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Die „Mitte“ der Gesellschaft

20 Aug

Zwei Tage vor dem 21. Jahrestag der Pogrome von Rostock-Lichtenhagen zeigt sich Deutschland von seiner besten Seite und beweist, dass Rassismus kein 90s-Wiedervereinungsphänomen, sondern Alltag ist.

Mit Hitlergruß und fremdenfeindlichem Pöbeln werden die ersten Flüchtlinge in der Notunterkunft in Berlin-Hellersdorf und in Duisburg „willkommen“ geheißen. „Hellcome to Germany“, „Meinungsfreiheit“, „Nazikeule“ – die üblichen Floskeln von der sich selbst als „Mitte der deutschen Gesellschaft“ betitelnden, in Wahrheit doch stark rassistisch angehauchten Gruppen.

Ein Monat in Deutschland„, heißt es beim Kotzenden Einhorn, auch die Mädchenmannschaft schreibt über die Übergriffe. Wer im Bilde bleiben möchte, folgt dem Twitter-Hashtag #MaHe und dem Account @AntiRa_Info_MH. Vor Ort braucht es noch Menschen, die sichtbaren Widerstand leisten.

Blut, Facebook und Dozentinnen

5 Jun

In der Grundordnung der Leipziger Uni sollen nur noch weibliche Personenbezeichnungen genutzt werden, einbegriffen sind aber alle. Das generative Femininum ist schön subversiv und verdeutlicht, wie sehr das Maskulinum als „normal“ angesehen wird. Für fudder hab ich ein paar Sätze dazugeschrieben, aber auch bei der Mädchenmannschaft gibt’s einen schönen Text dazu.

Dort schreibt auch die Gastautorin Inge Kleine über Facebooks Feminismusproblem. Ein Problem haben allerdings auch die Leute, die alle -ismen als böse, extreme Ideologien verstehen. Margarete Stotowski schreibt in ihrer wunderbaren Kolumne, dass dieses Konzept nicht aufgeht.

Zu guter Letzt möchte ich auf den neuen Song von Respect My Fist aufmerksam machen. Er handelt vom „Tabuthema“ Menstruation. Warum das nötig ist, könnt ihr hier lesen. Zu hören gibt’s das Lied hier.

Fat Pride, Mumins und Lesbenpornos

25 Mai

Nach meinem Mini-Urlaub bin ich wieder frisch und bereit für abgetippten Schabernack. Worüber ich in der letzten Woche an Lesens- und Sehenswertem im Netz gestolpert bin, findet ihr in dieser kleinen Linksammlung.

Stell dir vor, du willst eine Anzeige wegen Vergewaltigung erstatten, nimmst alle Kraft zusammen, gehst zur Kriminalpolizei – und wirst nach Hause geschickt. WTF, nicht wahr? Ist aber Realität, schreibt Debs.

„Back off my fat body“, fordert Dances With Fat. Bei der Mädchenmannschaft wurde der empowernde Artikel von Anna-Sarah ins Deutsche übersetzt.

Einen hauskritischen Artikel über diskriminierende Sprache gibt es in der taz zu lesen. Daniel Bax schreibt, warum political correctness eher mit Respekt und Höflichkeit als mit erzwungenen Floskeln zu tun hat.

Selbigen Ortes ist auch eine (sehr stark) gekürzte Version meines Interviews mit Nadine Lantzsch, die gemeinsam mit Leah Bretz das Queer_Feminismus-Buch für den Unrast Verlag geschrieben hat. Hier stellt sich vor allem die Frage der Selbstverortung und dem Eingestehen von Privilegien.

Was können wir aus der Welt von Tove Janssons Mumins lernen? Im BuzzFeed gibt es eine Liste mit 50 Dingen über das Leben.

Und einen Lacher hat mir das Video von wickydkewl verschafft. Wie unauthentisch „Lesben“-Pornos sind, ist nichts Neues. Die Reaktionen von tatsächlichen Lesben sprechen uns teilweise von der Seele.

 

Sag’s mit einem Lächeln!

14 Dez

Dass die Debatte um die Gleichstellung von homosexuellen Paaren in absurden Tiefen schwimmt, ist wirklich kein Geheimnis mehr. Süße PolitikerInnen äußern sich auch gern mit einleuchtenden Statements zu dem Thema, das ganze könnt ihr euch hier anschauen.

