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My Body, My House #1

10 Nov

Cover

 

Hurra, hurra, mein erstes großes Zine-Projekt gibt es jetzt auch online: Unter dem Titel My Body, My House sammelte und arbeitete selbst an Beiträgen wie Collagen, Texten, Comics und Gedichten rund um das Thema Körper. Auf dem Mini-Queer-Zine-Fest im September gab es die ersten Print-Ausgaben zu kaufen, die sind momentan allerdings vergriffen und müssen nachgedruckt werden. Dafür gibt es die Online-Ausgabe hier zu lesen und zwar kostenlos. Viel Spaß damit!

Fünf Buchvorsätze

23 Apr

Heute ist Welttag des Buches und es geht ein Blogstöckchen rum! Fabulous Charlott, ja, richtig, dat grrrl from the Taliban of Netzfeminismus, hat mich getaggt. Die Regeln sehen so aus:

Zähle 5 Bücher auf, die ganz oben auf deiner Wunschliste stehen, die aber KEINE Fortsetzungen von Büchern sind, die du schon gelesen hast – sie sollen also völlig neu für dich sein. Danach tagge 8 weitere Blogger und informiere diese darüber.

1. Sara Stridsberg – Darling River (2010)

Journalistin, Autorin und Feministin: In diesen Bereichen acet Sara Stridsberg easy-peasy. In ihrem Roman Traumfabrik las ich nicht nur zum ersten Mal über Valerie Solanas und dem S.C.U.M. Manifest, sondern entdeckte einen wichtigen Teil des schwedischen feministischen Popkultur. Sie hat Solanas Manifest ins Schwedische übersetzt und einen Lolita-inspirierten Roman namens Darling River geschrieben. Dieses hübsche Buch steht seit ein paar Monaten in meinem Regal und wartet darauf, dass ich meine fucking Bachelor-Arbeit hinter mich gebracht habe und mich in ihn stürze.

2. Alison Bechdel – Essential Dykes to Watch Out For (2008)

Wir haben vermutlich alle einen Crush auf sie, and let’s be real: Alison Bechdel = heroine 4 life! Nicht nur die Grrrls vom Rookie-Mag lieben sie, ich bin seit dem Bechdel-Test amazed. Am liebsten würde ich alle ihre Veröffentlichungen lesen, aber irgendwo muss ich wohl anfangen. Und ich wähle die Sammlung ihrer Comic-Strips Essential Dykes to Watch Out For. 

3. Kate Bornstein – Hello Cruel World: 101 Alternatives to Suicide for Teens, Freaks, and Other Outlaws: 101 Alternatives to Teen Suicide (2006)

Die Gender-Theoretikerin, Künstlerin, Trans*-Aktivistin und Fab Femme Kate Bornstein macht nicht nur empowernde Videos auf YouTube, sondern schreibt auch Bücher. Auch hier hätte ich gern die komplette Bibliographie und würde mit ihrem Guide für marginalisierte Jugendliche anfangen. In letzter Zeit denke ich viel über Empowerment für junge Menschen, die mit Unterdrückung zu kämpfen haben, nach und bin mir sicher, dass dieser Band einige schöne Denkanstöße geben kann.

4. Judith Halberstam – The Queer Art of Failure (2011)

Während meiner Recherchen in der Queer Theory stolperte ich häufig über die Theoretikerin Judith Halberstam. Neben ihren Publikationen über normative Geschlechterrollen ist es dieses Buch, das ich mir demnächst auf mein Kindle laden werde. Halberstam nimmt Popkultur und queere Kunst auf der Suche nach Subversion auseinander. Alle meine Lieblingsschlagwörter fallen, was soll ich noch sagen?

