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My Body, My House #1

10 Nov

Cover

 

Hurra, hurra, mein erstes großes Zine-Projekt gibt es jetzt auch online: Unter dem Titel My Body, My House sammelte und arbeitete selbst an Beiträgen wie Collagen, Texten, Comics und Gedichten rund um das Thema Körper. Auf dem Mini-Queer-Zine-Fest im September gab es die ersten Print-Ausgaben zu kaufen, die sind momentan allerdings vergriffen und müssen nachgedruckt werden. Dafür gibt es die Online-Ausgabe hier zu lesen und zwar kostenlos. Viel Spaß damit!

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Fünf Buchvorsätze

23 Apr

Heute ist Welttag des Buches und es geht ein Blogstöckchen rum! Fabulous Charlott, ja, richtig, dat grrrl from the Taliban of Netzfeminismus, hat mich getaggt. Die Regeln sehen so aus:

Zähle 5 Bücher auf, die ganz oben auf deiner Wunschliste stehen, die aber KEINE Fortsetzungen von Büchern sind, die du schon gelesen hast – sie sollen also völlig neu für dich sein. Danach tagge 8 weitere Blogger und informiere diese darüber.

1. Sara Stridsberg – Darling River (2010)

Journalistin, Autorin und Feministin: In diesen Bereichen acet Sara Stridsberg easy-peasy. In ihrem Roman Traumfabrik las ich nicht nur zum ersten Mal über Valerie Solanas und dem S.C.U.M. Manifest, sondern entdeckte einen wichtigen Teil des schwedischen feministischen Popkultur. Sie hat Solanas Manifest ins Schwedische übersetzt und einen Lolita-inspirierten Roman namens Darling River geschrieben. Dieses hübsche Buch steht seit ein paar Monaten in meinem Regal und wartet darauf, dass ich meine fucking Bachelor-Arbeit hinter mich gebracht habe und mich in ihn stürze.

2. Alison Bechdel – Essential Dykes to Watch Out For (2008)

Wir haben vermutlich alle einen Crush auf sie, and let’s be real: Alison Bechdel = heroine 4 life! Nicht nur die Grrrls vom Rookie-Mag lieben sie, ich bin seit dem Bechdel-Test amazed. Am liebsten würde ich alle ihre Veröffentlichungen lesen, aber irgendwo muss ich wohl anfangen. Und ich wähle die Sammlung ihrer Comic-Strips Essential Dykes to Watch Out For. 

3. Kate Bornstein – Hello Cruel World: 101 Alternatives to Suicide for Teens, Freaks, and Other Outlaws: 101 Alternatives to Teen Suicide (2006)

Die Gender-Theoretikerin, Künstlerin, Trans*-Aktivistin und Fab Femme Kate Bornstein macht nicht nur empowernde Videos auf YouTube, sondern schreibt auch Bücher. Auch hier hätte ich gern die komplette Bibliographie und würde mit ihrem Guide für marginalisierte Jugendliche anfangen. In letzter Zeit denke ich viel über Empowerment für junge Menschen, die mit Unterdrückung zu kämpfen haben, nach und bin mir sicher, dass dieser Band einige schöne Denkanstöße geben kann.

4. Judith Halberstam – The Queer Art of Failure (2011)

Während meiner Recherchen in der Queer Theory stolperte ich häufig über die Theoretikerin Judith Halberstam. Neben ihren Publikationen über normative Geschlechterrollen ist es dieses Buch, das ich mir demnächst auf mein Kindle laden werde. Halberstam nimmt Popkultur und queere Kunst auf der Suche nach Subversion auseinander. Alle meine Lieblingsschlagwörter fallen, was soll ich noch sagen?

5. Tine Plesch – Rebel Girl: Popkultur und Feminismus (2013)

Knapp zehn Jahre nach dem Tod der Journalistin und DJ Tine Plesch werde ich ihre schlauen Sätze über die kapitalistische Popkulturindustrie in mich hineinsaugen und traurig werden, dass ich sie erst so spät entdeckt habe. Ihre Essays wurden nachträglich in diesem Band gesammelt, eine Bikini-Kill-Referenz schwingt im Titel mit und der Ventil-Verlag verspricht meistens tolle Veröffentlichungen. Ich schaue sehnsüchtig in mein Regal und freue mich auf die Zeit, in der ich im Präteritum über meine Bachelor-Arbeit spreche.

Jetzt muss ich noch schnell 8 Leute taggen. Und ich hätte gerne, dass ElaBäumchen, Mara, Chrisi, Paula, Franzi, Anika und RiotMango von ihren Buchvorsätzen erzählen.

