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Warum ich mir vorstellen könnte, mich auch mal als Bi-Ally zu positionieren

9 Sep

[TW: In diesem Text werden einige Dinge nicht mitgedacht, was dazu führt, dass der Text als bifeindlich gelesen werden kann. Einen Nachtrag mit Berichtigungen gibt es hier.]

Nachgetragener Vorspann: Dieser Text ist nicht aus einer lesbischen, sondern einer queer_feministischen Perspektive heraus geschrieben. Das bedeutet, dass es nicht in meinem Interesse liegt, irgendwelche Zugehörigkeiten zu bestimmen oder darüber zu urteilen, wer sich wie labeln soll. Ob eine Person „zu hetero“, „nicht bi“ oder nicht lesbisch genug“ ist, darüber habe ich nicht zu urteilen und will es auch nicht. Ich argumentiere auf einer anti-identitären Ebene. In der geht es darum, die Priorisierung von Cismännern in cisheterosexuellen, teils polygamen Beziehungen zu hinterfragen. Es geht um einen problematischen Umgang mit Privilegien, die vorhanden sind, selbst wenn sie nicht immer präsent sind. Lediglich der Umgang mit Unachtsamkeit hinsichtlich der unterschiedlichen Machtgefälle innerhalb der unterschiedlichen Beziehungen – einer Sache, die meinen eigenen Erfahrungen nach zu Teilen besteht – wird kritisiert. Ich schreibe auch aus der Perspektive einer Person, die sich selbst eine Zeit lang bisexuell verortet hat, aber es nicht mehr tut, weil „bisexuell“ nicht umfassend genug ist.

Für die einen ist es ein konstruierter Mythos, für die anderen exkludierende Realität: Bifeindlichkeit. Es fühlt sich an, als wäre Bisexualität ein schwieriger Knackpunkt in verschiedenen queer_feministischen Kontexten. Lange Zeit hatte ich Schwierigkeiten, mich selbst dazu zu positionieren, jetzt versuche ich es mal mit Gedankenfetzen.

Manchmal richtet sich Bifeindlichkeit auch an Cisfrauen, die sich bisexuell verorten und mit dem Knutschfleck des Boyfriends auf dem Hals queere Räume betreten, weil sie sich „auch vorstellen könnten, mal was mit Frauen* zu haben“, dort aber am Ende nur von ihrer Hetenbeziehung reden. Tatsächlich habe ich einige lesbischen Beziehungen beobachtet, in der eine der beiden ihre langjährige, parallel stattfindende RZB mit einem Typen sehr viel höher priorisiert und sich sogenannte Hetenprivilegien sichert. In erster Linie gab es immer den Cisboyfriend – vor allem im Beruf, vor der Familie oder auch sonst dort, wo es sich schick und praktisch macht, als Hete gelesen zu werden. Wurden alternative_queere Räume betreten, wurde das lesbische Date als Token genutzt und für das Highlighting der eigenen ach-so-subversiven-Queerness instrumentalisiert. Das kann vorkommen, manchmal. Weiterlesen