5. Tine Plesch – Rebel Girl: Popkultur und Feminismus (2013)

Knapp zehn Jahre nach dem Tod der Journalistin und DJ Tine Plesch werde ich ihre schlauen Sätze über die kapitalistische Popkulturindustrie in mich hineinsaugen und traurig werden, dass ich sie erst so spät entdeckt habe. Ihre Essays wurden nachträglich in diesem Band gesammelt, eine Bikini-Kill-Referenz schwingt im Titel mit und der Ventil-Verlag verspricht meistens tolle Veröffentlichungen. Ich schaue sehnsüchtig in mein Regal und freue mich auf die Zeit, in der ich im Präteritum über meine Bachelor-Arbeit spreche.

Jetzt muss ich noch schnell 8 Leute taggen. Und ich hätte gerne, dass ElaBäumchen, Mara, Chrisi, Paula, Franzi, Anika und RiotMango von ihren Buchvorsätzen erzählen.

Die eigene Heldin sein

4 Aug

Anfang Juli erschien auf TheAtlantic.com ein Artikel von Kelsey McKinney über das Fehlen von weiblichen Vorbildern in Coming-of-Age-Literatur. Basierend auf einem Ranking der 100 besten Romane stellte sich heraus, dass Protagonistinnen in Literaturklassikern in der Regel von der Liebe geleitet und auf der Suche nach einem Partner sind, während die zentralen Rollen wie in On The Road und The Catcher In The Rye mit der Selbstfindung beschäftigt sind. Mit der Ausnahme von Housekeeping fielen ihr keine Romane ein, in denen die Heldinnen komplett ohne romantische Storylines auskommen.

No one expects Holden Caulfield to find love at the end of his self-explorative adventure, and we shouldn’t expect every female character to either. Coming of age novels are supposed to be about finding yourself, not finding someone else.

Gerade im Jugendalter stellt eins sich Fragen wie „Wer bin ich eigentlich?“, „Wo bin ich eigentlich?“ oder „Wo will ich eigentlich hin?“. Romane, in denen über genau dies reflektiert wird, sollten nicht das Gefühl vermitteln, dass Jungen* die Abenteurer und Mädchen* die hoffnungslosen Romantikerinnen sein. Eins identifiziert sich natürlich nicht nur mit Figuren des eigenen Geschlechts, doch fühlt eins sich nicht vollständig repräsentiert. Zum einen gibt es Kämpfe, die eins aufgrund des zugeordneten Geschlechts führen muss, zum anderen variieren die gesellschaftlich akzeptierten Möglichkeiten. Die Konsequenzen des Handelns sind andere.

Ich dachte gestern noch lange über den Artikel nach. Fällt mir kein einziger Roman auf, in dem das Aufwachsen zur jungen Frau nicht mit der Suche nach einem romantischen Partner gleichgesetzt wird? Spontan nur eins: When God Was a Rabbit von Sarah Winman. Liebe ist ein Thema unter vielen, aber nicht primär die romantische, sondern vielmehr solche in Freundschaft und Familie. Eine Schwester-Bruder-Beziehung, wie sie hier dargestellt wird, habe ich selten in moderner Literatur gelesen.

Fallen euch noch mehr ein?

Bücherstapel 2013, Teil 1

16 Jan

In den letzten Jahren und Monaten sammelten sich immer mehr Bücher in meinem Regal, die ich noch nicht gelesen habe. Diesen Stapel hier nehme ich mir für 2013 allerdings fest vor und will auch gerne noch erweitern. (Kilometerlange Wunschliste bei Amazon, hallo!)