Die eigene Heldin sein

4 Aug

Anfang Juli erschien auf TheAtlantic.com ein Artikel von Kelsey McKinney über das Fehlen von weiblichen Vorbildern in Coming-of-Age-Literatur. Basierend auf einem Ranking der 100 besten Romane stellte sich heraus, dass Protagonistinnen in Literaturklassikern in der Regel von der Liebe geleitet und auf der Suche nach einem Partner sind, während die zentralen Rollen wie in On The Road und The Catcher In The Rye mit der Selbstfindung beschäftigt sind. Mit der Ausnahme von Housekeeping fielen ihr keine Romane ein, in denen die Heldinnen komplett ohne romantische Storylines auskommen.

No one expects Holden Caulfield to find love at the end of his self-explorative adventure, and we shouldn’t expect every female character to either. Coming of age novels are supposed to be about finding yourself, not finding someone else.

Gerade im Jugendalter stellt eins sich Fragen wie „Wer bin ich eigentlich?“, „Wo bin ich eigentlich?“ oder „Wo will ich eigentlich hin?“. Romane, in denen über genau dies reflektiert wird, sollten nicht das Gefühl vermitteln, dass Jungen* die Abenteurer und Mädchen* die hoffnungslosen Romantikerinnen sein. Eins identifiziert sich natürlich nicht nur mit Figuren des eigenen Geschlechts, doch fühlt eins sich nicht vollständig repräsentiert. Zum einen gibt es Kämpfe, die eins aufgrund des zugeordneten Geschlechts führen muss, zum anderen variieren die gesellschaftlich akzeptierten Möglichkeiten. Die Konsequenzen des Handelns sind andere.

Ich dachte gestern noch lange über den Artikel nach. Fällt mir kein einziger Roman auf, in dem das Aufwachsen zur jungen Frau nicht mit der Suche nach einem romantischen Partner gleichgesetzt wird? Spontan nur eins: When God Was a Rabbit von Sarah Winman. Liebe ist ein Thema unter vielen, aber nicht primär die romantische, sondern vielmehr solche in Freundschaft und Familie. Eine Schwester-Bruder-Beziehung, wie sie hier dargestellt wird, habe ich selten in moderner Literatur gelesen.

Fallen euch noch mehr ein?

Bücherstapel 2013, Teil 1

16 Jan

In den letzten Jahren und Monaten sammelten sich immer mehr Bücher in meinem Regal, die ich noch nicht gelesen habe. Diesen Stapel hier nehme ich mir für 2013 allerdings fest vor und will auch gerne noch erweitern. (Kilometerlange Wunschliste bei Amazon, hallo!)

Reading List 2013, tbc

Im Stapel enthalten sind:

  • Fleischmarkt von Laurie Penny (heute angefangen)
  • Anleitung zum Unglücklichsein von Paul Watzlawik
  • Der große Gatsby von Scott Fitzgerald (ja, ich gestehe, ich habe mir vor zwei Jahren das Buch geholt und es immer noch nicht geschafft)
  • The Bell Jar von Sylvia Plath
  • Western Avenue von Charles Bukowski
  • Gedichte, die einer schrieb, bevor er im 8. Stockwerk aus dem Fenster sprang von Charles Bukowski
  • ein Buch zur Fotografie von Cartier-Bresson
  • Ruhe da oben! von Andreas Knuf
  • Film Theory – an introduction through the scenes von Thomas Elsässer und Malte Hagener
  • POPism von Andy Warhol und Pat Hackett
  • Bitchsm von Lady Bitch Ray

Wie ihr seht, sind es sehr verschiedene Werke, von Ratgebern, Handbüchern, feministischen Sachbüchern und frauenfeindlichen Gedichtebänden bis hin zu Romanen aus der Weltliteratur. Vor allem bei letzterem bin ich gespannt.
Wenn die Zeit es mal erlaubt, werde ich mich in die Bibliothek des Kunstgeschichtlichen Seminars setzen und mir Bücher von Sophie Calle anschauen. Und das hier will ich mir kaufen, wenn ich ungefähr die Hälfte des Stapels durch habe.

Depressionen sind doch kein Grund, traurig zu sein

16 Jan

Gestern Nacht las ich Kathrin Weßlings Roman „Drüberleben – Depressionen sind doch kein Grund, traurig zu sein“ durch. Ich war schon zwischendurch überwältigt von ihrem Schreibstil und dem Roman, es gab zahlreiche Passagen, die ich am liebsten an meine Wand schreiben würde. Zum Beispiel diese.

