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Nö, passt nicht! – Warum white-passing nicht nur ein Privileg ist

2 Jan

Es ist Werktags, kurz vor Jahresende, die Straßen überfüllt mit Menschen, der Boden bedeckt von Schnee, die öffentlichen Verkehrsmittel unübersichtlich. Ich sitze in der U-Bahn, lasse mich über Kopfhörer von Silvana Imam beschallen und betrachte meine Reflexion auf der dunklen Fensterscheibe. Müde sehe ich aus. Und ein bisschen glamourös in meinem schwarzen Faux-Pelzmantel. Auf meiner langen Strecke steigen viele Menschen ein und aus. Zwei coole Middle-Eastern Queens steigt am Hermannplatz ein, die beiden Freundinnen sitzen in einem Viererblock mit mir und einer anderen Person, die ich als Middle-Eastern Mädchen lese. Die beiden Freundinnen unterhalten sich miteinander, die eine hat einen knallroten Lippenstift und lockiges Haar, die andere ein sehr schmales Gesicht und goldene Kreolen. Sie nehmen viel Raum ein, unterhalten sich laut, reclaimen sich den von weißen Yuppies gefüllten Space namens U-Bahnabteil. Ab und zu lächeln sie der vierten Person auf den Sitzbänken zu, es ist keine große Kontaktaufnahme, nur ein Zeichen von „Ich sehe, dass du da bist, Schwester!“ Ich beobachte die beiden, bewundere sie. Sie wirken auf mich sehr selbstbewusst und erinnern mich an Töchter von Bekannten. Ich versuchte, nicht starrend auszusehen, also schaute ich immer nur für ein paar Sekunden hin und senkte meinen Blick schnell wieder. Ich lächelte, hätte ihnen gern zugelächelt. Hätte gerne auch ein „Ich sehe, dass ihr da seid und ich bewundere euch, Schwestern!“-Zeichen ausgesandt. Wie ich es oft auf der Straße versuche, wenn ich Muslimas und nicht-weißen Personen über den Weg laufe. Aber ich werde häufig nicht erkannt. Weiterlesen

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