Reading List 2013, tbc

Im Stapel enthalten sind:

  • Fleischmarkt von Laurie Penny (heute angefangen)
  • Anleitung zum Unglücklichsein von Paul Watzlawik
  • Der große Gatsby von Scott Fitzgerald (ja, ich gestehe, ich habe mir vor zwei Jahren das Buch geholt und es immer noch nicht geschafft)
  • The Bell Jar von Sylvia Plath
  • Western Avenue von Charles Bukowski
  • Gedichte, die einer schrieb, bevor er im 8. Stockwerk aus dem Fenster sprang von Charles Bukowski
  • ein Buch zur Fotografie von Cartier-Bresson
  • Ruhe da oben! von Andreas Knuf
  • Film Theory – an introduction through the scenes von Thomas Elsässer und Malte Hagener
  • POPism von Andy Warhol und Pat Hackett
  • Bitchsm von Lady Bitch Ray

Wie ihr seht, sind es sehr verschiedene Werke, von Ratgebern, Handbüchern, feministischen Sachbüchern und frauenfeindlichen Gedichtebänden bis hin zu Romanen aus der Weltliteratur. Vor allem bei letzterem bin ich gespannt.
Wenn die Zeit es mal erlaubt, werde ich mich in die Bibliothek des Kunstgeschichtlichen Seminars setzen und mir Bücher von Sophie Calle anschauen. Und das hier will ich mir kaufen, wenn ich ungefähr die Hälfte des Stapels durch habe.

Depressionen sind doch kein Grund, traurig zu sein

16 Jan

Gestern Nacht las ich Kathrin Weßlings Roman „Drüberleben – Depressionen sind doch kein Grund, traurig zu sein“ durch. Ich war schon zwischendurch überwältigt von ihrem Schreibstil und dem Roman, es gab zahlreiche Passagen, die ich am liebsten an meine Wand schreiben würde. Zum Beispiel diese.

Es geht um Ida, eine vierzwanzigjährige aus H., die ihr Leben nicht auf die Reihe bekommt, es nie wirklich geschafft hat zu leben. Zum dritten Mal geht sie in die Psychiatrie, will den Alkohol hinter sich lassen, ihre Unordnung beseitigen, endlich einen Tagesrhythmus haben, soziale Kontakte und einen Plan.
Treffend, ästhetisch und berührend erzählt sie von ihrem Kopfchaos und ihrer Zeit in der Klinik.

Meiner Meinung nach ist es eines der besten deutschen Romane, die nach dem Jahr 2000 erschienen sind, deshalb rate ich euch, es zu lesen, zu kaufen, zu verbreiten. Unbedingt!

Raven wegen Deutschland

29 Feb

Auf der „Raven wegen Deutschland“-Lesetour von Torsun und Kulla gab es auch einen Zwischenstopp im Freiburger White Rabbit. Mit untermalenden Videos, Bildern und Musikstücken trugen die beiden unter anderem die Ereignisse des Wissenschaftssommers 2007, Ketaminversuchen, Verhütungspannen und dem Leben in Darmstadt vor.
Die Leseproben waren sehr humorvoll, authentisch und bildlich, ich musste sehr oft sehr laut lachen. Im Buch geht es nicht nur um die Bandgeschichte Egotronics, sondern auch um politische Eindrücke und private Erlebnisse Torsuns. (Lesenswert!)

Anschließend haben Torsun und ich uns für einen Augenblick zusammengesetzt, sodass er auf einige Fragen eingehen konnte. Was er zum Thema konservativer Fans, hedonistischer Früherziehung und Piraterie erzählt, könnt ihr euch hier anhören. Ich hoffe, man versteht die Fragen gut, ansonsten gebt mir Bescheid, ich werde sie dann schriftlich veröffentlichen.

 

The End’s Near

12 Jul

Vor 10 Jahren hat der Zauber bei mir begonnen. Zugegeben, ich gehöre nicht zu denjenigen, die schon seit der ersten Stunde dabei sind, aber das macht die Sache nicht einfacher.

An einem verregneten Novemberabend im Jahre 2001 – es war der 17.11.2001, um genau zu sein – überreichte mir eine Freundin meiner Mutter ein Geschenk, das mein Leben verändern würde. Nein, es war kein Bausparvertrag oder ein Pferd (über letzteres hätte ich mich auch nicht gefreut, wenn ich ehrlich bin), sondern ein Roman. Ich war dafür bekannt, dass ich ein Bücherwurm war und meine Lektüre entweder in der Hand, im Gepäck oder unter dem Kopfkissen hatte.