Menschenrechtsverletzung in Berlin

29 Okt

Seit dem 24. Oktober 2012 protestieren 16 AsylantInnen vor dem Brandenburger Tor, sie sind von Würzburg in die Hauptstadt marschiert und fordern nun ihre Rechte ein. Von der Kälte ließen sie sich nicht abhalten, sind im Hungerstreik und bleiben Standhaft. Die Polizei beschlagnahmte in der Nacht vom 28.10. alles, was Wärme spenden könnte, also Decken, Schlafsäcke oder Isomatten. Hier steht etwas ausführlicher, was passiert ist.

Bei einer solchen inhumanen staatlichen Aktion darf nicht einfach zugesehen werden. Wer in Berlin wohnt, kann jederzeit die Protestierenden unterstützen, alle anderen können eine E-Mail an die Berliner Polizei schicken und um eine Stellungnahme bitten. Ihr müsst nicht viel formulieren, denn es gibt hier eine treffende Vorlage, die ihr mit eurem Namen unterschreiben und an die angegebene E-Mail Adresse verschicken müsst, kostet nicht mal eine Minute.

Rostock-Lichtenhagen 2.0

19 Sep

Nicht mal einen Monat nach dem 20. Jahrestag von den Pogromen in Rostock-Lichtenhagen möchte ich euch ein Video zeigen, das beweist, dass die Fremdenfeindlichkeit in der BRD keine Eskalation der Wiedervereinigung ist, sondern der graue Alltag. In sozial schwachen Kreisen, weniger urbanen Gebieten und bei generell unaufgeklärten Menschen scheint es Gang und Gebe zu sein, ein Feindbild zu erstellen und mit Hass gegen Minderheiten vorzugehen. Langeweile, Unzufriedenheit und Neid als Motivation für ein undemokratisches Vorgehen, die Ignoranz in Form des Wegguckens und ein paar IdiotInnen, die den insgeheimen Wunsch einer großen Gruppe in die Tat umsetzen – so sieht das dann aus.

 

Wie es aussieht, wenn Deutsche aufspringen

24 Aug

Am 24. August 1992, vor genau zwanzig Jahren also, kam es im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen zu einem mehrtägigen Angriff auf das Asylheim. In der rechtsradikalen Szene aktive Menschen, aber auch „ganz normale“ BundesbürgerInnen machten es sich zum Ziel, dieses schäbige Stück Stadt ausländerfrei zu machen.
Die einen standen vorne, warfen Steine, Molotowcocktails und faschistische Parolen durch die Fenster, die anderen ummantelten sie, grölten mit, unterstützten und relativierten die Unmenschlichkeit dieser Pogrome.
Und die Polizei? Die stand daneben, hatte den angekündigten (!) Übergriff „falsch eingeschätzt“ und zeigte sich machtlos. Die Verstärkung kam erst am dritten Tag und bis dahin vertrieben sie sich ihre Zeit damit, zuzugucken und nichts zu tun.

Warum ein so übles Ereignis in den Lehrplänen der BRD nicht erwähnt wird, ist mir ein Rätsel. (Na ja, eigentlich nicht, die wollen halt vertuschen, wie viel braunen Dreck das Land noch nach dem Nationalsozialismus am Stecken hat, siehe die Inkompetenz und Korruption der Justiz.) Man kann hier Abitur machen, ohne von der aktuellen Politik oder Geschichte auch nur die blasseste Ahnung zu haben. Und wenn man über Ecken und Kanten doch mal auf dieses Thema zu sprechen kommt, wird das ganze so verzerrt dargestellt, dass es am Ende wie eine eskalierte Nazi-Demo aussieht, aber nicht wie eine von der Mehrheit unterstützte bzw. geduldete Aktion, die a) vorhersehbar und deshalb b) vermeidbar/kontrollierbar war.

Ich empfehle wärmstens, diese Originalberichte aus der taz zu lesen, bessere Infos kann man sich fast nicht beschaffen, es wurden Zeugen zitiert und das ganze wurde en détail beschrieben. Es ist wichtig, darüber zu reden, jede und jeder sollte über dieses Ereignis Bescheid wissen, damit es nicht in Vergessenheit gerät.

