Knutschfleck des Boyfriends auf dem Hals queere Räume betreten, weil sie sich „auch vorstellen könnten, mal was mit Frauen* zu haben“, dort aber am Ende nur von ihrer Hetenbeziehung reden. Tatsächlich habe ich einige lesbischen Beziehungen beobachtet, in der eine der beiden ihre langjährige, parallel stattfindende RZB mit einem Typen sehr viel höher priorisiert und sich sogenannte Hetenprivilegien sichert. In erster Linie gab es immer den Cisboyfriend – vor allem im Beruf, vor der Familie oder auch sonst dort, wo es sich schick und praktisch macht, als Hete gelesen zu werden. Wurden alternative_queere Räume betreten, wurde das lesbische Date als Token genutzt und für das Highlighting der eigenen ach-so-subversiven-Queerness instrumentalisiert. Das kann vorkommen, manchmal. Weiterlesen

Richtig schlimm: Rassismus gegen whities

5 Sep

Wer kennt diese harte systematische Unterdrückung nicht: Täglich werden weiße Deutsche von People of Color und Schwarzen Menschen auf institutionalisierter Ebene fertig gemacht. Ihre Street Credibility wird niedrig eingeschätzt, mit ihren Haaren lassen sich keine Braids machen und manchmal werden sie „Kartoffel“ genannt.

#SchauHin hat einen Clip über diesen sogenannten umgekehrten Rassismus gedreht und es wurde bald klar: Well, shit, there is no such thing as reverse racism. All die weißen Tränen wurden also umsonst vergossen.