Vorsichtig riss ich das Geschenkpapier auf und blickte auch ein gebundenes Buch mit einem grünen Rücken. Ich strich über das Cover, es fühlte sich schön weich an. Ein Junge mit zerzausten Haaren und einer bunten, schief sitzenden Brillen starrte pfiffig zur Seite.
„Harry Potter und der Stein der Weisen“ war der Titel, die Buchstaben leuchteten in einem kräftigen Gelb. „Harry Potter“, dachte ich, „davon habe ich die Werbung gesehen.“

Sobald ich die ersten Seiten gelesen hatte, verschlang ich das Buch, kurz darauf war ich im Kino und schaute mir den Film an. Von Freundinnen und Bekannten lieh ich mir die Fortsetzungen aus und vertiefte mich in die Welt des Jungen, der überlebte.
Es wurde zur Tradition, die Bücher und Filme kurz nach der Veröffentlichung zu genießen, in der Schule ausgiebig darüber zu sprechen und anfangs auch in Hinterhöfen auf Fahrradständern Quidditch zu spielen (aber nur semi-professionell, ich war immer Hermine und meine Freundin war immer Ginnie Weasley).

Die ersten Fanartikel schmückten mein Zimmer, ich besitze jetzt noch Schlüsselanhänger, Kalender, Briefpapier und einen riesigen goldenen Schnatz (den ich zum 19. Geburtstag bekam, danke an dieser Stelle <3).
All die Jahre lang haben die Geschichten und Weisheiten von Frau Rowling mich begleitet, sie haben mich inspiriert und aufgebaut, haben mir gezeigt, wie wichtig Mut, Freundschaft und Loyalität ist (natürlich habe ich diese Dinge nicht nur aus den Büchern gelernt, aber sie haben stark dazu beigetragen).

Und heute Nacht schließt sich der Kreis, heute Nacht ist es vorbei. Um 0:01 Uhr werde ich im Kino sitzen und ein letztes Mal gespannt in den Genuss einer Verfilmung dieser Buchreihe kommen. Allerdings wird der Zauber für mich nicht aufhören. In meinem Kopf und in meinem Herzen wird es immer weiter gehen.

Reality is just as thin as paper

28 Jun

Sonntag habe ich viele neue Eindrücke gesammelt. Mit diesen drei Werken habe ich mich beschäftigt:

Mit Veronika beschließt zu sterben habe ich vor zwei Wochen angefangen. Es geht um ein junges Mädchen, das an einem Suizidversuch scheitert und in ein Sanatorium kommt. Dort erfährt sie von den Fachärzten, dass sie nur noch wenige Tage zu leben hat, da ihr Herz einen immensen Schaden von der Überdosis an Schlaftabletten trägt.
Egal, wie sehr man sich den Tod wünscht, dieses Buch zeigt, dass das bewusste Warten eine andere Dimension der Lebensmüdigkeit ist. Plötzlich könnte man nämlich doch bemerken, dass man Freude oder gar einen Sinn in seiner Existenz findet. Der Roman tut, was er sollte, regt stark zum Nachdenken an.

Als nächstes las ich die neue Arbeit von Jonathan Safran Foer, einem von mir sehr geschätzten Autor. Tree of Codes  ist ein ganz besonderes Buch.
Es handelt sich dabei eigentlich um „The Street of Crocodiles“ von dem jüdischen Autor Bruno Schulz, Foers Lieblingsroman. Daraus hat er allerdings eine komplett neue Geschichte gemacht, indem er verschiedene Textpassagen ausstanzen ließ. Aufgeschlagen sieht das ganze so aus:

Dementsprechend aufwendig war auch die Herstellung dieses Exemplars (und dementsprechend hoch der Preis).
Ich brauchte nicht lang, bis ich das Buch durchgelesen hatte, aber jedes einzelne Wort wirkte auf mich so unglaublich illusionierend und inspirierend, dass ich das Gefühl hatte, es stamme aus einer anderen Welt.