Es geht um Ida, eine vierzwanzigjährige aus H., die ihr Leben nicht auf die Reihe bekommt, es nie wirklich geschafft hat zu leben. Zum dritten Mal geht sie in die Psychiatrie, will den Alkohol hinter sich lassen, ihre Unordnung beseitigen, endlich einen Tagesrhythmus haben, soziale Kontakte und einen Plan.
Treffend, ästhetisch und berührend erzählt sie von ihrem Kopfchaos und ihrer Zeit in der Klinik.

Meiner Meinung nach ist es eines der besten deutschen Romane, die nach dem Jahr 2000 erschienen sind, deshalb rate ich euch, es zu lesen, zu kaufen, zu verbreiten. Unbedingt!

Raven wegen Deutschland

29 Feb

Auf der „Raven wegen Deutschland“-Lesetour von Torsun und Kulla gab es auch einen Zwischenstopp im Freiburger White Rabbit. Mit untermalenden Videos, Bildern und Musikstücken trugen die beiden unter anderem die Ereignisse des Wissenschaftssommers 2007, Ketaminversuchen, Verhütungspannen und dem Leben in Darmstadt vor.
Die Leseproben waren sehr humorvoll, authentisch und bildlich, ich musste sehr oft sehr laut lachen. Im Buch geht es nicht nur um die Bandgeschichte Egotronics, sondern auch um politische Eindrücke und private Erlebnisse Torsuns. (Lesenswert!)

Anschließend haben Torsun und ich uns für einen Augenblick zusammengesetzt, sodass er auf einige Fragen eingehen konnte. Was er zum Thema konservativer Fans, hedonistischer Früherziehung und Piraterie erzählt, könnt ihr euch hier anhören. Ich hoffe, man versteht die Fragen gut, ansonsten gebt mir Bescheid, ich werde sie dann schriftlich veröffentlichen.

 

The End’s Near

12 Jul

Vor 10 Jahren hat der Zauber bei mir begonnen. Zugegeben, ich gehöre nicht zu denjenigen, die schon seit der ersten Stunde dabei sind, aber das macht die Sache nicht einfacher.

An einem verregneten Novemberabend im Jahre 2001 – es war der 17.11.2001, um genau zu sein – überreichte mir eine Freundin meiner Mutter ein Geschenk, das mein Leben verändern würde. Nein, es war kein Bausparvertrag oder ein Pferd (über letzteres hätte ich mich auch nicht gefreut, wenn ich ehrlich bin), sondern ein Roman. Ich war dafür bekannt, dass ich ein Bücherwurm war und meine Lektüre entweder in der Hand, im Gepäck oder unter dem Kopfkissen hatte.

Vorsichtig riss ich das Geschenkpapier auf und blickte auch ein gebundenes Buch mit einem grünen Rücken. Ich strich über das Cover, es fühlte sich schön weich an. Ein Junge mit zerzausten Haaren und einer bunten, schief sitzenden Brillen starrte pfiffig zur Seite.
„Harry Potter und der Stein der Weisen“ war der Titel, die Buchstaben leuchteten in einem kräftigen Gelb. „Harry Potter“, dachte ich, „davon habe ich die Werbung gesehen.“

Sobald ich die ersten Seiten gelesen hatte, verschlang ich das Buch, kurz darauf war ich im Kino und schaute mir den Film an. Von Freundinnen und Bekannten lieh ich mir die Fortsetzungen aus und vertiefte mich in die Welt des Jungen, der überlebte.
Es wurde zur Tradition, die Bücher und Filme kurz nach der Veröffentlichung zu genießen, in der Schule ausgiebig darüber zu sprechen und anfangs auch in Hinterhöfen auf Fahrradständern Quidditch zu spielen (aber nur semi-professionell, ich war immer Hermine und meine Freundin war immer Ginnie Weasley).

Die ersten Fanartikel schmückten mein Zimmer, ich besitze jetzt noch Schlüsselanhänger, Kalender, Briefpapier und einen riesigen goldenen Schnatz (den ich zum 19. Geburtstag bekam, danke an dieser Stelle <3).
All die Jahre lang haben die Geschichten und Weisheiten von Frau Rowling mich begleitet, sie haben mich inspiriert und aufgebaut, haben mir gezeigt, wie wichtig Mut, Freundschaft und Loyalität ist (natürlich habe ich diese Dinge nicht nur aus den Büchern gelernt, aber sie haben stark dazu beigetragen).

Und heute Nacht schließt sich der Kreis, heute Nacht ist es vorbei. Um 0:01 Uhr werde ich im Kino sitzen und ein letztes Mal gespannt in den Genuss einer Verfilmung dieser Buchreihe kommen. Allerdings wird der Zauber für mich nicht aufhören. In meinem Kopf und in meinem Herzen wird es immer weiter gehen.