Auf der Suche nach Boykott-Gründen für Urban Outfitters?

22 Aug

Es gibt viele Gründe, bei Urban Outfitters nicht einzukaufen. Angefangen bei den wuchernden Preisen, der miserablen Qualität und dem – zumindest auf die Hamburger Filiale zutreffenden – unfreundlichen Personal, gibt es auch politische schwarze Flecken im Firmenbuch.

Von unangebrachten T-Shirt-Aufdrucken wie Eat Less, getragen von einem tendenziell annorexisch aussehendem Model, bis hin zu Spenden an die Wahlkampagne des bekanntlich homophoben, sexistischem US-Politikers Nick Santorum. Und mit Spenden sind 13 Mio. Dollar gemeint.

Zumal UO keine eigenen Marken produziert, sondern nur ein Zwischenhändler ist, muss man auf die Kleidung gar nicht unbedingt verzichten. Die Schuhe sind meistens von bekannten Firmen wie Doc Martens, Vans oder Kimchy Blue, die Klamotten unter anderem von Cheap Monday, was man auf bei MTWTFSS Weekday oder direkt beim Händler bekommt.

Sicher, es ist heutzutage schwer, in jeder Hinsicht fairen Konsum zu realisieren, aber manchmal kann dieses Stückchen Wissen über den Hintergrund des Unternehmens wahre Wunder bewirken. Für das Portemonnaie auf jeden Fall, für die Welt – man wird’s sehen.

Liebe_r Bundestagsabgeordnete_r, Sie stinken mir!

16 Jul

Einige von euch werden es mitbekommen haben, als Anfang des Monats die Bundestagsabstimmung über das Gesetz der Gleichstellung der Ehen stattfand. Wie zu erwarten war, stellte sich die CDU komplett quer, auch die FDP gab größtenteils Nein-Stimmen. Dass das ziemlich heuchlerisch von ihnen ist, steht nicht zur Debatte, zumal eines ihrer vermeintlichen Ziele die Gleichstellung Homosexueller war.

Wer sich persönlich bei den homophoben Mäuschen beschweren möchte, kann das hier tun. Da sind alle bei Facebook angemeldeten Nein-Wähler aufgelistet, sodass man ihnen bequem eine Nachricht oder ein Kommentar hinterlassen kann. Sie freuen sich sicher über viel, viel Post!
(Gleich als erste Person: Bracht-Bendt aus meinem alten Landkreis. Da freut es mich gleich doppelt, dass ehemalige Mitschüler von mir nach Berlin zu einer ihrer Veranstaltungen gefahren sind und sie an die Wand diskutiert haben. Mein Text an sie:

Frau Bracht-Bendt! Letztes Jahr noch schön die Buchholzer Wahlplakatflächen geschmückt, diesen Monat die Liebe zwischen zahlreichen Menschen als unwürdig degradiert, das sind mir die Liebsten!
Ich würde Ihnen gerne eine Moralpredigt halten, aber da mit der FPD bei der nächsten Bundestagswahl sowieso nicht über 5% zu rechnen ist, muss ich Ihnen nicht noch etwas reinwürgen. Bei Frau Griefhahn war es echt bitter, nicht mehr die Bundestagsboni genießen zu können, aber davon werden Sie in einem Jahr und ein paar Monaten wohl selber ein Lied singen können. Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen homosexuelle Kinder, damit Sie am eigenen Leib erfahren, was Homophonie bedeutet. Ansonsten noch einen schönen Abend.)

Keine Bild in meinen Briefkasten!

18 Apr

Der Springer-Verlag wird 60! Hurra! Damit wir alle was davon haben, werden am 23. Juni Sonderausgaben an jeden Haushalt in der BRD verschenkt. Wer allerdings keine Lust hat, den Müll in seinem Briefkasten zu haben, der kann diese vorgefertigte Mail abschicken und muss sich keine Sorgen darum machen, Hetzpresse zugeschickt zu bekommen.

Damit wird dem Verlag natürlich auch ein Zeichen gesetzt, da Teile der Bevölkerung ihr Produkt ablehnen und sich von dem „beliebtesten Blatt Deutschlands“ distanzieren.