Den Tag schloss ich mit einem Film namens „Alles ist erleuchtet“ ab. Den Roman dazu (original „Everything Is Illuminated“) hat der gute Foer geschrieben. Ich muss sagen, dass dies eine der besten Buchverfilmungen ist, die ich geh gesehen habe.
Die Umsetzung war so unglaublich gut gelungen, die Besetzung mit Elijah Wood als Jonathan Safran Foer war sehr passend und der Soundtrack ebenfalls.
Ich war so berührt von dem Film, all die Traurigkeiten wurden 1:1 eingefangen und verbildlicht, dass man das Gefühl hatte, den Roman neu zu leben.

Ist wer von euch schon in den Genuss dieser drei Kunstwerke gekommen?

Le Petit Prince

5 Feb

Alle großen Leute sind einmal Kinder gewesen (aber wenige erinnern sich daran.

Einer der genialsten Romane, die ich jemals lesen durfte, ist „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry. Kein Kinderbuch habe ich als so dermaßen berührend, wahr, niedlich, simpel und doch tiefgründig empfunden wie dieses. Geschmückt mit schönen Zeichnungen des Autors und treffenden Zitaten kann das Buch auch als eine Ersatz-Bibel verstanden werden.
Saint-Exupérie erzählt nämlich nicht nur von der kuriosen Bekanntschaft zwischen einem in der Wüste gelandeten Piloten und dem kleinen Prinzen, sondern versteckt in der Geschichte einige philosophische Aspekte, die bei genauem Hinsehen klar und verständlich dargestellt werden.

Die großen Leute

Man ist auch bei den Menschen einsam.

Die „großen Leute“ werden als verbittert, gestresst, gierig, widersprüchlich und einsam dargestellt. Es fehlt ihnen nicht nur an Fantasie, sondern auch an sozialen Kontakten und Zeit. Materialistisch und ignorant präsentieren sie sich in ihren Berufen und sind das Mittel, mit dem der Autor die Zivilkritik ausübt.

Die großen Leute haben eine Vorliebe für Zahlen.

Obwohl das Geld nicht wortwörtlich im Roman vorkommt, so fällt es nicht schwer zu erkennen, dass die Sterne, die der Geschäftsmann als seinen Besitz sieht, für das Kapital stehen. Somit wird dessen Rolle in unserer Gesellschaft hinterfragt. Wichtig ist, dass es keine deutliche Kapitalismuskritik, wie sie seinerzeit nicht selten geäußert wurde, ist, sondern vielmehr die Suche nach dessen Sinn. Das genaue Nutzen der Sterne kann der Geschäftsmann nicht beschreiben, da er sie nur „besitzt“ und später mit ihnen neue Sterne kaufen kann. An dieser Stelle verbirgt eine Paradoxie, da quasi von seinem Geld anderes, neues Kapital erworben wird, er tauscht die Sterne gegen Sterne – sein Reichtum wächst irgendwann nicht mehr.
Jedoch wird das Geld weder positiv, noch negativ abgestempelt, es ist der Geschäftsmann mit seinen schmutzigen Absichten.

Aber einen Affenbrotbaum kann man, wenn man sich seiner zu spät annimmt, nie mehr loswerden. Er bemächtigt sich des ganzen Planeten.

Was oder wen genau die Affenbrotbäume symbolisieren, ist nicht festgelegt. Einerseits können es schlechte Eigenschaften wie Gier, Hass, Voreingenommenheit oder Eifersucht sein, die die Menschheit auseinanderreißen und für Kriege verantwortlich sind. Andererseits können diese „Baobabs“ auch für die Erwachsenen stehen, die im Roman stets destruktiv agieren. Sie plustern sich auf, fühlen sich wichtig und übersehen all das, was sie durch ihre Haltung zerstören. Sie vergessen Vieles und verstehen nur noch Weniges, wie die Kritik zum Beispiel.

Die Eitlen hören immer nur die Lobreden.

Die Erkenntnis des Glücks

Nur die Kinder wissen, wohin sie wollen.

Offensichtlich verkörpert der kleine Prinz die Kindheit mit all ihrer Neugierde und ihrer Naivität. Trotz seiner positiven Ausstrahlung ist er sehr melancholisch. So deutet er anfangs seine Trauer an, auf die er im Laufe der Geschichte genauer eingeht.

„An einem Tage habe ich die Sonne vierundzwangzigmal untergehen sehen! (…) Du weißt doch, wenn man traurig ist, liebt man die Sonnenuntergänge…“ – „Am Tage mit den vierundzwanzigmal warst du also besonders traurig?“ Aber der kleine Prinz antwortete nicht.

Grund für seine Stimmung ist, wie soll es anders sein, die Liebe. Allerdings ist es kein Mädchen, sondern eine Rose, die er auf seinem kleinen Planeten B612 mit all seiner Kraft zufriedenstellen wollte. Im Gegensatz zu den Affenbrotbäumen und den Vulkanen bedurfte sie keine Pflege, sondern musste gezähmt werden. Zuerst erkennt er nicht, was ihm seine in sie investierte Zeit bringt, er ist unglücklich und erschöpft. Er beginnt sogar, an seiner Liebe zu zweifeln.
Er beschließt, vor seiner Beziehung zu fliehen und die anderen Planeten zu entdecken. Seine Rückkehr kann erst dann gemacht werden, wenn er an Reife und Einsicht gewonnen hat.

Auf seine Reise lernt er zwei wichtige Figuren kennen. Zunächst ist es die Schlange, die – ähnlich wie in der Bibel – die Verführung und den Wechsel des Ortes symbolisiert. Sie bietet dem kleinen Prinzen an, ihn zu beißen und zurück zu seinem Planeten zu bringen.
Dieses Angebot behält der Prinz im Hinterkopf und erforscht den Planeten Erde weiter.

Wenn du einen Freund willst, so zähme mich.

Die Begegnung mit dem Fuchs ist – meiner Meinung nach – die Schlüsselstelle. Zum ersten Mal ist der kleine Prinz nämlich in der Position des Lernenden und erfährt, was Freundschaft bedeutet.
Schließlich passiert es auch hier, dass der kleine Prinz versteht, warum seine Rose nicht wie alle anderen ist, sondern für ihn etwas ganz Besonderes ist:

Die Zeit, die du für deine Rose verloren hast, sie macht deine Rose so wichtig.

Auch der wohl berühmteste Satz dieses Meisterwerks kommt in diesem Dialog vor. Das Geheimnis, das der Fuchs ihm anvertraut, ist ganz einfach.:

Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.

Dies bezieht sich nicht nur auf zwischenmenschliche Beziehungen, sondern auf alles, die das Leben zu bieten hat. Es sind die Erfahrungen, die persönlichen Verbindungen mit Dingen, die sie einzigartig und schön machen.

Ob es sich um das Haus, um die Sterne oder um die Wüste handelt, was ihre Schönheit ausmacht, ist unsichtbar.

Deutlich wird, dass Saint-Exupérie das Ideelle über das Materielle stellt. So sehr er den Geschäftsmann ablehnt, desto deutlicher stimmt der kleine Prinz dem Fuchs zu.
Außerdem behandelt er noch ein anderes Thema, den Tod.

Man ist nie zufrieden dort, wo man ist.

Während er unterwegs war, hat der kleine Prinz sich stets Sorgen um seine Rose gemacht, die so schwach und zerbrechlich ist. Scheinbar ist der einzige Weg, sie wiederzusehen, der Tod durch den Schlangenbiss.

Man läuft Gefahr, ein bisschen zu weinen, wenn man sich hat zähmen lassen.

Der Pilot möchte ihn vom Selbstmord abhalten, da er seinen neugewonnenen Freund nicht verlieren möchte. Immerhin sieht er nicht nur einen Freund in dem kleinen Männchen, sondern ist von seiner Existenz fasziniert. Die Begegnung hat ihn von den großen Leuten zurückgeholt und ihm neue Werte vermittelt. Besonders die Fürsorglichkeit gegenüber der Rose hat ihn gerührt.
Zunächst ist der kleine Prinz etwas ängstlich, wenn es um den Tod geht, aber er begreift, dass er sich vor ihm nicht verstecken kann.

So schließt sich der Kreis also, der kleine Prinz lässt sich beißen und kehrt zu seiner Liebe zurück. Man könnte das ganze graphisch darstellen, in etwa so:

Diese drei Figuren sind es, die den kleinen Prinzen zur Erkenntnis des Glückes kommen lassen. Die Rose, weil sie sein Reichtum und seine Liebe ist. Der Fuchs definiert das Zähmen und hilft ihm, die Gefühle für seine Rose zu erkennen.
Zum Schluss gibt es die Schlange, die ihm die Angst vor dem Tod nimmt und ihn mit seiner Rose vereint.

Speziell die Art, wie die Erwachsenen wahrgenommen werden, ist wahrheitsgetreu gelungen. Ich merke es in meinem Alltag, wie ich mich einerseits über die großen Leute ärgere, andererseits aber feststellen muss, dass ich mich manchmal selbst so verhalte. Der Roman ist durchaus ein trauriger, vor allem das Ende.
Falls es jemand noch nicht gelesen haben sollte, dann muss sich das ändern. Wirklich, sehr dringend!

Saint-Exupéry war übrigens Pilot und erlebte auch eine Bruchlandung in der Wüste.

We accept the love we think we deserve.

24 Dez

Der fünfzehnjährige Charlie ist sehr einsam und er ist sich sicher, dass irgendetwas mit ihm nicht stimmt, denn eines ist klar: er ist anders als seine Gleichaltrigen, er sieht Dinge, die andere nicht bemerken, er interessiert sich für Sachen, die andere noch nicht verstehen.
Um seine Gedanken und Erlebnisse festzuhalten, schreibt er Briefe an einen „Freund“ – an uns LeserInnen. Während sein bisheriges Leben unspektakulär zu sein scheint, ändert die Begegnung zu Patrick alles. Sein älterer Mitschüler zeigt ihm, was es bedeutet, seine Grenzen auszutesten, seinen Horizont zu erweitern und sich unendlich zu fühlen.

Stephen Chbosky hat mit „The Perks Of Being A Wallflower“ einen der meiner Meinung nach weltbesten Romane geschrieben, die das Thema des Erwachsenwerdens, der Freundschaft, der Liebe und der Konfrontation mit der eigenen Person behandeln.
Einige von euch werden die Geschichte von Charlie, die Chbosky erzählt, möglicherweise schon kennen, doch sollte dies nicht der Fall sein: ändert es bitte.
Vor allem auf den letzten 20 Seiten lohnt es sich, sehr aufmerksam zu lesen, da dort ein winziges Sätzchen den gesamten Roman quasi aufdeckt. Als ich heute durch war, saß ich erst mal auf meinem Bett und musste alles auf mich einwirken lassen. Irgendwie bin ich immer noch geflasht.

Übrigens kommen sehr viele Bücher, Filme und Musikstücke in Charlies Briefen vor, die ihr wahrscheinlich kennt (zumindest von Namen). Ich habe mir vom Mixtape „One Winter“ die zweite Kassettenseite erstellt, es ist wunderbar.
Hier gibt es eine kleine Kostprobe:

The Smiths – Asleep

Ach ja, ich weiß, ich hasse Weihnachten, aber trotzdem wünsche ich euch ein gesegnetes und besinnliches Fest.